Was ihn auszeichnet, seien keine spektakulären Gesten, sondern eine klare Haltung: „Er bleibt, wenn andere auf Distanz gehen. Er spricht ruhig, wenn Situationen zu kippen drohen. Er setzt Grenzen, ohne zu entwürdigen – und schafft es, auch in schwierigen Momenten in Beziehung zu bleiben“, so die Evangelische Stiftung Alsterdorf (ESA) über ihren Mitarbeiter Jonas Kirschner. Der 38 Jahre alte Gesundheits- und Krankenpfleger in den Heinrich Sengelmann Kliniken in Bargfeld-Stegen ist beim bundesweiten Award „Pfleger/Pflegerin des Jahres 2026“, der von der Initiative „Herz & Mut“ vergeben wird, mit dem zweiten Platz ausgezeichnet worden. Er arbeitet auf einer geschützten Station und begleitet dort Menschen in seelischen Not- und Krisensituationen.
„Gerade in schwierigen Situationen entsteht oft der wichtigste Kontakt“, sagt Kirschner. „Wenn Menschen merken, dass jemand bleibt und sie ernst nimmt, kann daraus wieder Vertrauen wachsen, gerade dann, wenn sie ihre eigene Erkrankung nicht einordnen können.“
„Gerade in schwierigen Situationen entsteht oft der wichtigste Kontakt“
Eine ehemalige Patientin beschreibt diese Erfahrung so: „Kurz nach der Geburt meines Sohnes fand ich mich aufgrund einer postpartalen Psychose nicht im herbeigesehnten Wochenbett wieder, sondern im Isolationsbereich auf einer geschlossenen Station. Getrennt von meinem Baby, mit vielen wüsten Gedanken im Kopf. Verzweifelt, eingeschlossen und weit weg von meinem eigentlichen Erleben. Und dort (…) begegneten mir unerwartet viel Menschlichkeit, Empathie, Vertrauen und sogar Lachen.“
Geboren wurde Kirschner in Gelsenkirchen. Seit vier Jahren arbeitet er in den Heinrich Sengelmann Kliniken. Bereits während seiner Ausbildung kam er mit der Arbeit auf einer geschlossenen psychiatrischen Station in Kontakt und entschied sich bewusst für diesen Bereich. Parallel engagiert er sich als Deeskalationstrainer und schult Kolleginnen und Kollegen im professionellen Umgang mit herausfordernden Situationen.
Die Auszeichnung wurde von dem Baden-Badener Personaldienstleister „Jobtour medical“ initiiert und ist mit insgesamt 10.000 euro dotiert. Für den zweiten Platz gibt es 3000 Euro. Seit zehn Jahren würdigt der Preis Pflegekräfte aus ganz Deutschland, die durch besondere Haltung, Engagement und Menschlichkeit auffallen. Eine Fachjury wählt die Preisträgerinnen und Preisträger aus rund 1.000 Nominierungen aus; vorgeschlagen werden Pflegekräfte von Angehörigen, Patientinnen und Patienten sowie Kolleginnen und Kollegen. (rd)

Jonas Kirschner mit einer Patientin im Kunstatelier. Foto: Heinrich-Sengelmann-Krankenhaus