Kurz notiert:
Corona-News

Elektronen-Mikroskop-Aufnahme des „SARS-CoV-2( (gelb) — auch bekannt als 2019-nCoV - das Virus, das COVID-19 verursacht. Isoliert bei einem Patienten in den USA. Foto: NIAID Rocky Mountain Laboratories (RML), U.S. NIH

Schnelltests: Menschen mit Behinderungen vergessen?

In der Corona-Teststrategie spielen Menschen mit Behinderung eher eine untergeordnete Rolle. Für Betroffene und ihre Angehörigen bedeutet das: banges Warten auf die neuen Antigen-Schnelltests. Eine Mutter schilderte ihren Fall nun rbb|24. Mit Briefen haben sich derweil Dutzende Träger der Behindertenhilfe an den Berliner Senat gewandt. Auch sie kritisieren, so ein weiterer rbb-Bericht, dass sie bei der Corona-Teststrategie vergessen worden seien. Die Träger befürchten, dass sich das wiederholen wird, wenn ein Impfstoff da ist. 

Betroffenen-Telefonhotline für Panademieleidende

Der Bayerische Landesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V. hat aufgrund des erneuten Lockdowns eine Telefonhotline für Menschen eingerichtet, die in der Pandemie leiden. Am Telefon: Vorstandsmitglieder des Selbsthilfe-Verbands. Die Nummer 0151/51756840 kann von überall aus dem Bundesgebiet angewählt werden und ist dienstags, donnerstags und samstags von 17:00 –19:00 Uhr erreichbar.

26.11.

Ausbruch in den Marie-Christian-Heimen

Die Marie-Christian-Heime hat es wieder getroffen. Nachdem sich im März 27 Bewohner mit dem Coronavirus infiziert hatten und drei gestorben waren, gibt es dort jetzt erneut einen größeren Corona-Ausbruch. Zwölf Bewohner und sieben Mitarbeiter seien positiv getestet und teils auch an Covid erkrankt. Das berichteten die Kieler Nachrichten online. Drei Häuser des diakonischen Trägers seien betroffen. Im April waren in einer Einrichtung für Menschen mit seelischen und geistigen Beeinträchtigungen der Marie-Christian-Heime drei 70, 74 und 77 Jahre alte Menschen in Folge von Corona-Infektionen gestorben. Unter dem Dach der Marie-Christian-Heime arbeiten verschiedene Einrichtungen der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen. Gut 200 Menschen leben in stationären Wohnformen, 100 werden ambulant versorgt, 95 in Tagesförderstätten.

Schnelltests in 500 Einrichtungen der Pflege und der Eingliederungshilfe

In Hamburg werden laut dem jüngsten „Corona-Briefing” des Senats aktuell in 20 Krankenhäusern 312 Patienten stationär behandelt, davon 78 intensivmedizinisch. In insgesamt 30 Pflegeeinrichtungen sind tagesaktuell (Stand: 25.11.) 410 Bewohnerinnen und Bewohner infiziert. In 15 Pflegeeinrichtungen gibt es zehn oder mehr Fälle. Stadtweit sind 197 Beschäftigte von Pflegeeinrichtungen aktuell Corona-infiziert. An jedem Werktag werden durchschnittlich 16.300 Tests durchgeführt. Die Rate der positiven Befunde ist auf 5,9 Prozent gestiegen. Hinzu kommen Schnelltests, die mittlerweile in mehr als 500 Einrichtungen der Pflege, Eingliederungshilfe und Altenpflege sowie in Krankenhäusern nach Einreichung eines Konzeptes eingesetzt werden können.

20. November

Hilfe für „Familien unter Druck”

Mit den steigenden Corona-Infektionszahlen wachsen auch die Sorgen von Familien: Was kann ich tun, wenn mein Kind Angst hat? Wie kann ich selbst – trotz Stress und Unsicherheit – positiv bleiben und den Familienalltag am besten gestalten? Was hilft, wenn die Nerven blank liegen? Diese und ähnliche Fragen beschäftigen derzeit viele Eltern. Antworten geben zwölf kurze, animierte Erklärvideos der Initiative „Familien unter Druck“ mit einfach umsetzbaren Hilfestellungen und Ratschlägen für den Umgang mit Kindern in psychisch belastenden Situationen. Die Filme sind auf der Webseite www.familienunterdruck.de abrufbar. Prominente Eltern wie Klaas Heufer-Umlauf, Collien Ulmen-Fernandes, Ralph Caspers und Jörg Pilawa leihen den Erklärfilmen der Initiative ihre Stimmen.  „Familien unter Druck“ baut auf evidenzbasierter Forschung des Londoner King‘s College zu Elterntrainings sowie der Zusammenarbeit mit Eltern und Kindern auf. 

„Nicht scheuen, Hilfe zu suchen!”

 „Wer wochenlang unter Ängsten, depressiven Gedanken oder Energieverlust leidet, sollte nicht zögern, sich in der Sprechstunde einer psychotherapeutischen Praxis zu melden”, sagte angesichts der neuerlichen Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen Dr. Dietrich Munz, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK). Für Menschen, die zurzeit aus Angst vor Ansteckung den Weg in eine Praxis scheuen, bieten fast alle Psychotherapeut*innen inzwischen eine Videobehandlung an. Insbesondere ältere Menschen brauchten aber Beratung und Unterstützung per Telefon, weil sie häufig nicht über die technische Ausstattung für Internetgespräche verfügten. „Die gemeinsame Selbstverwaltung muss in diesen Notzeiten dringend wieder die psychotherapeutische Telefonberatung und -behandlung für alle Patient*innen ermöglichen“, forderte Munz. Grundsätzlich beraten und behandeln Psychotherapeutische Praxen auch während der Corona-Pandemie. Um einen ersten Termin zu bekommen, können sich Patient*innen direkt an eine Praxis wenden. Außerdem hilft die bundesweite Hotline 116 117 dabei, einen freien Termin bei einer Psychotherapeut*in zu finden. Weitere Tipps der Kammer: Für berufliche Pflegende besteht seit Mai ein psychotherapeutisches Beratungsangebot. Unter www.psych4nurses.de können kurzfristig und bundesweit 30-minütige Telefongespräche gebucht werden. Auch für Kinder und Jugendliche ist in Coronazeiten „alles anders“: Erste Hilfe bietet die Webseite corona-und-du.info.

30.Juli

Ältere Menschen im Lockdown „mehrheitlich stabil”

Ältere Menschen gehören zur Corona-Risikogruppe. Psychisch erwiesen sie sich im Lockdown – anders als erwartet – mehrheitlich stabil. Das ergab eine große repräsentative Studie der Universität Leipzig mit über 1.000 Studienteilnehmern zwischen 65 und 94 Jahren. 

Die Ergebnisse in Bezug auf Depressivität, Ängstlichkeit, Somatisierung und Einsamkeit unterschieden sich nicht von den Resultaten, die man für die deutsche Allgemeinbevölkerung aus Vor-Pandemie-Zeiten kennt, so die Universität in einer Pressemitteilung. Die soziale Unterstützung hingegen wurde insgesamt als besser empfunden. Dabei fühlten sich ältere Menschen, die zum Beispiel telefonisch oder virtuell in engem Austausch mit anderen Personen jenseits des eigenen Haushalts standen, besonders sozial unterstützt. Diejenigen, wo dies nur partiell der Fall war, wiesen mehr Stresssymptome auf. 

Prof. Dr. Steffi G. Riedel-Heller, Direktorin des ISAP der Medizinischen Fakultät, resümiert: „Die psychosoziale Gesundheit älterer Menschen in Deutschland erwies sich während des COVID-19-Lockdowns insgesamt überraschenderweise als wenig verändert. Es wurde eine große Akzeptanz und auch Resilienz gegenüber der herausfordernden pandemischen Situation deutlich.“

Studienkoordinatorin Dr. Susanne Röhr ergänzt: „Die älteren Menschen nahmen es dabei keineswegs auf die leichte Schulter, die Mehrheit war besorgt. 90 Prozent der Senioren waren allerdings mit den von der Regierung getroffenen Maßnahmen des Gesundheitsschutzes einverstanden und unterstützten diese. (idw)

21. Juli

Studie zu Video-Psychotherapie

In einer Studie der Universitätsambulanz der Sigmund Freud Universität Berlin sollen Erfahrungen innerhalb von psychotherapeutischen Behandlungen untersucht werden, insbesondere wenn sich Therapeut bzw. Therapeutin angesichts der aktuellen Lage für eine Videobehandlung entschieden haben. Interessierte sollten vorab einen Onlinefragebogen ausfüllen. Im nächsten Schritt findet dann ein telefonisches Interview statt, das bis zu 50 Minuten dauert.

15.Juli

„Rooming-in” im Altenheim

Unter dem Titel „Rooming-in” bietet das Senioren- und Pflegezentrum “Bethanien” in Braunschweig angesichts der Corona-Pandemie eine neue Form der Aufnahme für demenzkranke Menschen an. Sie können mit einer Begleitperson in einem Doppelzimmer aufgenommen werden, die das Heim nach einer 14-tägigen Quarantäne wieder verlässt, wie die Evangelische Stiftung Neuerkerode als Betreiber mitteilte. Mit der Methode könnten Schwierigkeiten mit der Quarantäne sowie der gleichzeitigen Eingewöhnung in die Abläufen im Pflegeheim minimiert werden.Erste Eingewöhnungen mit einer Begleitperson seien durchweg positiv verlaufen, hieß es weiter. Aktuell werde bereits an neuen Ideen für Bethanien als Kompetenz-Zentrum für den Umgang mit Demenz gearbeitet. So sei geplant, dass zukünftig – sofern keine Quarantäne mehr erforderlich sei – Demenzkranke in der Eingewöhnung generell von einer Bezugsperson begleitet werden. (epd)

Was wirkt wie bei Online-Therapie?

Welche Faktoren tragen zur Wirksamkeit eines Online-Therapie-Programmes bei? Eine Antwort darauf soll im Rahmen einer Studie mithilfe des internetbasierten Selbsthilfeprogramms HERMES (“Herausforderungen meistern“) gefunden werden, das sich an Menschen mit depressiven Symptomen richtet. An dem Projekt beteiligt sind PD Dr. Jan Philipp Klein, Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Zentrums für Integrative Psychiatrie, Campus Lübeck, einer Tochtergesellschaft des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), sowie Psychologen und Wissenschaftler aus Bern und Hamburg. Für das achtwöchige Programm werden noch Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesucht! Mehr Informationen zur Studie: https://selfhelp.psy.unibe.ch/hermes/homepage

17. Juni

„Eigensinn und Psychose”: Jetzt im Netz abrufbar

Auch die Vorlesungsreihe „Anthropologische Psychiatrie – philosophische Aspekte psychischer Erkrankungen“ hat dieses Semester auf online umstellt. Jetzt neu im Netz: das fünfte Thema „Eigensinn und Psychose – 40 Jahre lang“ – ein Dialog zwischen Prof. Thomas Bock und Darja Simon. Das Interview  war und ist ein Projekt des Blocks mindbrainforum.de von Amir Yassari, Aljosha Deen und Darja Simon. Im WS 2020/21 wird das Schwerpunktthema „Nähe und Psychiatrie“ sein: „Im Zusammenhang mit den Folgen der Coronakrise werden wir fragen, ob wir Nähe neu erfinden müssen, ob online mehr möglich ist als wir denken, was aus der Sexualität wird, wie es zu Verschwörungstheorien kommt und was dem entgegenzusetzen ist”, heißt es dazu. Das endgültige Programm soll auf der Seite der Universität und von Irre menschlich Hamburg eingestellt werden. Ob es wieder die offene Diskussion im Hörsaal A des Uni-Hauptgebäudes oder eine Fortsetzung der Online-Dialoge geben wird, ist noch offen ….

„Positivstes Sozialexperiment”

Nach knapp drei Monaten der Hotelunterbringung von rund 170 Obdachlosen in Hamburg haben die beteiligten Hilfsorganisationen am positives Fazit gezogen. Es sei gelungen, den Betroffenen nicht nur Schutz vor Corona zu geben, sondern ihnen vor allem Ruhe zu bieten, um neue Perspektiven zu gewinnen, sagte der Hamburger Diakoniechef Dirk Ahrens am Montag zum Abschluss des Projekts. Stephan Karrenbauer vom Straßenmagazin „Hinz&Kunzt” nannte die Aktion „das positivste Sozialexperiment meiner 25-jährigen Geschichte als Straßensozialarbeiter”. Das Projekt war Anfang April durch eine Großspende von 300.000 Euro der Reemtsma-Cigarettenfabriken angeschoben werden. Mehr zum Thema in der nächsten EPPENDORFER-Printausgabe, die am 6. Juli in den Druck geht. (epd/rd)

Bildungsforum legt wieder los

Die „neue Normalität” hat den Seminarbetrieb erreicht. Der Anbieter sozialpsychiatrischer Fortbildungen Bildungsforum Hamburg e.V. hat einen Neustart unter Einhaltung der Corona-Auflagen getestet und für gut befunden. Daher soll der (Präsenz-)-Seminarbetrieb nach den Sommerferien wieder losgehen – „sofern sich die Dinge nicht ändern” .. Alle Angebote und freie Plätze finden sich auf der Homepage des Anbieters.

Lebenshilfe fordert mehr Lockerungen für Behinderte

Die Lebenshilfe Niedersachsen hat gefordert, bei der Lockerung von Corona-Einschränkungen Menschen mit Beeinträchtigung nicht abzuhängen. Die Rücknahme von Regelungen in vielen gesellschaftlichen Bereichen erreichet aktuell in weiten Teilen Menschen mit Beeinträchtigungen nicht, sagte Landesgeschäftsführer Holger Stolz. Dieser Umstand werde zunehmend als diskriminierend empfunden. Der Verband habe daher einen Fünf-Punkte-Plan formuliert, wie geltende Restriktionen für Menschen mit Beeinträchtigungen zurückgenommen werden sollten. 

Präventive Corona-Tests in den Einrichtungen seien dringend nötig, um frühzeitig auch asymptomatisch auftretende Infektionsketten zu erkennen. Auch müsse die Maskenpflicht in Werkstätten und Tagesförderstätten über den gesamten Arbeitsalltag entfallen, wenn Mindestabstände eingehalten werden, sagte Stolz. Sonst sei es für “Beschäftigte und Mitarbeiter unzumutbar und diskriminierend”. Um Neuaufnahmen in Wohneinrichtungen der Behindertenhilfe wieder zu ermöglichen sollten ein Corona-Test oder die freiwillige Isolation im häuslichen Umfeld ausreichend sein. Aktuell seien Neuaufnahmen nur möglich, wenn eine 14-tägige Quarantäne oder ein Abstandsgebot von anderthalb Metern über 14 Tage eingehalten wird. Abschließend forderte Stolz eine umgehende Erweiterung der bisherigen Besuchsbeschränkung. Statt nur einer Person müsse Elternpaaren oder zwei Personen aus einem Haushalt ein Besuch ermöglicht werden. Die weitere Lockerung sei deswegen dringend notwendig, weil viele Menschen mit schwereren Beeinträchtigungen nicht über Telefonate und Videokonferenzen kommunizieren könnten. (epd)

14. Juni

Selbsthilfe erprobt neue Wege

Auch die Selbsthilfe geht online: Per Video-Livestream organisieren die Kontakt- und Informationsstellen für Selbsthilfegruppen in Hamburg (KISS Hamburg) und die AOK Rheinland/Hamburg das 8. Forum „Neue Wege in der Selbsthilfe“ am 16. Juni. Dabei wird von 19–20.30 Uhr über das Thema „Generationswechsel und Nachfolge gut gestalten“ gesprochen. Hintergrund: Wenn Gründer und langjährige Leiter von Gruppen sich zurückziehen oder plötzlich ausfallen, kann dies die Gruppe gefährden. Was ist dann zu tun? Anmeldung erforderlich unter: selbsthilfeprojekt@paritaet-hamburg.de

12. Juni

Peer-Support in der Wohnungslosenhilfe

Corona-bedingt kann die Vorlesungsreihe „Anthropologische Psychiatrie – philosophische Aspekte psychischer Erkrankungen“  zur Zeit nicht life stattfinden. Inzwischen ist aber ein vierter Online-Beitrag über „Neue Wege in der Wohnungslosenhilfe – Bedeutung von Peer-Support – Soziale Not und seelische Gesundheit” mit Dr. Candelaria Mahlke, Andrea Pilgerstorfer und Christopher Labenbacher im Netz zu finden. Am 23. Juno folgt noch:„Eigensinn und Psychose – 40 Jahre lang“ Dialog von Darja Simon mit Thomas Bock. Im WS 2020/21 folgt als Schwerpunktthema „Nähe und Psychiatrie“: „Im Zusammenhang mit den Folgen der Coronakrise werden wir fragen, ob wir Nähe neu erfinden müssen, ob online mehr möglich ist als wir denken, was aus der Sexualität wird, wie es zu Verschwörungstheorien kommt und was dem entgegenzusetzen ist”, so die Ankündigung. Ob nur online oder „in echt” ist noch offen: „Wir sind bereit für beides – für die offene Diskussion im Hörsaal A des Uni-Hauptgebäudes und für die Fortsetzung der Online-Dialoge.”

Häufig Konflikte rund um Besuchsverbote

Vier Wochen nach Ende des Besuchsverbotes in Pflegeheimen kommt es offenbar häufig zu Konflikten mit Besuchern wegen der Corona-Schutzmaßnahmen. Es komme zu Diskussionen und sogar zu Aggressivität gegenüber Beschäftigten, sagte der nordrhein-westfälische Landesbeauftragte des Verbandes privater Anbieter sozialer Dienste, Hans Peter Knips, der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung”: „Wir haben oft verbale Auseinandersetzungen mit Angehörigen, die bis an die Grenze des Ertragbaren gehen.” Auch wenn Infektionszahlen zurückgingen, müssten die Heime nach wie vor vorsichtig sein. „Wenn wir das Virus einmal im Haus haben, ist das ein Dammbruch”, warnte Knips.

Fred Mente, Geschäftsführer der Vorwerker Diakonie mit Sitz in Lübeck, forderte unterdessen: „Wir brauchen eine breite gesellschaftliche Diskussion darüber, wie lange die Einschränkungen noch haltbar sind und wie wir hiermit in Zukunft umgehen wollen – auch weil die Infektionsrate in der Region aktuell sehr niedrig ist“, sagt. Bewohnerinnen und Bewohner und ihre Angehörigen zeigen immer mehr Unverständnis darüber, dass sie sich immer noch nicht so treffen dürfen, wie sie es vor Corona gewohnt waren. „Die Beschwerden über die strengen Schutzmaßnahmen nehmen zu“, berichtet Mente. Auch die Mitarbeitenden kämen an ihre Grenzen.

4.Juni

Corona und die Folgen: Lese- und Hörtipps

 „Psychiater sind nicht für die Unangepassten da, sondern für die psychisch Kranken“ zitiert der Tagesspiegel den Charité-Psychiater Prof. Andreas Heinz. Dieser äußert sich über Belastungen in der Krise, die Neigung zu einfachen Lösungen – und den Unterschied zwischen dumm und krank. Dabei werden auch Hintergründe von Verschwörungstheorien beleuchtet.  

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„Das Virus als Wahninhalt“ titelt die taz in einem Text über Folgen von Corona auf die Psychiatrie. Chefarzt Felix Bermpohl erwartet demnach „noch mehr Menschen mit Depressionen“. Und er berichtet von Menschen, die jetzt das Coronageschehen in ihre Psychopathologie integrieren: „Sie haben dann zum Beispiel die Fantasie, dass die Pandemie von irgendjemand gemacht wurde. Dass da der Geheimdienst dahintersteckt oder eine fremde Regierung“, zitiert ihn die Zeitung: „Solche Fälle haben wir jetzt sehr viele, und ich glaube, dass das Coronavirus als Wahninhalt uns in der Psychiatrie noch eine Weile beschäftigen wird.“

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Über Depressionen in Zeiten von Corona spricht die Autorin und Betroffene Heide Fuhljahn im Podcast „Auf den Punkt“ der Süddeutschen Zeitung mit Lars Langenau. Dabei geht es unter anderem darum, wie man psychische Probleme erkennt, um wen sie sich jetzt besonders sorgt (Obdachlose, Suchtkranke, Menschen mit Psychose ..) – und was helfen kann – nämlich: Hilfe suchen! [Link]

Verdienstausfall auch für erwachsene Kinder

Nicht nur Eltern minderjähriger Kinder erhalten  einen Ausgleich für ihren Verdienstausfall, wenn sie in der Corona-Krise ihre Söhne und Töchter zuhause betreuen müssen. Inzwischen hat der Bundestag beschlossen, dass auch Eltern von erwachsenen Kindern mit Behinderung eine solche Entschädigung beanspruchen können. Dazu erklärte die Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, Ulla Schmidt, MdB und Bundesministerin a.D.: „Das ist eine ungeheure Entlastung für Eltern und ein großer Erfolg für die Lebenshilfe. Nachdem Werkstätten und andere Einrichtungen der Tagesbetreuung wegen der Corona-Pandemie geschlossen wurden, betreuen und pflegen tausende Familien ihre erwachsenen Angehörigen mit Behinderung rund um die Uhr zuhause und gehen damit an ihre Belastungsgrenze.“

Zoom-Trialog mit den „Kellerkindern”

Trialog geht online: Der Berliner Verein Kellerkinder lädt im Rahmen der Reihe „Psychopharmaka? Kritischer Trialog“ am 08. Juni, 17 Uhr, zu einer trialogischen Diskussion des Themas „Psychopharmaka in der Patientenverfügung“. Am 10. August, 17 Uhr, soll es dann um „Nötigungen im psychiatrischen System – Macht durch Psychopharmaka“ gehen. Das Ganze findet über das Konferenzsystem ZOOM statt. Anmeldungen bei Sabine Haller ( s.haller@seeletrifftwelt.de ) bzw. Jann E. Schlimme ( dr.schlimme@gmx.de ). 

Weltweite Umfrage in 25 Sprachen

Die weltweite Online-Umfrage COH-FIT (Collaborative Outcomes study on Health and Functioning during Infection Times), an der jeder teilnehmen kann, soll klären, wie sich Corona und die Lockdowns auf Körper und Seele auswirken. Gestartet wurde sie von der Charité Berlin gemeinsam mit der Universität Padua in Italien. Geplant ist, Informationen von mehr als 100.000 Teilnehmern in 25 Sprachen zu sammeln. Studienleiter Christoph Correll von der Charité Berlin befürchtet, dass es vermehrt zu Depressionen, Sucht und Suizidversuchen kommt.  „Die dritte Welle bei Corona ist womöglich die der psychischen Erkrankungen”, sagte er im Gespräch mit der Berliner Zeitung

Studie befragt erstmals Kinder selbst

Forscher des Universitätsklinikums Hamburg Eppendorf (UKE) untersuchen in einer ersten bundesweiten Studie ihrer Art die Auswirkungen und Folgen der Corona-Pandemie auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Für die sogenannte COPSY-Studie  befragen sie erstmals nicht nur Eltern, sondern auch Kinder und Jugendliche selbst. Ergebnisse sollen bereits in etwa sechs Wochen vorliegen. Daraus sollen Handlungsempfehlungen für die Prävention abgeleitet werden. Erste internationale Studien würden darauf hinweisen, dass Depressionen, Angststörungen und Stress unter den Heranwachsenden in der Krise zunehmen, teilte das UKE weiter mit. Geleitet wird das Projekt von Prof. Dr. Ulrike Ravens-Sieberer von der Forschungsgruppe „Child Public Health“ der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik des UKE.  Insgesamt werden online 1000 Kinder und Jugendliche zwischen elf und 17 Jahren sowie 1500 Eltern dieser Kinder befragt. Zusätzlich sollen in Kürze repräsentativ weitere 1500 Hamburger Kinder und Jugendliche im Alter von elf bis 17 Jahren sowie deren Eltern online befragt werden.

28. Mai

Psychotherapeutische Beratung für Pflegekräfte

Für Pflegepersonal gibt es ein neues psychotherapeutisches Beratungsangebot in der Corona-Pandemie. Die kostenfreie Telefonberatung ist insbesondere gedacht für Pflegefachpersonen in Kliniken, Altenpflegeheimen und der häuslichen Versorgung, wie der Deutsche Bundesverband für Pflegeberufe (DBfK) mitteilte. Wenn sie sich durch die aktuellen beruflichen Herausforderungen belastet fühlten, könnten sie über die Internetplattform “www.psych4nurses.de” kurzfristig 30-minütige Beratungstermine buchen. Beruflich Pflegende seien während der Corona-Pandemie vielfach extremen psychischen Belastungen ausgesetzt, erklärte DBfK-Präsidentin Christel Bienstein. Das Hilfsangebot wurde gemeinsam vom DBfK und der Bundespsychotherapeutenkammer ins Leben gerufen. Die Schirmherrschaft haben die Bundespflegekammer und der Deutsche Pflegerat übernommen. 

Seelsorgezentrum öffnet wieder die Türen

Ab Dienstag, 2. Juni, sind die Berater*innen im Beratungs- und Seelsorgezentrum der Hamburger Hauptkirche St. Petri wieder für persönliche Gespräche vor Ort. „Reden hilf!“ sagt Pastor Krischan Heinemann, der am, 1. April sein neues Amt als Leiter des Beratungs- und Seelsogezentrum an St. Petri begonnen hat. „Gerade in Zeiten der Krise brauchen Menschen ein Gegenüber mit offenem Ohr und jemanden, der Zeit hat und wirklich zuhört. Dafür ist das BSZ mit allen ehrenamtlichen Seelsorger*innen da und endlich ist eine persönliche Begegnung wieder möglich, die Menschen so sehr brauchen.“  Die eingeschränkten Öffnungszeiten sind Mo, Di, Do und Sa von 11 bis 18 Uhr und So von 11.30 bis 15 Uhr.

Der neue Zentrumsleiter Pastor Krischan Heinemann wurde 1972 in Kassel geboren und hat in Oberursel, Hamburg und Göttingen Ev. Theologie studiert. Zuletzt arbeitete Heinemann 13 Jahre lang als Studierendenpfarrer in der Evangelischen Studierendengemeinde an der Universität Kassel. Während dieser Zeit absolvierte er eine achtjährige tiefenpsychologisch orientierte Weiterbildung (Seelsorge, Beratung und Supervision) zum Pastoralpsychologen (Deutsche Gesellschaft für Pastoralpsychologie – DGfP).

Neustart für Demenz-Fortbildungen

Auch 75 Jahre nach Kriegsende schlummern die Schrecken von damals noch in den Menschen. Das hat Auswirkungen auf deren Pflege und Betreuung. Ängste und Verlusterfahrungen können im Alter reaktiviert werden und sich auf verschiedenste Art und Weise zeigen. Am 2. Juni von 10 bis 16 Uhr bietet das Kompetenzzentrum Demenz deshalb unter dem Titel „Wenn Erinnerungen wach werden und das Herz schwer…: Unsichtbares erkennen – Trauer und Verlust bei Kriegskindern mit Demenz“eine Fortbildung  in Kropp an. Claudia Wollenberg, Krankenpflegerin sowie Diplom und Palliativpsychologin, begibt sich mit den TeilnehmerInnen auf Spurensuche in die Geschichte – vielleicht auch in die eigene Familiengeschichte – denn auch die nächste Generation, die der “Kriegsenkel”, leide unbewusst unter den Folgen dieses Krieges. Am 19. Juni gibt es dann von 10 bis 16  Uhr in Itzehoe praktische musikalische Anregungen für die Begleitung von Menschen mit Demenz.  Musik gilt als ein Königsweg im Umgang mit Menschen mit Demenz. „Sie hilft, anregende oder beruhigende Atmosphären zu gestalten, in denen sich Menschen begegnen und aufgehoben fühlen können“, so das Kompetenzzentrum.  Prof. Dr. Jan Sonntag, Musiktherapeut mit Schwerpunkt Demenz, führt in Möglichkeiten atmosphärebezogener Arbeit mit Musik ein. Die TeilnehmerInnen dürfen diese praktisch ausprobieren. Musikalische Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Bei beiden Fortbildungen gibt es Restplätze. Vor Ort ist für ausreichend Abstand und Händedesinfektion gesorgt. Anmeldungen und weitere Infos über das Kompetenzzentrum Demenz unter 040/609 26 420 oder info@demenz-sh.de 

Hamburg: Lockerungen im Sozial- und Pflegebereich

Weitere Corona-Lockerungen in Hamburg betreffen auch den Sozialbereich. Jugendliche können wieder an Angeboten der Jugendhilfe teilnehmen. Tagestreffpunkte für Hamburgs Obdach- und Wohnungslose dürfen wieder konkrete Überlebenshilfe und praktische Hilfen wie  Mahlzeiten, Kleidung, Gelegenheit zum Duschen und Waschen von Wäsche, Einrichten von Postadressen, soziale Beratung und Weitervermittlung an andere Einrichtungen und zu einer ärztlichen Versorgung anbieten. In den  Seniorentreffs dürfen  – bei Einhaltung der nötigen Schutz- und Hygienebedingungen – wieder Kurse und Gruppenangebote mit einem festen Teilnehmerkreis stattfinden. Für Pflegeheime gilt nach wie vor, „dass ein Besuch für eine Stunde in der Woche ermöglicht werden muss, aber drei Stunden zulässig sind“, so die Gesundheitsbehörde.

26. Mai

Torten für die Altenpflege

Mit 48 Torten hat sich die evangelische Kirche in Wolfsburg für den Einsatz der Altenpflegekräfte bedankt. Viele der Torten waren mit dem Schriftzug „Vielen Dank” verziert. Die Pflegeheime der Wolfsburger Diakonie waren von der Corona-Pandemie besonders hart betroffen. Allein im Hanns-Lilje-Heim hatte sich mehr als die Hälfte der zumeist dementen Bewohnerinnen und Bewohner mit dem Coronavirus infiziert. Es gab mehr als 40 Todesfälle.

Webinar zu den Chancen digitaler Beratung

Wegen Corona müssen Beratungsgespräche zurzeit noch überwiegend telefonisch oder online stattfinden. Dass diese digitale Form der Begleitung und Unterstützung auch ungeahnte Chancen und Vorteile biete − wie beispielsweise die Wahrung des Schutzraums der Ratsuchenden sowie eine gewinnbringende Distanz bei schambesetzten Themen −, vermittelt das Online-Seminar „Beratung auf Distanz“ der FH Münster. Das erste von drei 90-minütigen Modulen findet am Montag (25. Mai) von 17:30 bis 19 Uhr statt. Weiter geht es jeweils zur gleichen Uhrzeit am 3. und 10. Juni. Anmeldungen sind ab sofort möglich unter fhms.eu/wbonline. Dozentin des Webinars ist Dr. Laura Best vom Fachbereich Sozialwesen

Niedersachsen: Lockerungen im Sozialbereich

Vor dem Hintergrund sinkender Infektionszahlen in der Corona-Pandemie lockert Niedersachsen von Montag an mehrere Corona-Beschränkungen im sozialen Bereich. Ab dem 25. Mai dürfen Werkstätten für Menschen mit Behinderungen und Tagesförderstätten wieder bis zur Hälfte der Plätze öffnen. Auch Einrichtungen der Tagespflege für ältere, pflegebedürftige und behinderte Menschen dürfen wieder bis zur Hälfte der vereinbarten Plätze belegen, teilte das Sozialministerium in Hannover weiter mit. Soziale, pädagogische und psychologische Beratungsstellen können ihre Klienten wieder persönlich statt nur per Telefon oder Videoschalte beraten. Gruppenbezogene Angebote der Kinder- und Jugendhilfe können bis zu einer Größe von bis zu zehn Personen einschließlich der Aufsichtspersonen ihre Arbeit wieder aufnehmen.

20. Mai

Mehr schwerere Fälle auf Akutstationen

In die Akut-Stationen der Kliniken kommen schwerere Fälle, berichtete der Hessische Rundfunk auf hessenschau.de. Michael Franz, ärztlicher Direktor des Vitos-Klinikums Gießen-Marburg, berichtet demnach von mehr Patienten, „die sich gegen eine Behandlung gewehrt hatten und nun stark in der Krise sind.“ Betroffen seien vor allem Patienten mit Angststörungen, Depressionen oder Psychosen, aber auch Suchtkranke. Auch das Frankfurter Markus-Krankenhaus bestätigt nach Angaben des Senders, nicht die Zahl, aber der Schweregrad der Fälle habe zugenommen.

Hamburg: Mehr Tests in Pflegeheimen

Die Gesundheitsbehörde will mehr in Heimen testen. Zunächst soll in vier Hamburger Pflegeheimen jeder Bewohner, Mitarbeiter und Besucher routinemäßig zweimal in der Woche auf eine mögliche Corona-Infektion getestet werden, teilte die Gesundheitssenatorin mit. Sollte sich das Pilotprojekt der präventiven Testung als sinnvoll erweisen, könnte es künftig flächendeckend eingeführt werden. Akut seien in Hamburg 92 Fälle aus 22 Heimen registriert.

Fortbildung in Zeiten von Corona

Weitere Absagen: Die Hamburger Suchttherapietage werden auf 25. bis 28. Mai 2021 verschoben. Thema dann: „Veränderte Gesellschaft, veränderte Sucht: Therapie und Prävention wie gehabt?”. Neu im Angebot sind Webinare. So findet das nächste DGPPN-Hauptstadtsymposium vom 26.–28. Mai als LIVE-Webinar statt. Thema: Arbeit, Wohnen, Armut: soziale Fragen in der Psychiatrie.  Weitere Infos finden sich hier. Auch der Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit – mit über 8.000 Teilnehmern nach Veranstalterangaben die jährliche „Leitveranstaltung” der Branche – fällt „in echt“ aus. Dafür starten die Veranstalter aber als „ADD-on” ab Juni mehrere online-Diskurse mit im Internet gezeigten Podiumsveranstaltungen und Webinaren. Die Auftaktveranstaltung der Reihe „Hauptstadtkongress digital“ wird am 17. Juni von 11 bis 12:30 Uhr live als Videostream übertragen. Dabei stellt sich Gesundheitsminister Jens Spahn kritischen Fragen, anschließend wird mit „namhaften Praktikern“ diskutiert, und zwar über „Die Krise als Innovaionstreiber: Zeitenwende im Gesundheitswesen?“.  Für das kostenlose streamen ist eine  Registrierung erforderlich unter: https://www.hauptstadtkongress.de/hsk-digital

Von Online-Community bis Mediathek

Die bundesweite Initiative „Stark durch die Krise“ bietet ein  umfangreiches Hilfsangebot zur Bewältigung der mit der Corona-Krise verbundenen psychischen Belastungen aus Psychologischer Hotline, Online Mediathek und Online Community. In der Facebookgruppe „HelloBetter zusammenzuhause” können sich Betroffene mit anderen austauschen, außerdem gibt es ein „Corona Online-Training” von HelloBetter. Mehr Informationen unter: www.starkdurchdiekrise.de

15. Mai

Von kommendem Montag an (18.5.) werden die diakonischen Werkstätten sowie die Tagesförderstätten für Menschen mit Behinderung in Schleswig-Holstein schrittweise wieder geöffnet. In den vergangenen Wochen wurden dort nur Notgruppen betreut. Angehörige hatten die Betreuung übernommen hatten und konnten zum Teil ihren Beruf nicht mehr ausüben. In einer ersten Lockerungsphase werden nur maximal 25 Prozent der Arbeits- und Betreuungsplätze besetzt, ab 8. Juni wird die Zahl auf 50 Prozent erhöht, teilte das Diakonische Werk Schleswig-Holstein weiter mit. Menschen, die der Risikogruppe angehören oder akut eine Atemwegserkrankung haben, dürfen die Einrichtungen nicht betreten. Unter dem Dach der Diakonie gibt es 19 Werkstätten für Menschen mit Behinderung mit rund 9.000 Beschäftigten. In 20 Tagesförderstätten werden rund 550 Menschen betreut. Damit ist die Diakonie der größte Anbieter in diesem Bereich in Schleswig-Holstein.

Mut-Tour 2020 fällt aus

Die MUT TOUR 2020 kann unter den gegebenen Umständen nicht wie geplant stattfinden. Als Alternativen wurden mehrere online-Angebote angestoßen. So gibt es jetzt einen MUT-FASS Blog mit Teilnehmer-Geschichten sowie die Social-Media-Kampagne #MUTatHome . Weitere Aktionen sind in Planung. Mehr auf der Homepage der Deutschen DepressionsLiga e.V. 

14. Mai

Von der Kneipe zur Suppenküche

 Gastwirt Daniel Schmidt betreibt den Elbschlosskeller auf St. Pauli, der in normalen Zeiten rund um die Uhr geöffnet hat. Erstmals seit 70 Jahren musste er seine Türen nun für Gäste schließen – und öffnete sie für eine Hilfsaktion der besonderen Art: Mit einer „Suppenküche“  werden hier täglich bis zu 150 hilfsbedürftige Menschen mit warmem Essen, Kleidung, Sachspenden und Hygieneartikeln versorgt. Um Spenden zu sammeln, wurde darüber ein Kurzfilm gedreht:

Hamburg verlängert Obdachlosen-Notunterbringung

Hamburg hat die besondere Notunterbringung für Obdachlose wegen der Corona-Krise bis zum 31. Juli 2020 verlängert. Aktuell bieten die Standorte an der Friesenstraße, Kollaustraße, Horner Landstraße und Horner Rennbahn zusammen rund 350 Personen eine Übernachtungsgelegenheit, Rückzugsmöglichkeit, soziale Beratung und medizinische Versorgung. Hinzu kommen voraussichtlich weiterhin bis zu 110 Plätze bei den Kirchengemeinden und Hochschulen. Das teilte die Senatspressestelle mit. Für von Obdachlosigkeit bedrohte Prostituierte wurden eigene zentral gelegene Übernachtungsmöglichkeiten bereitgestellt, „um Ausbeutung zu verhindern“, wie es heißt. Rund 65 Personen hätten inzwischen von diesem Angebot  Gebrauch gemacht. Sie werden vor Ort von Einrichtungen des Hilfesystems für sich prostituierende Menschen beraten; diese vergeben auch die Plätze.  Wegen der positiven Resonanz und Nutzung habe die Sozialbehörde die Kapazitäten inzwischen ausgeweitet und weitere Plätze geschaffen.  Eine vollständige und kontinuierlich aktualisierte Aufstellung der von der Sozialbehörde koordinierten, verfügbaren Angebote ist unter www.hamburg.de/obdachlosigkeit abrufbar.

13. Mai

Richter-Anhörung per Videotelefon

Niedersachsen will angesichts der Corona-Pandemie den Ablauf von Betreuungsverfahren für Pflegebedürftige erleichtern. Künftig sollten Richterinnen und Richter mit betroffenen Menschen in Alten- und Pflegeheimen per Videotelefonie kommunizieren können, teilte die Staatskanzlei in Hannover mit. Das Kabinett habe eine entsprechende Bundesratsinitiative beschlossen. Betreuungsverfahren in der Pflege haben tiefe Eingriffe in Grundrechte zur Folge. Unter anderem geht es dabei etwa um die Genehmigung von Bettgittern, um Stürze zu vermeiden, oder um das Nutzen von Bauchgurten im Bett oder am Rollstuhl. Bislang ist in allen Betreuungs- und Unterbringungsverfahren eine persönliche Anhörung Pflicht. Die Amtsrichter in Niedersachsen standen laut Staatskanzlei allerdings in den vergangenen Wochen oftmals vor dem Problem, dass sie wegen des Ansteckungsrisikos keinen Zugang zu Alten- oder Pflegeheimen erhielten. Die aus Niedersachsen vorgeschlagene Regelung solle nur während einer „epidemischen Lage von nationaler Tragweite” gelten, hieß es. (epd)

2. Online-Symposium zu Psyche und Corona

Mit über 500 Teilnehmer/innen im April sei das erste digitale Fachsymposium des Reha-Betreibers Dr. Becker Klinikgruppe ein großer Erfolg gewesen, teilte die Klinikgruppe mit. Nun geht die Veranstaltung mit einem 2. wiederum kostenfreien Covid-19-Online-Symposium „Psychische Folgen in und nach der Corona-Krise“ in die zweite Runde. Im Fokus diesmal: Mitarbeitende des Gesundheitswesens und aktuelle Forschungsergebnisse zu den psychischen Folgen von Corona. In Kurzvorträgen werden insgesamt neun Referentinnen und Referenten verschiedene Aspekte aufzeigen. Während des Symposiums haben die Teilnehmer die Möglichkeit, über eine Chatfunktion Fragen zu stellen. Fortbildungspunkte bei der Ärztekammer seien beantragt. Anmeldung, Programm und Mitschnitt des 1. Fachsymposiums unter dbkg.de/coronasymposium2 (rd)


8 . Mai

DESY produziert Schutzschirme für Heime und Ärzte

Das Deutsche Elektronen-Synchrotron DESY, ein Forschungszentrum der Helmholtz-Gemeinschaft, stellt der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg (KVH) und dem Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa) über 2.000 Schutzvisiere zur Verfügung. Die Schutzvisiere werden von DESY mit 3D-Druckern und in den eigenen Werkstätten hergestellt und montiert, teilte die KVH weiter mit. Die Schutzvisiere sollen zum persönlichen Schutz gegen das Corona-Virus an besonders gefährdete Praxen, Pflegeheime, Infektpraxen oder Covid-Sprechstunden ausgeliefert werden. Über 1.000 Visiere habe DESY bereits ausgeliefert.Im Moment befindet sich das Forschungszentrum wegen der Corona-Pandemie im reduzierten Betriebsmodus, viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten von zu Hause aus. Spontan fand sich ein Team um die Leitende Wissenschaftlerin und Professorin Beate Heinemann zusammen, das nach Vorlagen aus dem Internet und nach eigenem Design Gesichts-Schirme für ärztliches und Pflegepersonal entwickelte und produzierte. „Pro Tag können bei DESY etwa 35 Gesichts-Schirme mit 3D-Druckern und weitere 100 aus der selbst entworfenen Serie hergestellt werden. Die ersten Modelle wurden bereits an die KVH, individuelle Praxen und Pflegeheime ausgeliefert”, so der KVH-Sprecher.

Neue Telefon-Sprechstunde in Celle

Die Psychiatrisch-Psychosomatische Klinik Celle erweitert ihr Spektrum um ein kostenfreies, telefonisches Beratungsangebot. Dieses soll insbesondere Menschen, die sich in der aktuellen Situation in seelischer Not befinden, die Möglichkeit rascher Entlastung und Unterstützung bieten. Anrufende können telefonisch eine erste Beratung oder auch die Empfehlung zu einer eventuellen längerfristigen therapeutischen Begleitung erhalten. Letztere könne optional durch eine Videosprechstunde sichergestellt werden, um auch im „Sichtkontakt“ Menschen möglichst gut und sicher durch die Krisenzeiten zu begleiten, teilt die Klinik weiter mit. „Die seelische Belastung vieler Menschen ist momentan hoch. Wir möchten mit unserem Angebot jeden Menschen ausdrücklich ermutigen, Ängste sowie die eigene Belastung mit einem professionellen Gesprächspartner zu teilen“, spricht Dr. med. Claudia Wenzel, Leitende Ärztin der Klinik, für das ärztliche und therapeutische Team. Neben Ängsten vor einer Infektion können auch berufliche, ökonomische und familiäre Auswirkungen der Pandemie die eigene psychosoziale Belastung deutlich erhöhen. Das Angebot richtet sich ausdrücklich auch an Menschen, die erstmalig eine seelische Krise erleben. Erreichbar sind die Expert*innen der Klinik von Montag bis Sonntag von9 bis 16 Uhr unter der Telefonnummer 05141 5935-4104.

4. Mai

Klön-Bude ermöglicht Treffen

Am Donnerstag, 7. Mai, um 15 Uhr wird vor dem Hamburger Pflegeheim Haus Weinberg (Stiftung Das Rauhe Haus) ein besonderes Häuschen eingeweiht: die Klön-Bude. Das ist eine Hütte mit zwei Eingängen, in der Mitte durch eine Plexiglasscheibe geteilt. Die Nutzer – jeweils ein Bewohner und ein Angehöriger – betreten und verlassen das Häuschen getrennt. Sie können sich zwar nicht berühren und in den Arm nehmen, aber sie können sich aus allernächster Nähe sehen und miteinander sprechen. Dazu Einrichtungsleiter Ulrich Bartels: „Der Alltag unserer Bewohnerinnen und Bewohner hat sich in den vergangenen Wochen sehr verändert. Ihr Leben findet nur noch in ihren Zimmern statt, Besucher dürfen nicht ins Haus kommen.“ Alle Pflegekräfte, Altentherapeutinnen und Betreuungsmitarbeiterinnen würden daran arbeiten, soviel Kontakt und Beschäftigung wie möglich im Haus zu bieten. Trotzdem treffe es alle hart, Angehörige oder Freunde nicht treffen zu können. „Da ist die Klön-Bude jetzt eine tolle Lösung“, findet Ulrich Bartels.

29. April

Elmshorner Klinik bietet Videosprechstunde

Die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Regio Kliniken in Elmshorn bietet ab sofort Sprechstunden per Videochat an. Als Krankenkassenleistung ist die Beratung für Patienten kostenlos. Dieses richte  sich  sowohl an Patienten der Psychiatrischen Institutsambulanz, die derzeit nicht vis-a-vis betreut werden können, als auch an Personen, die bislang oder längere Zeit nicht in psychologischer Behandlung waren. Die Beraterinnen und Berater unterstützen bei Problemen, unabhängig davon, ob sie durch die aktuelle Situation ausgelöst wurden oder bereits davor bestanden. Das erfahrene Team leiste  aber nicht nur psychologische Nothilfe, vielmehr vermittelt es auch unterstützende Kontakte bei psycho-sozialen Belastungen, zum Beispiel wenn Verlust der Wohnung oder des Arbeitsplatzes droht oder Pflegehilfen benötigt werden, gibt Hinweise zu verfügbaren Online- Therapieangeboten und vereinbart ggf. Folgetermine mit dem Patienten. Die Videosprechstunde findet zunächst Montag bis Freitag 10-12 Uhr und 13-15 Uhr statt.  Interessenten schreiben  eine kurze E-Mail an psych.videosprechstunde-elmshorn@sana.de.  Eine Antwort wird  spätestens für den nächsten Werktag versprochen. Die Videosprechstunde kann mit jedem internetfähigen Smartphone, Tablet, Laptop oder PC mit Kamera, Lautsprechern und Mikrofon durchgeführt werden. Sie erfolgt über das Internet-Portal CLICKDOC, zusätzliche Software-Installationen sind nicht notwendig.

Zuhör-Kiosk wandert ins Internet

Eigentlich begrüßt Christoph Busch mehrmals in der Woche Passantinnen und Passanten in seinem Zuhör-Kiosk in der Hamburger U-Bahnhaltestelle Emilienstraße. Bis zu 20 Menschen pro Woche kamen vor der Corona-Pandemie  vorbei, um bei Busch und seinen 15 ehrenamtlichen Kolleginnen und Kollegen das loszuwerden, was ihnen auf dem Herzen lag.  Aufgrund der Corona-Krise musste der Kiosk-Besitzer aber umdisponieren und zog mit seinem besonderen Gesprächsangebot kurzerhand um – ins Internet. Mehr dazu zeigt dieser NDR-Fernsehbeitrag.

Lüneburg: Drei Pychiatriestationen freigezogen

Nach der aktuellen Verlängerung der „Niedersächsischen Verordnung zur Bekämpfung der Corona-Virus-Krankheit COVID-19“ müssen planbare und medizinisch nicht dringend notwendige Eingriffe und Behandlungen in Krankenhäusern weiterhin ausgesetzt werden, vorerst bis zum 18. Mai 2020. Darauf weisen die Kliniken der Gesundheitsholding Lüneburg , das Klinikum Lüneburg, die Psychiatrische Klinik und die Orthoklinik, hin. In der Psychiatrischen Klinik (PKL) wurden drei Stationen freigezogen und so vorbereitet, dass sie als Infektionsstationen genutzt werden können. „Wenn die Kapazitäten des Klinikums und der Orthoklinik erschöpft sind, können wir hier zwar keine intensivmedizinische aber eine klinische Behandlung der Patienten sicherstellen“, beschreibt Rolf Sauer, Geschäftsführer der PKL und der Gesundheitsholding, die Situation. „Gleichzeitig halten wir die stationäre Versorgung für schwersterkrankte Psychiatriepatienten aufrecht. Um das Ansteckungsrisiko innerhalb unseres Hauses zu verringern, wurden teilstationäre und ambulante Therapien so weit wie möglich durch telefonische Kontakte und aufsuchende Behandlung ersetzt.“

Keine Isolation mehr in der Friesenstraße

In der städtischen Notunterkunft für Obdachlose von fördern & wohnen
in der Friesenstraße wurden die Isolationsmaßnahmen schrittweise aufgehoben. Die dort untergebrachten Obdachlosen können das Haus wieder jederzeit verlassen. Das erklärte laut www.hinzundkunzt.de Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) bei einer Telefonpressekonferenz. In der Notunterkunft in Hammerbrook war Mitte März der erste Obdachlose in Hamburg am Coronavirus erkrankt. In den folgenden Wochen mussten mehr als 200 Obdachlose in dem zur Schlafstätte umgebauten Bürogebäude verweilen. Die Isolierung habe gut funktioniert, resümierte Leonhard laut dem Internetbericht.

Kostenfreies Resilienztraining im Netz

Das Leibniz-Institut für Resilienzforschung (LIR, wiss. Geschäftsführer: Prof. Dr. Klaus Lieb) hat das Online-Training AUFKURSBLEIBEN kompakt entwickelt, mit dessen Hilfe möglichst viele Menschen in dieser aktuellen Situation bei der Bewältigung ihrer persönlichen Stressoren unterstützt werden sollen. Das Training steht auf der Homepage des LIR kostenfrei zur Verfügung (https://www.lir-mainz.de). Es beinhaltet interaktive Übungen sowie Audio- und Videomaterial zu den Themen Selbstfürsorge, Schlaf und optimistischem Denken. Es kann anonym durchgeführt werden.

21. April

Hauptstadtkongress fällt aus

Die einen sagen Kongresse ab. Andere basteln an neuen (Krisen-) Formaten. Zur Erklärung teilen die Veranstalter mit: Der für 17. bis 19. Juni 2020 geplante Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit kann als Präsenzveranstaltung nicht stattfinden. Hintergrund ist der am 15. April von Bundesregierung und Regierungschefs der Länder gefasste Beschluss zur Eindämmung der Corona-Pandemie, nach dem Großveranstaltungen „mindestens bis zum 31. August 2020 untersagt“ sind. Allerdings wird es zum ursprünglich vorgesehenen Kongresstermin im Juni „als Add-on” ein neues, digitales Format geben: „Hauptstadtkongress Spezial 2020“. Geplant ist dies für den Vormittag des 17. Juni – also zum Zeitpunkt der ursprünglich geplanten Eröffnungsveranstaltung des Hauptstadtkongresses 2020.


Symposium über psychische Folgen der Pandemie

Um niedergelassene Hausärzt*innen, Fachärzt*innen und Psychotherapeut*innen bei der Behandlung von durch die Corona-Pandemie belasteten Patient*innen zu unterstützen, ruft die Dr. Becker Klinikgruppe ein virtuelles Corona-Symposium für medizinisches Fachpersonal ins Leben. Das Fach-Symposium „Die psychischen Folgen in und nach der Corona-Krise“ findet am kommenden Mittwoch, den 22. April 2020, von 15 Uhr bis 18 Uhr statt. Themen sind unter anderem „Corona und die psychischen Folgen – ein Überblick” und „Psychosoziale Versorgung auf Intensivstationen während der COVID-19-Pandemie”. Die Teilnahme für interessierte Fachleute ist kostenlos.   Programm und weitere Informationen finden sich auf der Homepage der Klinikgruppe.


15. April

„Corona-Kuren” in Heiligenfeld

Die Heiligenfeld Kliniken haben Corona-Kuren konzipiert.  In der Parkklinik Heiligenfeld in Bad Kissingen sowie in der Heiligenfeld Klinik Berlin werden Privatpatienten und Selbstzahlern zwei- bis vierwöchige Kurzzeittherapie angeboten, die sich schwerpunktmäßig mit den Herausforderungen und Belastungen durch die Corona-Pandemie beschäftigt.  Kassenpatienten aus Bayern können sich einer Krisengruppe anschließen. Das beinhaltet eine kurzfristige Aufnahme „zur Stabilisierung und Regeneration bei einer maximalen Behandlungsdauer von 14 Tagen” – ebenfalls mit Fokus auf Problemen, die im Zusammenhang mit dem Corona-Virus stehen. „Strukturierende und entlastende Therapieelemente finden genauso Anwendung wie eine behutsame Unterstützung in der Angstbewältigung, der emotionalen Stärkung und dem Aufbau wirksamer Stressbewältigungsmechanismen“, heißt es dazu auf der Homepage . Daneben werden auch weiterhin längerfristige Kuren angeboten, bei denen  tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie  mit verhaltenstherapeutischen, systemischen und körperorientierten Verfahren kombiniert wird.

99 Jahre alter Corona-Held sammelt Millionenspenden

Ein 99-jähriger Brite hat gut 100 Runden mit dem Rollator durch seinen Garten geschafft und so umgerechnet über fünf Millionen Euro für den staatlichen Gesundheitsdienst NHS gesammelt. Aus aller Welt und über eine Spendenseite im Internet. Er bedanke sich damit bei den Mitarbeitern des Dienstes, die ihm bei der Behandlung seines Hautkrebses und einer gebrochenen Hüfte geholfen hätten. Jede Runde in seinem Garten in einem Dorf bei Cambridge hat einen Umfang von 25 Metern. Presseberichten zufolge  plant der bald Hundertjährige nun weitere 100 Runden.

Hamburg: EUTB arbeitet weiter – am Telefon

Die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) der HGSP e.V.  ist noch bis Ende April nur telefonisch zu erreichen. Dies betrifft sowohl den Hauptstandort in der Schauenburger Str. 6  als auch die Außenstellen in Harburg, Wilhelmsburg, Finkenwerder und Bergedorf. Das Team stehe weiterhin für Betroffene, Angehörige sowie für Infoanfragen (z.B. für Mitarbeiter*innen von Maßnahmenträgern/-anbietern sowie weiteren Personen aus dem professionellen Hilfe- und Versorgungssystem) bei sämtlichen Fragen zur Teilhabe unverändert zur Verfügung, teilte die EUTB mit.  Alle Nummern und Zeiten sind der HGSP-Homepage zu entnehmen. Es wird gehofft, dass ab 4. Mai wieder persönliche Beratungen möglich werden.  

12. April

Mehr Schutz für Menschen mit Behinderung gefordert

Menschen mit Behinderung werden nach Ansicht von Fachverbänden bislang nicht als Risikogruppe in der Corona-Krise berücksichtigt, kritisierte der Zusammenschluss der Fachverbände für Menschen mit Behinderung. Menschen mit Behinderung hätten oft Vorerkrankungen oder ein geschwächtes Immunsystem, was bei einer Infektion das Risiko für einen schweren Verlauf erhöhe. Die Verbände forderten, alle Einrichtungen der Eingliederungshilfe mit Schutzausrüstung auszustatten. Auch müssten die Virus-Tests von Menschen mit Behinderung bevorzugt behandelt werden.  

capito-Info-Blätter in leichter Sprache

capito Schleswig-Holstein hat wichtige Infos rund um COVID-19  in Info-Blättern in leicht verständlicher Sprache aufbereitet.  Sie stehen zum Download auf der Internetseite: www.capito-sh.de zur Verfügung. Dabei geht es z. B. um neue Verhaltensregeln, Schutzkleidung und Quarantäne.   

Telefontherapie abrechenbar – für „bekannte” Patienten

Ärzte und Psychotherapeuten können jetzt  – befristet bis zum 30.06.2020 – die Patienten öfter und länger auch telefonisch betreuen.  Die neuen Gesprächsleistungen können auch abgerechnet werden, wenn in dem Quartal kein persönlicher Arzt-Patientenkontakt stattgefunden hat. Abrechnungsvoraussetzung ist, dass der Patient der Praxis bereits „bekannt“ ist. Hierzu zählt jeder Patient, der in den letzten sechs Quartalen vor dem Abrechnungsquartal wenigstens einmal in der Praxis gewesen ist. (rd)

 Sechs Millionen in zu kleiner Wohnung

In Deutschland leben rund sechs Millionen Menschen in einer überbelegten Wohnung. Das geht aus Zahlen für das Jahr 2018 vor, die das Statistische Bundesamt in Wiesbaden veröffentlichte. Im Vergleich zum europäischen Durchschnitt lebten in Deutschland mit rund 7,4 Prozent verhältnismäßig wenige Menschen in zu kleinen Wohnungen (EU-Durchschnitt: 15,5 Prozent). Als überbelegt gilt eine Wohnung laut dem Statistischen Bundesamt dann, wenn sie über zu wenige Zimmer im Verhältnis zur Personenzahl verfügt. Vor allem bei Alleinerziehenden sei dies oft der Fall: 20 Prozent von ihnen lebten mit ihren Kindern auf zu engem Raum. Der EU-Durchschnitt liegt mit 22,4 Prozent demnach nur wenig höher.Besonders dramatisch sei die Wohnsituation in Bulgarien und Rumänien, wo im Jahr 2018 jeweils 40 Prozent der Bevölkerung in einer überbelegten Wohnung lebte. In Italien, wo wegen der Corona-Pandemie aktuell besonders strenge Ausgangsbeschränkungen gelten, leben 27,8 Prozent der Bevölkerung in einer überbelegten Wohnung. In Frankreich seien es 8,2 Prozent, in Spanien 4,7 Prozent. (Epd)

Von Farsi bis Tigrinja

Corona-Infos in Fremdsprachen: Auf der NDR Seite unter dem Titel  „Corona in Hamburg“ gibt es Hilfe-Infos in sechs Sprachen – Deutsch, Englisch, Arabisch, Farsi, Polnisch und Türkisch. WDRforyou erstellt regelmäßig Corona-Update Videos auf Arabisch und Farsi. Und auch die Johanniter bieten Kurzinformationen zu Corona als PDF, und zwar auf Farsi, Arabisch, Englisch, Italienisch, Französisch, Russisch, Türkisch und Tigrinja.

1.April

Luxusquarantäne in der Schweiz

Der Tourismus liegt am Boden, Grenzen sind geschlossen ebenso wie die meisten Hotels. Eine Marktlücke hat die Schweizer Hotelkette Le Bijou aufgetan. Sie bietet in ihren Häusern in Luzern, Basel, Genf und Zürich Luxusappartments als – rein digital und kontaktlos zu mietende – Quarantäneunterkünfte. Für rund 450 Euro pro Nacht – Services wie beispielsweise ein Lieferdienst für das Essen kosten extra. Das berichtete die taz in ihrer gestrigen Ausgabe. Dazu gebucht werden kann auch ein Coronatest-Roomservice für 450 Euro. Tägliche Kontrollbesuche medizinischen Personals werden richtig teuer (1.650 Euro), für mehrere tausend Euro könne auch eine Rund-Um-die-Uhr-Versorgung durch eine Pflegekraft organisiert werden. Für den Notfall wird schneller Zugang zu einer Privatklinik versprochen. Für die Anreise empfiehlt sich da wohl der Privatjet …

„Hinz&Kunzt” erstmals nur online

Das Hamburger Straßenmagazin “Hinz&Kunzt” erscheint im April erstmals in seiner 26-jährigen Geschichte nur als Online-Ausgabe. Wer das Magazin herunterlädt, wird um eine Spende gebeten, teilte “Hinz&Kunzt” am Mittwoch mit. Wie beim Straßenverkauf gehen 1,10 Euro an “Hinz&Kunzt”, jeder Cent darüber fließt in den Ende März eingerichteten Corona-Fonds. Kurz zuvor war der Straßenverkauf eingestellt worden, weil die meisten Verkäufer zur Risikogruppe gehören. Alle Spenden, die in den Fonds fließen, sollen unter den Verkäufern aufgeteilt werden. Ziel sei es, jedem der 530 aktiven Verkäufer eine Überlebenshilfe von 100 Euro auszuzahlen. Die Redaktion arbeitet derzeit im Homeoffice. Das Projekt fährt nur einen Notbetrieb. Angeboten wird die Beratung per Telefon und nur in Notfällen vor Ort. (epd)

Info-Sammlung zur Pandemiebewältigung

Die Universitätspsychiatrie Bern (UPD) hat eine Ad hoc Arbeitsgruppe zur Pandemiebewältigung in der psychiatrischen Versorgung und in der Versorgung von Menschen mit Behinderungen gegründet. Über diese Webseite sollen Informationen gesammelt und weiter verbreitet werden. Die Wissenschaftler rufen auf zur Übermittlung von Dokumenten, Links, Forschungsartikeln und anderen relevanten Informationen, die hier eingestellt werden können, um sie der Fachwelt zugänglich zu machen. Gesendet werden können sie an: psych.pandemie@upd.ch


31.März

Wachsende Sorge um Heimbewohner

Schleswig-Holstein hat die Betretungsverbote in Pflegeeinrichtungen, Kliniken und Einrichtungen der Eingliederungshilfe verschärft. Auch andernorts sorgt man sich zunehmend insbesondere um alte Menschen in Pflegeeinrichtungen.   In Niedersachsen war sogar ein Aufnahmestopp verhängt worden.  Danach dürfen Patienten aus Krankenhäusern ebensowenig in die Heime gebracht werden wie aus dem häuslichen Bereich – es sei denn, die Heime können eine strikte 14-tägige Quarantäne garantieren. Hintergrund war das Bekanntwerden von Todesfällen im  Wolfsburger Hanns-Lilje-Pflegeheim. Dort stieg die Zahl an Opfern der Atemwegserkrankung Covid-19 inzwischen auf 18, wie die Diakonie Wolfsburg als Betreiber am Dienstag mitteilte. In der Einrichtung für demenzkranke Menschen haben sich insgesamt 74 Bewohnerinnen und Bewohner mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Insgesamt leben dort zurzeit 145 meist hochbetagte Frauen und Männer. Auch in anderen Altenheimen in Niedersachsen wurde das Coronavirus inzwischen nachgewiesen. In Wildeshausen bei Oldenburg starben inzwischen zwei alte Menschen. In Herzberg bei Göttingen hat sich rund die Hälfte der 36 Bewohner angesteckt. (epd)  

Zeitschriften gratis downloaden

Das Verlagshaus Gruner + Jahr bietet an,  kostenlos und unverbindlich alle digitalen Magazine des Verlags zu lesen. Unter anderem Stern, Geo, Gala, Barbara, Geolino, Chefkoch, Schöner Wohnen uvm. Die Aktion läuft bis zum 30. April:  Informationen.  Auch der Psychiatrie-Verlag ermöglicht Gratisdownloads, und zwar der aktuellen Ausgaben der Psychosozialen Umschau und der Sozialpsychiatrischen Informationen. Hintergrund sind kurzfristige Lieferverzögerungen bei den Printausgaben dieser Zeitschriften.

Notbetreuung für Kinder kranker Eltern gefordert

Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie  (DGPs) hat vor den Auswirkungen der Coronakrise auf die Situation von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Störungen und auf Kinder von psychisch kranken Eltern gewarnt. Eine steigende Zahl an stationären Behandlungseinrichtungen  und therapeutische Wohngruppen schließe und Patienten würden ohne therapeutische Versorgung in teilweise hochbelastete Familien entlassen. Für viele Patienten mit psychischen Erkrankungen seien der Verlust an Tagesstruktur, sozialen Kontakten und dem gewohnten sozialen Umfeld eine große Belastung, welche eine starke Verschlechterung der psychischen Erkrankungen zur Folge haben were, so die Fachgesellschaft, die daher die Öffnung der Notbetreuung in Kitas und Schulen für psychisch erkrankte Kinder und Jugendliche und für Kinder psychisch kranker Eltern fordert. 

30. März

Die Probleme der Behinderteneinrichtungen

„Die Coronakrise verschärft bestehende Problemlagen für viele Menschen mit Behinderungen leider deutlich”, sagte der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Jürgen Dusel gegenüber der Süddeutschen Zeitung.  In den Wohneinrichtungen arbeiteten keine Pflegefachkräfte, sondern hauptsächlich Pädagogen, sagt er. Dieser Umstand habe schon vor der Krise zu Missverständnissen geführt, etwa, weil Krankenhäuser die Menschen für medizinisch gut betreut halten und sich deshalb weigerten, sie aufzunehmen. Dieser Missstand könnte jetzt besonders fatale Konsequenzen haben. Das Personal reiche in dieser besonderen Situation nicht aus, so Dusel. Denn die Mitarbeiter müssten jetzt nicht nur mit dem Coronavirus fertig werden, sondern zusätzlich Menschen betreuen, die sonst den Tag in der Werkstatt verbringen. 

Wegen Corona-Toten: Aufnahmestopp für Pflegeheime

Hannover/Wolfsburg (epd). Das Land Niedersachsen hat mit sofortiger Wirkung einen Aufnahmestopp für alle Pflegeheime verhängt. Patienten aus Krankenhäusern dürfen ebenso wenig in die Heime gebracht werden wie aus dem häuslichen Bereich, unterstrich Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) am Montag in Hannover. Ausnahmen seinen nur dann möglich, wenn das Heim eine strikte 14-tägige Quarantäne garantieren könne. Hintergrund ist die hohe Zahl an Corona-Toten in einem Wolfsburger Pflegeheim. Dort waren in den vergangenen Tagen 17 demenzkranke Senioren infolge der Covid-19-Erkrankung gestorben. 72 von 165 Bewohnern waren mit dem Coronavirus infiziert. Auch in zwei anderen niedersächsischen Alten- und Pflegeheimen gab es Infektionen mit dem Erreger.

Rehakliniken übernehmen Klinikpatienten

Das Niedersächsische Gesundheitsministerium hat am vergangenen Samstag 22 der 78 niedersächsischen Rehakliniken in Niedersachsen angewiesen, ab sofort Patientinnen und Patienten aus regulären Krankenhäusern zu übernehmen, die nicht mit dem Corona-Virus infiziert sind. Grundlage ist das am selben Tag in Kraft getretene COVID-19-Krankenhausentlastungsgesetz des Bundes. Danach können Reha-Einrichtungen unter bestimmten Umständen dazu verpflichtet werden, leichtere stationäre Fälle aus Krankenhäusern zu übernehmen, damit diese sich auf die Aufnahme von COVID-19-Patienten vorbereiten können. Durch die Anordnung konnte das Land rund 2000 zusätzliche Krankenhausbetten schaffen, teilte die Pressestelle des Ministeriums mit.

Psychiatrien machen Platz für Corona-Patienten

Viele der bundesweit mehr als 400 psychiatrischen Fachkliniken bzw. Fachabteilungen legen Stationen zusammen, damit sie Corona-Patienten behandeln können. Wie ein Sprecher des Dachverbands der deutschen Krankenhausträger gegenüber der Berliner Morgenpost erklärte,   erfordere die Krisenlage „nach medizinischer Beurteilung im Einzelfall voll- und teilstationäre Patienten zunächst nicht aufzunehmen oder früher zu entlassen, um Kapazitäten freizumachen“. Zusätzlich würden auch ganze Häuser freigeräumt, um Covid-19-Erkrankte aufzunehmen, die nicht psychisch krank sind, so die Zeitung.

Auswirkung auf Entlassungen: Die Asklepios Klinik Nord Ochsenzoll hat  einem Bericht der Hamburger Morgenpost zufolge eine neue, geschlossene Station für 20 Personen eingerichtet. „Diese Patienten können aktuell nur noch schwer in ihre Heime oder Pflegeeinrichtungen zurückkehren, weil diese aufgrund der Corona-Pandemie die Anzahl ihrer Aufnahmen offensichtlich reduziert haben“, sagte Professor Dr. Claas-Hinrich Lammers, ärztlicher Direktor der Klinik, der Zeitung.  Es seien zwei Stationen zusammengelegt worden, deren Belegung durch die Corona-Krise deutlich heruntergegangen sei – die Belegung sei um 25 Prozent zurückgegangen, weil aktuell einige Patienten aufgrund des Coronavirus ihre Behandlungen verschieben würden.

Kritik an Spekulationen über Steigerung der Suizidrate

Vielfach wird in diesen Tagen vor einem möglichen Anstieg  an psychischen Erkrankungen sowie Suiziden als Folge der Corona-Pandemie gewarnt.  Die Expertinnen und Experten des Nationalen Suizidpräventionsprogramms für Deutschland (NaSPro) warnten jetzt vor „vorschnellen Prognosen“ und verwiesen auf die Vielzahl von Einflussfaktoren im Zusammenhang mit Suizidalität. „Es gibt kein Naturgesetz, wie sich die Suizidzahlen in Zeiten von Krisen entwickeln. Durch ein funktionierendes Gesundheits- und Sozialsystem können Krisen, wie diese, gut aufgefangen werden. Letztlich ist es die Aufgabe der Gesellschaft, einen Rahmen zu schaffen, in dem Menschen in Krisen nicht allein gelassen werden. Die Entwicklung liegt auch in unserer Hand.“ Schädlich hingegen seien „nicht faktenbasierte Spekulationen“: „Alle Vorhersagen, dass durch die Auswirkungen der Corona-Krise und die damit verbundenen wirtschaftlichen Folgen die Suizidrate drastisch steigen wird, entbehren gegenwärtig jeder wissenschaftlichen Grundlage.“


Jena: Isolierstation für infizierte Psychiatrie-Patienten

Auch die Universitätspsychiatrie Jena schaltet auf Notfallbehandlung um. Aktuell wird eine Videosprechstunde eingerichtet.  Dringend psychiatrisch behandlungsbedürftige Patient/innen, welche sich einer Quarantäne unterziehen müssen, müssen derzeit „in Zimmerquarantäne auf Station”, teilte die Klinik auf ihrer Homepage mit. Für psychiatrisch dringend behandlungsbedürftige Patient/innen mit einem positiven Corona-Befund werde aktuell zusammen mit der  Kinder- und Jugendpsychiatrie und der Psychosomatik  eine gemeinsame Isolierstation aufgebaut.

Universitätspsychiatrie richtet Corona-Krisentelefon ein

 Die Ambulanz des Zentrums für Psychotherapie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main stelle fest, dass die Nachrichten über das Coronavirus und die sozialen Einschränkungen Depressionen und Ängste bei Patienten verschärften, sagte der Leiter des Zentrums dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das Zentrum für Psychotherapie bietet daher ab Montag für das Rhein-Main-Gebiet Beratung und therapeutische Kurzinterventionen über ein Corona-Krisentelefon an.  Im Zentrum für Psychotherapie würden die Therapien per Videoübertragung fortgesetzt. 

Die Beratung am Krisentelefon diene zunächst einmal der emotionalen Entlastung, erklärte Stangier. Zu den Zielen gehöre auch, konkrete Anregungen zur Strukturierung des Tages zu geben, die Klienten zu aktivieren, einen sozialen Austausch wiederherzustellen und einen ausgeglicheneren Umgang mit den ungewohnten Lebensbedingungen herzustellen.  

Wichtige Corona-Infos für die Suchthilfe

Von Substitution bis Reha: Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) stellt auf ihrer Webseite ab sofort wichtige Informationen zum Coronavirus für alle Fachkräfte in der Suchthilfe zur Verfügung: https://www.dhs.de/start/startmeldung-single/article/informationen-fuer-fachkraefte-in-der-suchthilfe.html.

26. März

„Aktion Mensch”: 20 Millionen Euro Soforthilfe

Die Hilfsorganisation „Aktion Mensch” legt anlässlich der aktuellen Corona-Krise ein Soforthilfeprogramm in Höhe von 20 Millionen Euro auf – gedacht etwa für Menschen mit Behinderung, deren Assistenzkräfte ausfallen, und auch sozial schlechter gestellte Menschen, die durch die zunehmende Schließung von Tafeln oder anderen Einrichtungen nicht mehr mit Lebensmitteln versorgt werden können. Fördergelder beantragen können freie gemeinnützige Vereine und Einrichtungen. Sie erhalten bis zu 50.000 Euro für Personal-, Honorar- und Sachkosten, wie die „Aktion Mensch” mitteilte.  Die Gelder können ab sofort bei der Organisation beantragt werden. (epd)

Mehr Suizide? – Heinz warnt vor längerer Kontaktsperre

DGPPN-Präsident Andreas Heinz hat vor einem Anstieg der Suizidrate gewarnt, wenn die derzeitige Kontaktsperre länger als zwei bis drei Wochen dauere. „Soziale Isolation ist ein wesentlicher Stressfaktor und kann psychische Störungen verstärken“, sagte  Heinz den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.  Heinz warnte zudem vor wachsendem Alkoholkonsum in der Zeit der Kontaktsperre. “Isolierte Menschen neigen dazu, mehr zu trinken, weil die soziale Kontrolle fehlt – wir wissen, was daraus folgen kann: Die Hälfte aller Gewalttaten in Deutschland geschieht unter Alkoholeinfluss”, sagte Heinz.

Schweiz rechnet mit mehr Zulauf von Akutkranken

Auch die Schweizer Psychiatrie wappnet sich für schwere Zeiten:  „Die Zahl der Notfälle in der Psychiatrie werden massiv ansteigen“, sagte der CEO der Spital Thurgau AG.  Das zeige die aktuelle Situation in Italien und im Tessin.  Leichte Fälle müssten möglicherweise nach Hause geschickt werden, wenn zu viele Akutfälle eintreffen. Es seien traumatisierte und schwer depressive Personen, die erwartet würden, heißt es auf der Seite des Schweizer Radio und Fernsehen (SRF)

Studie zu Pandemie-Auswirkung auf Zwangserkrankung

Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) bitten Menschen mit Zwangsstörungen an einer Befragung teilzunehmen. Mit dieser Befragung soll untersucht werden, wie Menschen mit Zwangsstörungen die Lage der „Corona Krise” einschätzen und welche Auswirkungen die Pandemie auf die aktuelle Symptomatik hat. Verantwortlich ist Prof. Dr. Steffen Moritz, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, UKE-Hamburg. Zur Befragung=>

 Umfangreiche Hilfen für Obdachlose

Hamburg verlängert sein Winternotprogramm zunächst bis Ende Mai und trifft eine Reihe zusätzlicher Schutzmaßnahmen für Obdachlose. Die Versorgung mit warmem Essen sollte heute an verschiedenen Standorten wieder anlaufen, teilte die Sozialbehörde mit. Niedrigschwellige Angebote zur medizinischen Versorgung obdachloser Menschen sollen – unter Schutzkleidung – seitens des Krankenmobils und der Schwerpunktpraxis der Caritas sowie des ArztMobils fortgeführt werden.    In der Notübernachtungseinrichtung Kollaustraße sollen ab sofort erweiterte Öffnungszeiten (15 bis 11 Uhr des Folgetages) gelten. Der Standort Friesenstraße wird nach Ende der Quarantäne (wir berichteten) voraussichtlich ab dem 29. März ebenfalls in diesen Zeiten zur Verfügung stehen. Für obdachlose Frauen solle ein zusätzliches Angebot mit zunächst 50 Plätzen geschaffen werden, um das “Frauenzimmer” in der Hinrichsenstraße zu entlasten, hieß es.  Für die Versorgung mit Essen nehmen neben dem „CaFée mit Herz” und der Bahnhofsmission weitere Angebote  wie die Alimaus in Altona die Essensverteilung wieder auf.  Aktuelle Termine und Öffnungszeiten von Hilfsangeboten für Obdachlose sind folgender Homepage zu entnehmen: https://www.strassenhilfe-hamburg.de

25. März

Mehr häusliche Gewalt

Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (56, SPD) in der BILD: Wegen der Kontaktverbote gebe es bereits eine „signifikante Zunahme“ von Inobhutnahmen und Betretungsverboten wegen häuslicher Gewalt.

Mehr Gewalt in der Pflege befürchtet

Die Berliner Beratungsstelle „Pflege in Not” bei Gewalt und Konflikten in der Pflege alter Menschen hat ihr Angebot erheblich ausgeweitet. Durch die Corona-Krise und ihre Folgen spitze sich für die pflegenden Angehörigen die Situation zu Hause extrem zu, sagte Leiterin Gabriele Tammen-Parr dem Evangelischen Pressedienst (epd). Grund sei der Wegfall vieler Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige. Deshalb sei die telefonische Beratungszeit verdreifacht worden. Wegen der Krise entfielen die Tagespflege, Gesprächsgruppen für pflegende Angehörige, Betreuungsgruppen für Demenzerkrankte oder die Einzelbetreuung durch Ehrenamtliche, sagte Tammen-Parr. Dadurch seien die Pflegebedürftigen und deren Angehörige zu Hause ganz auf sich gestellt. 

Wenn die Osteuropäerinnen fehlen …

Der Verband für häusliche Betreuung und Pflege (VHBP) rechnet wegen fehlender Pflegekräfte aus Osteuropa damit, dass bis zu 200.000 alte Menschen schon bald nicht mehr versorgt sein könnten. Der Geschäftsführer des Sozialverbands VdK, Frederic Seebohm, sagte dem ARD-Magazin „Report Mainz”: „Wir rechnen damit, dass ab Ostern 100.000 bis 200.000 Menschen schrittweise nicht mehr versorgt sind und dass sie dann in Altenheimen oder Kliniken versorgt werden müssen.” Er forderte eine Passiermöglichkeit für die Betreuungspersonen, damit sie die Grenze nach Deutschland überqueren könnten. Über die Grenzen kommen osteuropäische Helferinnen und Helfer aktuell nur, wenn sie legal vermittelt werden.

Viele osteuropäische Betreuungskräfte verlassen derzeit wegen der Corona-Krise Deutschland, zugleich kommen wenige Osteuropäerinnen als Ersatz nach, wie der Verband erklärte, der nach eigenen Angaben über Vermittlungsagenturen rund ein Drittel der legal in Deutschland tätigen Betreuungspersonen vertritt. Der Kölner Pflegeforscher Michael Isfort sagte dem Magazin, Krankenhäuser bräuchten die Plätze für Erkrankte und die Pflegeheime seien voll, dort könnten “nicht ad hoc Tausende zusätzliche pflegebedürftige Menschen aufgenommen werden”, erklärte der Experte des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung. (Epd)

24. März

Forscher rechnet mit Anstieg psychischer Erkrankungen

Prof. Andreas Meyer-Lindenberg,  Direktor des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim, rechnet mit einem Anstieg von psychischen Erkrankungen in Folge der Corona-Pandemie. Jede Krise führt zu einer vermehrten Belastung und ist damit ein Risikofaktor für die Manifestation von psychischen Erkrankungen. Oft seien die Effekte nicht besonders groß, so Meyer-Lindenberg gegenüber dem Wissenschaftsmagazin spektrum.de,  aber dennoch messbar. So zeigten Studien, für die Forscher die Ersthelfer untersuchten, die nach dem Angriff auf das World Trade Center zur Stelle waren, dass es schon früh nach einer Katastrophe zu einem deutlichen Anstieg von Depressionen und Belastungsredaktionen komme. Nach einem Jahr sei davon in den USA zum Glück nicht mehr so viel zu spüren gewesen.  Manchmal gebe es auch gegenläufige Tendenzen. Zum Beispiel rückten die Menschen in einer Krise oft im übertragenen Sinn zusammen, in manchen Krisen habe  man sogar beobachten können, dass die Suizidrate zeitweilig abgenommen hat. Das vollständige Interview lesen Sie hier.

Psychiater, Psychotherapeutin und Betroffene berichten

Was ist zu tun, wenn Panik und Aggressionen auftreten? Der Psychiater und neue Ärztliche Direktor des Bezirkskrankenhauses AugsburgAlkomiet Hasan gibt in einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen konkrete Tipps. Die Praxis offenhalten? Wie sollen sich Psychotherapeuten verhalten, die selbst teils unter Existenzsorgen leiden und sich um ihre eigene Gesundheit sorgen? Zu Fragen wie diesen nimmt im Ärzteblatt Heike Winter aus Offenbach Stellung. Die Verhaltenstherapeutin ist Präsidentin der Psychotherapeutenkammer Hessen. „Ich bin nicht allein zu Hause, ich habe ja meine Depression“ – unter diesem Titel berichtet die Autorin Kathrin Weßling im ZEIT Magazin wie sich Isolation und das Wegfallen von Alltag auf psychisch kranke Menschen auswirkt. 

Isolations-Kochen für Anfänger

Die Restaurants sind dicht – aber selbst kochen war bislang nicht ihr Ding?  Sternekoch Nelson Müller will unterstützen und bietet einfache Gerichte zum Mitkochen an – mit Zutatenliste, Rezept und Schritt-für-Schritt-Videos. Ab Dienstag, 24. März 2020,  täglich ab 12 Uhr in der ZDFmediathek und bei ZDFbesseresser auf Youtube, und zwar unter dem Titel „Einfach! Täglich! Mitkochen!“ . Jeweils in etwa 20 bis 40 Minuten entsteht ein Gericht.  Müller legt mit Reibekuchen und Apfelmus (mittelschwer) los, es folgt eine leichte Nudelpfanne (ganz einfach).

23. März

Briefe, Bilder und Telefonate gegen Einsamkeit

Die Diakonie-Stiftung MitMenschlichkeit startet in Hamburg eine Briefaktion für Senioren als Zeichen gegen Einsamkeit. Alle Hamburger seien eingeladen, als ein Zeichen der Verbundenheit älteren Menschen einen Brief zu schreiben. Kinder können auch ein Bild malen, wie die Diakonie am Montag mitteilte. Aufmunternd und anteilnehmend könnten Mitbürger erzählen, wie sie mit der Corona-bedingten Isolation umgehen, und gute Wünsche, Gedanken oder Gedichte weitergeben, hieß es. Die Briefe können anonym sein oder mit Absenderadresse. Die Stiftung leite die Briefe an ältere Menschen in Pflegeeinrichtungen der Diakonie in Hamburg weiter. Auch der AWO Landesverband Hamburg startete  eine Hilfsaktion für ältere und hilfsbedürftige Menschen. Freiwillige können sich auf der Website des Landesverbandes unter www.awo-hamburg.de/miteinander registrieren, um isolierten Menschen, die nicht in der digitalen Welt zuhause sind, z.B. mit Telefonpatenschaften zur Seite zu stehen oder für sie einzukaufen.   

Auch Wohlfahrtspflege unterm Rettungsschirm

Das geplante milliardenschwere Hilfspaket der Bundesregierung in der Corona-Krise soll nach Darstellung der Diakonie doch die freie Wohlfahrtspflege einschließen. “Die Signale, die wir am Wochenende aus der Regierung erhalten haben, stimmen uns optimistisch”, erklärte Diakonie-Präsident Ulrich Lilie am Sonntag in Berlin.  Lilie betonte, die Sicherung der diakonischen Einrichtungen sei existenziell für deren Arbeit in der Krise und für die Zeit danach. Gemeinnützige Unternehmen dürften nur sehr begrenzt Rücklagen bilden und seien den wirtschaftlichen Herausforderungen in dieser Zeit stärker ausgesetzt als andere Unternehmen. Er äußerte sich erleichtert darüber, dass sich derzeit abzeichne, die freie Wohlfahrtspflege unter den Rettungsschirm der Bundesregierung zu bekommen. Dies war nach Angaben von Caritas, Diakonie und des Paritätischen Wohlfahrtsverbands zunächst nicht vorgesehen gewesen. 

Und noch mehr Corona-Sozialstudien …

Krisenzeit ist Studienzeit. Die Fachrichtung Psychologie der Universität des Saarlandes will die psychischen und sozialen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie untersuchen. Für die Studie mit dem Titel „Alles anders?“ werden Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesucht, die wöchentlich in Fragebögen dokumentieren, wie sich die Coronakrise auf ihren Alltag und ihr Wohlbefinden auswirkt. Weitere Infos hier. Wie sich das Coronavirus auf soziale Kontakte auswirkt, will die Universität Hildesheim studieren.  Teilnehmen können alle Personen in Deutschland ab 18 Jahren. Mehr hier.

Jetzt im Netz: Die Corona-Diaries

Das ging schnell: Nach dem Aufruf des Medienprojekts Wuppertal an junge Menschen, Kurzfilme als Tagebuch in der Corona-Krise einzusenden, sind diese schon als Web-Serie im Internet zu sehen. Unter dem Titel „Corona Diaries” finden sich zahlreiche Beiträge, in denen  Ereignisse, Gefühle und Gedanken und Wünsche an die Zukunft reflektiert werden.  

20. März

Schreiber & Maack: Depressions-Lesung im Netz

Die Kulturwelt stellt sich um – und das hat auch positive Effekte. Online-Lesungen und Diskussionen sind barrierefrei – wenn die Technik stimmt … Heute Abend lesen im Internet Jasmin Schreiber und Benjamin Maack aus ihren Büchern „Wenn das noch geht, kann es nicht so schlimm sein“ und „Marianengraben“, danach reden der Hamburger Autor und seine Kollegin über das beide Bücher verbindende Thema Depressionen. Achtung: Nur live, danach ist das Video vorbei, es wird nicht konserviert …  Wer es sich leisten kann, wird gebeten, einen „Eintritt” nach Wahl zu stiften, der an die Deutsche Depressionshilfe geht: http://depressionslesung.betterplace.org. Im Chat können auch Fragen gestellt werden.  Heute, 20 Uhr auf: www.twitch.tv/lavievagabonde

 Psychotherapie in Zeiten der Epidemie

Psychisch kranke Menschen brauchen auch während der Corona-Epidemie weiter eine psychotherapeutische Versorgung – viele, insbesondere Angstpatienten, sind gerade jetzt besonders darauf angewiesen! Psychotherapie findet aber in der Regel von Angesicht zu Angesicht statt. Ist dies aktuell überhaupt möglich? „Sicher”, sagt Dr. Dietrich Munz, Präsident der BPtK, in einem von der Kammer verbreiteten Interview. „Insbesondere solange weder Patient*innen noch Psychotherapeut*innen irgendwelche Symptome für Atemwegserkrankungen haben. Dann ist es zwar notwendig, dass ein ausreichender Abstand von ein bis zwei Metern eingehalten, auf das Hände-Schütteln verzichtet, die Husten- und Nies-Etikette beachtet wird und z. B. Türklinken regelmäßig desinfiziert werden. Dies sind die gesundheitlichen Vorsichtmaßnahmen, die jederzeit gelten. Sie ermöglichen aber auch, weiter Patient*innen in der Praxis zu sehen, zu beraten und zu behandeln.“  Das gesamte Interview rund um Psychotherapie in Zeiten der Corona-Krise lesen sie hier.

Altenhilfe: Personalmangel spitzt sich zu

Derweil spitzt sich der Personalmangel in den Alten- und Pflegeheimen zu. Zur Entlastung werden Qualitätsprüfungen ausgesetzt. Der Pflege-Tüv, die regelmäßigen Qualitätsprüfungen durch den Medizinischen Dienst der Kassen, wird ebenso ausgesetzt wie die gesetzlich vorgeschriebenen Mindest-Personalschlüssel und die Fachkraftquoten. Pflegegeldempfängern sollen vorerst bis Ende September keine kontrollierenden Hausbesuche mehr erhalten. Auch die Pflegedienste würden vorerst nicht mehr regelmäßig kon­trolliert, sagte Gernot Kiefer, Vizevorsitzender des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen (GKV), dem Hamburger Abendblatt. Pflegekräfte in Tagespflegeeinrichtungen würden auch weiter finanziert, wenn die Einrichtungen geschlossen werden, damit diese Pflegekräfte dann in Heimen eingesetzt werden können.  

Corona und die Obdachlosen

Vieles bewegt sich plötzlich ganz schnell: In Hamburg heben die Wasserwerke  Sperren auf, die Saga stoppt Mieterhöhung und Zwangsräumungen, die Justiz setzt Ersatz-Freiheitstrafen aus. Auf der anderen Seite wird aus Gründen des Infektionsschutzes vieles an Hilfen eingestellt, das städtische Leben kommt mehr und mehr zum erliegen.  Fast alle Organisationen der Obdachlosenhilfe  haben ihre Dienste vorübergehend eingestellt oder reduziert. Beispiel CaFée mit Herz auf St. Pauli:  Der Verein  hat das Café geschlossen, reicht aber ein warmes Mittagessen  aus einem Fenster. Hunderte nutzten dies.

Die Unterkunft von Fördern & Wohnen an der Friesenstraße, die regulär für rund 300 wohnungslose Menschen Winter-Schlafplätze bietet, gleicht einer Quarantänestation, seitdem ein Nutzer positiv auf das Virus getestet wurde. Er wurde separiert. Die übrigen Bewohner sollen auch getestet werden und wohnen dort jetzt Tag und Nacht zusammen, darunter viele Suchtkranke, berichtete das Abendblatt. „Hinz&Kunzt“-Geschäftsführer Jörn Sturm forderte dort „eine professionelle Corona-Koordinierungsstelle“ und die Nutzung leer stehender Hotels als Quartiere für Obdachlose. Aktuelle Infos bietet das Obdachlosenmagzin Hinz & Kunzt, das seine Printausgabe einstellte und die redaktionelle Tätigkeit ganz auf das Internet verlagerte.  https://www.hinzundkunzt.de

19. März

Ein Psychiater über die Corona-Angst

Ist das durch die aktuelle Situation entstehende Angsterleben für Menschen mit psychischen Beschwerden noch schlimmer? fragte die taz den Berliner Psychiater Jan Kalbitzer. Das sei sehr unterschiedlich, so seine Antwort. „Von meinen Patienten, die schon vorher unter starken Ängsten gelitten haben, werden manche deutlich ruhiger, jetzt, wo der Shutdown tatsächlich da ist.“ 

Daneben könne diese Zeit für Menschen, die unter psychischen Beschwerden leiden,  insofern besonders belastend sein, weil es schwieriger ist, sich von bestehenden psychischen Störungen abzulenken. Zu den wichtigen Faktoren, die jetzt wegfallen oder wegfallen könnten, gehörten die strukturierende Funktion von Arbeit oder soziale Kontakte und Bewegung.

Kalibitzers Tipp: Den Tag gut strukturieren. In Kontakt mit anderen über digitale Medien bleiben, vielleicht sogar etwas mit der Hausgemeinschaft organisieren: „Sie könnten beispielsweise sagen: In unserem Haus gehen wir alle um acht Uhr auf den Balkon und grüßen uns.“ Er selbst biete jetzt psychiatrische Sprechstunden und auch Psychotherapie per Video an und findet es sehr sinnvoll, auf andere Menschen zuzugehen, „von denen wir wissen, dass sie unter Krisen leiden.“ Das vollständige Interview lesen Sie hier

„Nach etwa vier Wochen lässt die Aufmerksamkeit nach”

Der Angstforscher Borwin Bandelow riet indes gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd) zu Gelassenheit: „Das ist jetzt leider eine Angst, die man gewissermaßen aushalten muss”, sagte Bandelow in Göttingen. Auch wenn sich schlimmere Meldungen in den kommenden Tagen verstärkten, gewöhnten sich die Menschen nach einiger Zeit an die neue Situation: “Und dann werden wir einen in Anführungsstrichen normalen Umgang mit der Angst führen.”

Nach und nach arrangierten sich die Menschen trotz Einschränkungen mit der Situation. Ähnliches sei in Städten wie Kabul und Johannesburg sowie in Regionen zu beobachten, “in denen tagtäglich etwas Schreckliches passiert”. Bei Vorfällen wie einem Terroranschlag oder der Atomreaktor-Katastrophe von Fukushima gebe es die Regel, dass nach etwa vier Wochen die mediale und gesellschaftliche Aufmerksamkeit trotz weiterhin bestehender Gefahren nachlasse, sagte der Professor für Psychiatrie und Psychotherapie an der Uni Göttingen. Diese Regel greife jedoch erst ab dem Höhepunkt einer Krise – und diese wird aus Sicht von Bandelow erst in vielen Tagen oder Wochen erreicht sein.

Viele Menschen könnten, wenn sie unter häusliche Quarantäne gestellt seien, durch die soziale Isolierung einen “Corona-Koller” bekommen, sagte Bandelow. “Man kann dagegen über soziale Medien Kontakt halten oder auch mit Video-Telefonie, damit man Angehörige und Freunde auch weiterhin sehen kann.” Er empfahl Betroffenen, im Garten oder auf dem Balkon zu arbeiten, spazieren zu gehen und in der Sonne zu liegen. “Aber man kann natürlich keine Partys mehr feiern.”

Der Forscher riet auch bei der Sorge um andere zu mehr Gelassenheit. “Ich rechne mir dann immer ganz rational vor, wie gering trotz allem die Wahrscheinlichkeit ist, daran zu sterben.” Im Vergleich dazu stürben jedes Jahr 15.000 Menschen in Deutschland an Krankenhaus-Keimen.

Der 68-Jährige selbst hat sich inzwischen als Helfer in einem Corona-Untersuchungszentrum gemeldet. Er habe ein Grundvertrauen, die Erkrankung zu überstehen, falls er sich selbst damit infizieren sollte. 

Epd / Gunnar Müller

Mehr Begleitung statt Werkstattarbeit   

 Die Schließung der Behindertenwerkstätten in Nordrhein-Westfalen stellt viele Träger vor große Herausforderungen. Es werde daran gearbeitet, die Mitarbeitenden aus den Werkstätten nun verstärkt bei den Menschen in den Heimen und Wohngruppen einzusetzen, sagte die Geschäftsführerin des für die Behindertenhilfe zuständigen Stiftungsbereichs Bethel.regional, Ursula Veh-Weingarten, am Mittwoch in Dortmund dem Evangelischen Pressedienst (epd). Auch andere Mitarbeitende stellten sich darauf ein, Menschen mit Behinderungen vor Ort zu beschäftigen. Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, sind in Nordrhein-Westfalen seit Mittwoch auch alle Behindertenwerkstätten geschlossen. 

Erschwerend seien in der Situation massive Einbrüche beim Personal, weil etwa Urlaubsrückkehrer oft eine 14-tägige Quarantäne einhalten müssten, erklärte Veh-Weingarten. Es herrsche jedoch eine große Solidarität unter den Mitarbeitenden und eine große Bereitschaft, damit es so wenig wie möglich zu Beeinträchtigungen komme. Für den Bereich der Behindertenhilfe der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel werde nötigenfalls zusätzliches Personal gewonnen, etwa durch Umschichtungen oder durch Schülerinnen des Berufskollegs Bethel. 

Die Einschränkungen etwa der Bewegungsfreiheit oder des Besuchs werden laut Veh-Weingarten von den behinderten Menschen unterschiedlich wahrgenommen. Bei Menschen mit einer psychischen Erkrankung könne man im Gespräch vieles klären. Sie hörten Nachrichten und könnten vieles einordnen. Viele hätten Ängste, wie es weitergehe. “Es gibt aber auch viele, die überhaupt nicht nachvollziehen können, warum der Besuch nicht mehr kommt, oder jemand, der sonst Nachmittagsangebote gemacht hat.” Solche Fragen und Sorgen versuchten die Mitarbeitenden aufzufangen. Sie hätten die Erfahrung und einen “Methodenkoffer”, wie sie bestimmte Phänomene Menschen erklären könnten.   epd/Holger Spierig

Paritätischer warnt vor Sozial-Insolvenzen

Der Paritätische Wohlfahrtsverband fordert angesichts der Coronakrise sofortige Finanzhilfen für gemeinnützige Einrichtungen und Anbieter sozialer Dienstleistungen. Es sei eine Welle von Insolvenzen im gemeinnützigen Sektor zu befürchten, wenn nicht frühzeitig staatliche Hilfen gewährt werden, warnte der Verband am Mittwoch in Berlin. Gemeinnützige Träger dürften anders als kommerzielle Anbieter kaum Risikorücklagen bilden.

“Alles, was hereinkommt, muss auch wieder für den guten Zweck ausgegeben werden”, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Ulrich Schneider. “Auf möglicherweise längere Schließungen oder Ausfallzeiten können gemeinnützige Einrichtungen strukturell nicht vorbereitet sein.” Kredite seien daher in vielen Fällen kein geeignetes Instrument zur Unterstützung, da sie letztlich zu einer Überschuldung und damit ebenfalls zum Konkurs der Einrichtungen führen könnten.

Die öffentliche Finanzierung für die Einrichtungen und Dienste müsse in den nächsten Wochen weiterlaufen, unabhängig von Ausfällen oder temporären Schließungen. “Wenn jetzt nicht gegengesteuert wird, wird gewachsene soziale Infrastruktur zerstört”, sagte Schneider. Betroffen sei das gesamte Spektrum sozialer Arbeit: Werkstätten für Menschen mit Behinderung, Kindergärten, Beratungsstellen aller Art, Rehabilitationseinrichtungen wie etwa Kur- und Erholungseinrichtungen bis hin zu Jugendzentren, Altenclubs, Begegnungsstätten und sogar Pflegeeinrichtungen. (rd)

18. März

Kiel legt psychosomatische Kuren auf Eis

In Schleswig-Holstein werden derzeit Schwerpunkt-Versorgungsstrukturen für Covid-19-Patientinnen und Patienten aufgebaut, die eine stationäre Versorgung benötigen. Bisher sind dem Ministerium 8 erkrankte Personen aus Schleswig-Holstein gemeldet, die stationär behandelt werden.  Um weitere Kapazitäten zu schaffen, hat das Land erlassen, dass  Vorsorge- und Reha-Einrichtungen keine neuen Patientinnen und Patienten mehr aufnehmen dürfen. Nur Maßnahmen bzw. Kuren, die bis zum 16. März begonnen worden sind, dürfen zu Ende durchgeführt werden. Davon ausgenommen sind Leistungen der Anschlussheilbehandlung, die vorrangig für  Patienten aus Schleswig-Holstein und Hamburg zu erbringen seien. Die Regelungen gelten auch für psychosomatische Reha-Kliniken. Vollständiger Erlass: www.schleswig-holstein.de (rd)

Aufruf an Pflegekräfte, die aktuell nicht arbeiten

Die Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein hat zudem einen Aufruf an Angehörige der Pflegeberufe gestartet, die derzeit nicht in ihrem Beruf arbeiten. Sie können sich vorsorglich registrieren, um im Bedarfsfall tätig zu werden. Weitere Info: https://www.pflegeberufekammer-sh.de/aktuelles.html (rd)

Studie untersucht psychische Reaktionen auf Corona

Verunsicherung, Krankheitssorgen,  „Hamsterkäufe“, vermehrte Mediennutzung oder Cyberchondrie (vermehrte Krankheitsängste infolge von Informationen aus dem Internet) – diese und weitere mögliche psychische Reaktionen und Verhaltensänderungen der Menschen infolge der Coronavirus-Pandemie wollen Forscher der Universität Mainz im Rahmen einer Studie untersuchen. Zudem soll geprüft werden, ob bestimmte Persönlichkeitsmerkmale, beispielsweise Ängstlichkeit, in Verbindung gebracht werden können mit der Mediennutzung und den Sorgen und Verhaltensänderungen infolge der Coronavirus-Pandemie. Zudem soll geprüft werden, inwieweit Persönlichkeitsmerkmale wie Ängstlichkeit, in Verbindung gebracht werden können mit entsprechenden Verhaltensänderungen. Angesiedelt ist die Studie an der Abteilung Klinische Psychologie, Psychotherapie und Experimentelle Psychopathologie. Die Bearbeitungsdauer für Teilnehmer beträgt ca. 20 Minuten. Eine Teilnahme ist für alle ab 16 Jahren möglich. Als Aufwandsentschädigung werden Einkaufsgutscheine verlost. Die Studie ist über den Link https://www.soscisurvey.de/COVID19/ zu erreichen. (rd)

„Corona Diaries – Junge Filme gegen den Untergang“ 

Das Medienprojekt Wuppertal sucht junge Menschen aus Wuppertal und Umgebung, die während der Corona-Krise mit der Kamera die Ereignisse in ihrem eigenen Leben, in ihrer Familie und in ihrem Umfeld dokumentieren und ihre Gefühle und Gedanken reflektieren. So soll ein digitales Tagebuch der Krise aus junger Perspektive entstehen. Als Fragen in den Raum gestellt werden dafür: Welche Geschichten ereignen sich unter diesen außergewöhnlichen Umständen? Was macht das mit ihnen und den Menschen in ihrer Umgebung? Welche Probleme entstehen und was sind die positiven Seiten der Krise, wie z. B. solidarisches Verhalten, neue Freundschaften, Besinnung auf andere Werte oder gänzlich unerwartete Geschichten? (rd)