Fachleute alarmiert: Immer mehr
Jüngere sterben an Drogen

2.150 Menschen sind im vergangenen Jahr in Deutschland an den Folgen ihres Drogenkonsums gestorben. Damit bleibt die Zahl der Drogentoten auf Rekordniveau. Besonders besorgniserregend: Die Drogentoten werden immer jünger. Seit 2021 sind die Todesfälle unter 30 um mehr als die Hälfte gestiegen, bei den unter 20-Jährigen haben sie sich nahezu verdoppelt. Fast jeder vierte Drogentote ist heute jünger als 30 Jahre. Das teilte der Bundesdrogenbeauftragte Prof. Dr. Hendrik Streeck mit. Er forderte mehr Prävention, frühere Hilfe und ein Hilfesystem, das Menschen rechtzeitig erreicht.

Auffällig sei, dass die jungen Drogentoten vor allem Medikamente konsumiert haben. Wenngleich in der Regel nicht alleine todesursächlich spielten Benzodiazepine, opioidhaltige Schmerzmittel und andere psychoaktive Arzneimittel überdurchschnittlich häufig eine Rolle. Gleichzeitig wird der Konsum immer riskanter: Mehr als vier von fünf Drogentoten starben nach dem Konsum mehrerer Substanzen gleichzeitig. Die Bundesregierung arbeite derzeit ressortübergreifend an Maßnahmen zur Eindämmung der aufkommenden neuen Drogenprobleme, hieß es weiter. Dazu gehören unter anderem der Ausbau von Monitoring- und Frühwarnsystemen für synthetische Opioide und die Stärkung von Prävention und Suchthilfeangeboten für junge Menschen. Der Zugang zum Notfallmedikament Naloxon, das der Überdosierung von Opioiden entgegenwirken kann, wurde bereits erleichtert.

Auch ein breites Fachnetzwerk, dem unter anderem der Paritätische Gesamtverband angehört, zeigt sich alarmiert. Angesichts der Ausbreitung von Crack, synthetischen Opioiden und gefährlichem Mischkonsum fordern die Organisationen von Bund, Ländern und Kommunen ein schnelles, flächendeckendes Handeln. Mit der Kampagne #GibMir5 präsentiert das Bündnis einen wissenschaftlich fundierten 5-Punkte-Plan zur Schadensminimierung (Harm Reduction): Kommunale Frühwarnsysteme: Schnelleres Erkennen von gefährlichen Trends auf dem Markt, Flächendeckendes Drugchecking: Chemische Analysen, damit Konsumierende tödliche Überdosierungen vermeiden können, Ausbau von Drogenkonsumräumen: Schaffung von sicheren Bedingungen und direktem Zugang zu medizinischer Notfallhilfe, Verfügbarkeit von Naloxon: Niedrigschwelliger Zugang zu dem Opioid-Antidot und Schulungen für Ersthelfer sowie Ausbau der Substitutionstherapie.
Zusätzlich plädiert das Netzwerk für die Einrichtung eines interdisziplinären Drogen- und Suchtrates, um politisch schneller und evidenzbasierter auf neue Marktentwicklungen reagieren zu können.