Erste Frau, erste Nicht-Habilitierte: Die Vergabe der Wilhelm-Griesinger-Medaille stand beim DGPPN-Kongress 2025 im Zeichen von Premieren sowie des 50-jährigen Jubiläums der Psychiatrie-Enquete. Die höchste Auszeichnung der Fachgesellschaft ging an Dr. Maria Rave-Schwank. Die heute 90-Jährige war Mitwirkende der Enquete und Gründungsmitglied der DGSP. In ihrer Dankesrede hob sie die besondere Bedeutung der Angehörigenarbeit hervor.
Maria Rave-Schwank studierte Medizin an den Universitätskliniken Heidelberg, Berlin und München, wo sie 1960 ihr Studium abschloss und anschließend promovierte. Ihre Weiterbildung als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie absolvierte sie unter Walter von Baeyer und Heinz Häfner an der Psychiatrischen und Sozialpsychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg. Sie entwickelte das erste Weiterbildungscurriculum zur Fachpflege Psychiatrie und übernahm 1979
als Ärztliche Direktorin die Leitung des Philippshospitals Riedstadt in Hessen. Damit war sie zu dieser Zeit die einzige Frau, die eine psychiatrische Klinik in Deutschland leitete.
Einen besonderen Meilenstein stellte ihre Beteiligung an der Psychiatrie-Enquete in den 1970er-Jahren dar. Maria Rave-Schwank gehörte der Arbeitsgruppe zur Psychiatrischen Versorgung und Personalstruktur an und war verantwortlich für die Erarbeitung von Konzepten zur gemeindenahen, multiprofessionellen Versorgung. „In diesem Rahmen entwickelte sie Modelle für Tageskliniken und sozialpsychiatrische Dienste, die bis heute als Vorbild für eine sektorenübergreifende Betreuung gelten“, teilte die DGPPN weiter mit. Schließlich habe sie auch entscheidend zur „Aufarbeitung der Historie der deutschen Psychiatrie und ihrer Verstrickung in die Medizinverbrechen während der NS-Zeit“ beigetragen.
In ihrer Dankesrede appellierte die Geehrte, Angehörige als mögliche Kooperationspartner zu sehen und diese auch in Weiterbildungen zu Wort kommen zu lassen. „Angehörige sind meine Lehrer gewesen“, sagte sie, diese hätten ihr geholfen, eine Balance zwischen der biologischen und der psychotherapeutischen Seite zu finden.
Mit Bezug auf die veraltete psychoanalytische Theorie der schizophrenogenen Mutter hob sie hervor, wie sehr das von Dörner und anderen herausgegebene Buch „Freispruch der Familie“ von 1982 die Angehörigen von Schuldgefühlen entlastet habe. Studien zeigten, dass der Verlauf der Krankheit durch Angehörige mitgestaltet werde. Der Spruch „Sie müssen loslassen“ sei nicht hilfreich. Wohl aber hilfreich sei: emotionale Teilnahme an geglückten kleinen Fortschritten wie der ersten Karte zum Geburtstag, die der Patient schreibe, oder dem ersten Anruf des Patienten. (hin)
(Originalveröffentlichung im EPPENDORFER 1/2026, daneben auch ein Bericht über “Die Enquete und die Frauen”)

Späte, aber große Ehre: Dr. Maria Rave-Schwank erhielt mit 90 Jahren die höchste Auszeichnung der DGPPN. Foto: © C. Burger, DGPPN