Corona: Der
Social-Newsticker

Elektronen-Mikroskop-Aufnahme des „SARS-CoV-2( (gelb) — auch bekannt als 2019-nCoV - das Virus, das COVID-19 verursacht. Isoliert bei einem Patienten in den USA. Foto: NIAID Rocky Mountain Laboratories (RML), U.S. NIH

In dieser Rubrik listen wir chronologisch aktuelle News und Wissenswertes rund um die Corona-Pandemie auf. Für die nächste Printausgabe (geplanter Erscheinungstermin: 5. Mai) planen wir – natürlich – einen Corona-Schwerpunkt. Dafür sind wir an Erfahrungen und Eindrücken aus den verschiedensten Einrichtungen der Eingliederungshilfe, aus Kliniken und Heimen, von Mitarbeitenden und Betroffenen interessiert. Was ist besonders? Welche herausragenden Schwierigkeiten mussten Sie bewältigen? Was hat sich vielleicht auch positiv entwickelt? Schreiben Sie uns gern unter: redaktion@eppendorfer.de.

12. April

Mehr Schutz für Menschen mit Behinderung gefordert

Menschen mit Behinderung werden nach Ansicht von Fachverbänden bislang nicht als Risikogruppe in der Corona-Krise berücksichtigt, kritisierte der Zusammenschluss der Fachverbände für Menschen mit Behinderung. Menschen mit Behinderung hätten oft Vorerkrankungen oder ein geschwächtes Immunsystem, was bei einer Infektion das Risiko für einen schweren Verlauf erhöhe. Die Verbände forderten, alle Einrichtungen der Eingliederungshilfe mit Schutzausrüstung auszustatten. Auch müssten die Virus-Tests von Menschen mit Behinderung bevorzugt behandelt werden.  

capito-Info-Blätter in leichter Sprache

capito Schleswig-Holstein hat wichtige Infos rund um COVID-19  in Info-Blättern in leicht verständlicher Sprache aufbereitet.  Sie stehen zum Download auf der Internetseite: www.capito-sh.de zur Verfügung. Dabei geht es z. B. um neue Verhaltensregeln, Schutzkleidung und Quarantäne.   

Telefontherapie abrechenbar – für „bekannte” Patienten

Ärzte und Psychotherapeuten können jetzt  – befristet bis zum 30.06.2020 – die Patienten öfter und länger auch telefonisch betreuen.  Die neuen Gesprächsleistungen können auch abgerechnet werden, wenn in dem Quartal kein persönlicher Arzt-Patientenkontakt stattgefunden hat. Abrechnungsvoraussetzung ist, dass der Patient der Praxis bereits „bekannt“ ist. Hierzu zählt jeder Patient, der in den letzten sechs Quartalen vor dem Abrechnungsquartal wenigstens einmal in der Praxis gewesen ist. (rd)

 Sechs Millionen in zu kleiner Wohnung

In Deutschland leben rund sechs Millionen Menschen in einer überbelegten Wohnung. Das geht aus Zahlen für das Jahr 2018 vor, die das Statistische Bundesamt in Wiesbaden veröffentlichte. Im Vergleich zum europäischen Durchschnitt lebten in Deutschland mit rund 7,4 Prozent verhältnismäßig wenige Menschen in zu kleinen Wohnungen (EU-Durchschnitt: 15,5 Prozent). Als überbelegt gilt eine Wohnung laut dem Statistischen Bundesamt dann, wenn sie über zu wenige Zimmer im Verhältnis zur Personenzahl verfügt. Vor allem bei Alleinerziehenden sei dies oft der Fall: 20 Prozent von ihnen lebten mit ihren Kindern auf zu engem Raum. Der EU-Durchschnitt liegt mit 22,4 Prozent demnach nur wenig höher.Besonders dramatisch sei die Wohnsituation in Bulgarien und Rumänien, wo im Jahr 2018 jeweils 40 Prozent der Bevölkerung in einer überbelegten Wohnung lebte. In Italien, wo wegen der Corona-Pandemie aktuell besonders strenge Ausgangsbeschränkungen gelten, leben 27,8 Prozent der Bevölkerung in einer überbelegten Wohnung. In Frankreich seien es 8,2 Prozent, in Spanien 4,7 Prozent. (Epd)

Von Farsi bis Tigrinja

Corona-Infos in Fremdsprachen: Auf der NDR Seite unter dem Titel  „Corona in Hamburg“ gibt es Hilfe-Infos in sechs Sprachen – Deutsch, Englisch, Arabisch, Farsi, Polnisch und Türkisch. WDRforyou erstellt regelmäßig Corona-Update Videos auf Arabisch und Farsi. Und auch die Johanniter bieten Kurzinformationen zu Corona als PDF, und zwar auf Farsi, Arabisch, Englisch, Italienisch, Französisch, Russisch, Türkisch und Tigrinja.

1.April

Luxusquarantäne in der Schweiz

Der Tourismus liegt am Boden, Grenzen sind geschlossen ebenso wie die meisten Hotels. Eine Marktlücke hat die Schweizer Hotelkette Le Bijou aufgetan. Sie bietet in ihren Häusern in Luzern, Basel, Genf und Zürich Luxusappartments als – rein digital und kontaktlos zu mietende – Quarantäneunterkünfte. Für rund 450 Euro pro Nacht – Services wie beispielsweise ein Lieferdienst für das Essen kosten extra. Das berichtete die taz in ihrer gestrigen Ausgabe. Dazu gebucht werden kann auch ein Coronatest-Roomservice für 450 Euro. Tägliche Kontrollbesuche medizinischen Personals werden richtig teuer (1.650 Euro), für mehrere tausend Euro könne auch eine Rund-Um-die-Uhr-Versorgung durch eine Pflegekraft organisiert werden. Für den Notfall wird schneller Zugang zu einer Privatklinik versprochen. Für die Anreise empfiehlt sich da wohl der Privatjet …

„Hinz&Kunzt” erstmals nur online

Das Hamburger Straßenmagazin “Hinz&Kunzt” erscheint im April erstmals in seiner 26-jährigen Geschichte nur als Online-Ausgabe. Wer das Magazin herunterlädt, wird um eine Spende gebeten, teilte “Hinz&Kunzt” am Mittwoch mit. Wie beim Straßenverkauf gehen 1,10 Euro an “Hinz&Kunzt”, jeder Cent darüber fließt in den Ende März eingerichteten Corona-Fonds. Kurz zuvor war der Straßenverkauf eingestellt worden, weil die meisten Verkäufer zur Risikogruppe gehören. Alle Spenden, die in den Fonds fließen, sollen unter den Verkäufern aufgeteilt werden. Ziel sei es, jedem der 530 aktiven Verkäufer eine Überlebenshilfe von 100 Euro auszuzahlen. Die Redaktion arbeitet derzeit im Homeoffice. Das Projekt fährt nur einen Notbetrieb. Angeboten wird die Beratung per Telefon und nur in Notfällen vor Ort. (epd)

Info-Sammlung zur Pandemiebewältigung

Die Universitätspsychiatrie Bern (UPD) hat eine Ad hoc Arbeitsgruppe zur Pandemiebewältigung in der psychiatrischen Versorgung und in der Versorgung von Menschen mit Behinderungen gegründet. Über diese Webseite sollen Informationen gesammelt und weiter verbreitet werden. Die Wissenschaftler rufen auf zur Übermittlung von Dokumenten, Links, Forschungsartikeln und anderen relevanten Informationen, die hier eingestellt werden können, um sie der Fachwelt zugänglich zu machen. Gesendet werden können sie an: psych.pandemie@upd.ch


31.März

Wachsende Sorge um Heimbewohner

Schleswig-Holstein hat die Betretungsverbote in Pflegeeinrichtungen, Kliniken und Einrichtungen der Eingliederungshilfe verschärft. Auch andernorts sorgt man sich zunehmend insbesondere um alte Menschen in Pflegeeinrichtungen.   In Niedersachsen war sogar ein Aufnahmestopp verhängt worden.  Danach dürfen Patienten aus Krankenhäusern ebensowenig in die Heime gebracht werden wie aus dem häuslichen Bereich – es sei denn, die Heime können eine strikte 14-tägige Quarantäne garantieren. Hintergrund war das Bekanntwerden von Todesfällen im  Wolfsburger Hanns-Lilje-Pflegeheim. Dort stieg die Zahl an Opfern der Atemwegserkrankung Covid-19 inzwischen auf 18, wie die Diakonie Wolfsburg als Betreiber am Dienstag mitteilte. In der Einrichtung für demenzkranke Menschen haben sich insgesamt 74 Bewohnerinnen und Bewohner mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Insgesamt leben dort zurzeit 145 meist hochbetagte Frauen und Männer. Auch in anderen Altenheimen in Niedersachsen wurde das Coronavirus inzwischen nachgewiesen. In Wildeshausen bei Oldenburg starben inzwischen zwei alte Menschen. In Herzberg bei Göttingen hat sich rund die Hälfte der 36 Bewohner angesteckt. (epd)  

Zeitschriften gratis downloaden

Das Verlagshaus Gruner + Jahr bietet an,  kostenlos und unverbindlich alle digitalen Magazine des Verlags zu lesen. Unter anderem Stern, Geo, Gala, Barbara, Geolino, Chefkoch, Schöner Wohnen uvm. Die Aktion läuft bis zum 30. April:  Informationen.  Auch der Psychiatrie-Verlag ermöglicht Gratisdownloads, und zwar der aktuellen Ausgaben der Psychosozialen Umschau und der Sozialpsychiatrischen Informationen. Hintergrund sind kurzfristige Lieferverzögerungen bei den Printausgaben dieser Zeitschriften.

Notbetreuung für Kinder kranker Eltern gefordert

Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie  (DGPs) hat vor den Auswirkungen der Coronakrise auf die Situation von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Störungen und auf Kinder von psychisch kranken Eltern gewarnt. Eine steigende Zahl an stationären Behandlungseinrichtungen  und therapeutische Wohngruppen schließe und Patienten würden ohne therapeutische Versorgung in teilweise hochbelastete Familien entlassen. Für viele Patienten mit psychischen Erkrankungen seien der Verlust an Tagesstruktur, sozialen Kontakten und dem gewohnten sozialen Umfeld eine große Belastung, welche eine starke Verschlechterung der psychischen Erkrankungen zur Folge haben were, so die Fachgesellschaft, die daher die Öffnung der Notbetreuung in Kitas und Schulen für psychisch erkrankte Kinder und Jugendliche und für Kinder psychisch kranker Eltern fordert. 

30. März

Die Probleme der Behinderteneinrichtungen

„Die Coronakrise verschärft bestehende Problemlagen für viele Menschen mit Behinderungen leider deutlich”, sagte der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Jürgen Dusel gegenüber der Süddeutschen Zeitung.  In den Wohneinrichtungen arbeiteten keine Pflegefachkräfte, sondern hauptsächlich Pädagogen, sagt er. Dieser Umstand habe schon vor der Krise zu Missverständnissen geführt, etwa, weil Krankenhäuser die Menschen für medizinisch gut betreut halten und sich deshalb weigerten, sie aufzunehmen. Dieser Missstand könnte jetzt besonders fatale Konsequenzen haben. Das Personal reiche in dieser besonderen Situation nicht aus, so Dusel. Denn die Mitarbeiter müssten jetzt nicht nur mit dem Coronavirus fertig werden, sondern zusätzlich Menschen betreuen, die sonst den Tag in der Werkstatt verbringen. 

Wegen Corona-Toten: Aufnahmestopp für Pflegeheime

Hannover/Wolfsburg (epd). Das Land Niedersachsen hat mit sofortiger Wirkung einen Aufnahmestopp für alle Pflegeheime verhängt. Patienten aus Krankenhäusern dürfen ebenso wenig in die Heime gebracht werden wie aus dem häuslichen Bereich, unterstrich Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) am Montag in Hannover. Ausnahmen seinen nur dann möglich, wenn das Heim eine strikte 14-tägige Quarantäne garantieren könne. Hintergrund ist die hohe Zahl an Corona-Toten in einem Wolfsburger Pflegeheim. Dort waren in den vergangenen Tagen 17 demenzkranke Senioren infolge der Covid-19-Erkrankung gestorben. 72 von 165 Bewohnern waren mit dem Coronavirus infiziert. Auch in zwei anderen niedersächsischen Alten- und Pflegeheimen gab es Infektionen mit dem Erreger.

Rehakliniken übernehmen Klinikpatienten

Das Niedersächsische Gesundheitsministerium hat am vergangenen Samstag 22 der 78 niedersächsischen Rehakliniken in Niedersachsen angewiesen, ab sofort Patientinnen und Patienten aus regulären Krankenhäusern zu übernehmen, die nicht mit dem Corona-Virus infiziert sind. Grundlage ist das am selben Tag in Kraft getretene COVID-19-Krankenhausentlastungsgesetz des Bundes. Danach können Reha-Einrichtungen unter bestimmten Umständen dazu verpflichtet werden, leichtere stationäre Fälle aus Krankenhäusern zu übernehmen, damit diese sich auf die Aufnahme von COVID-19-Patienten vorbereiten können. Durch die Anordnung konnte das Land rund 2000 zusätzliche Krankenhausbetten schaffen, teilte die Pressestelle des Ministeriums mit.

Psychiatrien machen Platz für Corona-Patienten

Viele der bundesweit mehr als 400 psychiatrischen Fachkliniken bzw. Fachabteilungen legen Stationen zusammen, damit sie Corona-Patienten behandeln können. Wie ein Sprecher des Dachverbands der deutschen Krankenhausträger gegenüber der Berliner Morgenpost erklärte,   erfordere die Krisenlage „nach medizinischer Beurteilung im Einzelfall voll- und teilstationäre Patienten zunächst nicht aufzunehmen oder früher zu entlassen, um Kapazitäten freizumachen“. Zusätzlich würden auch ganze Häuser freigeräumt, um Covid-19-Erkrankte aufzunehmen, die nicht psychisch krank sind, so die Zeitung.

Auswirkung auf Entlassungen: Die Asklepios Klinik Nord Ochsenzoll hat  einem Bericht der Hamburger Morgenpost zufolge eine neue, geschlossene Station für 20 Personen eingerichtet. „Diese Patienten können aktuell nur noch schwer in ihre Heime oder Pflegeeinrichtungen zurückkehren, weil diese aufgrund der Corona-Pandemie die Anzahl ihrer Aufnahmen offensichtlich reduziert haben“, sagte Professor Dr. Claas-Hinrich Lammers, ärztlicher Direktor der Klinik, der Zeitung.  Es seien zwei Stationen zusammengelegt worden, deren Belegung durch die Corona-Krise deutlich heruntergegangen sei – die Belegung sei um 25 Prozent zurückgegangen, weil aktuell einige Patienten aufgrund des Coronavirus ihre Behandlungen verschieben würden.

Kritik an Spekulationen über Steigerung der Suizidrate

Vielfach wird in diesen Tagen vor einem möglichen Anstieg  an psychischen Erkrankungen sowie Suiziden als Folge der Corona-Pandemie gewarnt.  Die Expertinnen und Experten des Nationalen Suizidpräventionsprogramms für Deutschland (NaSPro) warnten jetzt vor „vorschnellen Prognosen“ und verwiesen auf die Vielzahl von Einflussfaktoren im Zusammenhang mit Suizidalität. „Es gibt kein Naturgesetz, wie sich die Suizidzahlen in Zeiten von Krisen entwickeln. Durch ein funktionierendes Gesundheits- und Sozialsystem können Krisen, wie diese, gut aufgefangen werden. Letztlich ist es die Aufgabe der Gesellschaft, einen Rahmen zu schaffen, in dem Menschen in Krisen nicht allein gelassen werden. Die Entwicklung liegt auch in unserer Hand.“ Schädlich hingegen seien „nicht faktenbasierte Spekulationen“: „Alle Vorhersagen, dass durch die Auswirkungen der Corona-Krise und die damit verbundenen wirtschaftlichen Folgen die Suizidrate drastisch steigen wird, entbehren gegenwärtig jeder wissenschaftlichen Grundlage.“


Jena: Isolierstation für infizierte Psychiatrie-Patienten

Auch die Universitätspsychiatrie Jena schaltet auf Notfallbehandlung um. Aktuell wird eine Videosprechstunde eingerichtet.  Dringend psychiatrisch behandlungsbedürftige Patient/innen, welche sich einer Quarantäne unterziehen müssen, müssen derzeit „in Zimmerquarantäne auf Station”, teilte die Klinik auf ihrer Homepage mit. Für psychiatrisch dringend behandlungsbedürftige Patient/innen mit einem positiven Corona-Befund werde aktuell zusammen mit der  Kinder- und Jugendpsychiatrie und der Psychosomatik  eine gemeinsame Isolierstation aufgebaut.

Universitätspsychiatrie richtet Corona-Krisentelefon ein

 Die Ambulanz des Zentrums für Psychotherapie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main stelle fest, dass die Nachrichten über das Coronavirus und die sozialen Einschränkungen Depressionen und Ängste bei Patienten verschärften, sagte der Leiter des Zentrums dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das Zentrum für Psychotherapie bietet daher ab Montag für das Rhein-Main-Gebiet Beratung und therapeutische Kurzinterventionen über ein Corona-Krisentelefon an.  Im Zentrum für Psychotherapie würden die Therapien per Videoübertragung fortgesetzt. 

Die Beratung am Krisentelefon diene zunächst einmal der emotionalen Entlastung, erklärte Stangier. Zu den Zielen gehöre auch, konkrete Anregungen zur Strukturierung des Tages zu geben, die Klienten zu aktivieren, einen sozialen Austausch wiederherzustellen und einen ausgeglicheneren Umgang mit den ungewohnten Lebensbedingungen herzustellen.  

Wichtige Corona-Infos für die Suchthilfe

Von Substitution bis Reha: Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) stellt auf ihrer Webseite ab sofort wichtige Informationen zum Coronavirus für alle Fachkräfte in der Suchthilfe zur Verfügung: https://www.dhs.de/start/startmeldung-single/article/informationen-fuer-fachkraefte-in-der-suchthilfe.html.

26. März

„Aktion Mensch”: 20 Millionen Euro Soforthilfe

Die Hilfsorganisation „Aktion Mensch” legt anlässlich der aktuellen Corona-Krise ein Soforthilfeprogramm in Höhe von 20 Millionen Euro auf – gedacht etwa für Menschen mit Behinderung, deren Assistenzkräfte ausfallen, und auch sozial schlechter gestellte Menschen, die durch die zunehmende Schließung von Tafeln oder anderen Einrichtungen nicht mehr mit Lebensmitteln versorgt werden können. Fördergelder beantragen können freie gemeinnützige Vereine und Einrichtungen. Sie erhalten bis zu 50.000 Euro für Personal-, Honorar- und Sachkosten, wie die „Aktion Mensch” mitteilte.  Die Gelder können ab sofort bei der Organisation beantragt werden. (epd)

Mehr Suizide? – Heinz warnt vor längerer Kontaktsperre

DGPPN-Präsident Andreas Heinz hat vor einem Anstieg der Suizidrate gewarnt, wenn die derzeitige Kontaktsperre länger als zwei bis drei Wochen dauere. „Soziale Isolation ist ein wesentlicher Stressfaktor und kann psychische Störungen verstärken“, sagte  Heinz den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.  Heinz warnte zudem vor wachsendem Alkoholkonsum in der Zeit der Kontaktsperre. “Isolierte Menschen neigen dazu, mehr zu trinken, weil die soziale Kontrolle fehlt – wir wissen, was daraus folgen kann: Die Hälfte aller Gewalttaten in Deutschland geschieht unter Alkoholeinfluss”, sagte Heinz.

Schweiz rechnet mit mehr Zulauf von Akutkranken

Auch die Schweizer Psychiatrie wappnet sich für schwere Zeiten:  „Die Zahl der Notfälle in der Psychiatrie werden massiv ansteigen“, sagte der CEO der Spital Thurgau AG.  Das zeige die aktuelle Situation in Italien und im Tessin.  Leichte Fälle müssten möglicherweise nach Hause geschickt werden, wenn zu viele Akutfälle eintreffen. Es seien traumatisierte und schwer depressive Personen, die erwartet würden, heißt es auf der Seite des Schweizer Radio und Fernsehen (SRF)

Studie zu Pandemie-Auswirkung auf Zwangserkrankung

Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) bitten Menschen mit Zwangsstörungen an einer Befragung teilzunehmen. Mit dieser Befragung soll untersucht werden, wie Menschen mit Zwangsstörungen die Lage der „Corona Krise” einschätzen und welche Auswirkungen die Pandemie auf die aktuelle Symptomatik hat. Verantwortlich ist Prof. Dr. Steffen Moritz, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, UKE-Hamburg. Zur Befragung=>

 Umfangreiche Hilfen für Obdachlose

Hamburg verlängert sein Winternotprogramm zunächst bis Ende Mai und trifft eine Reihe zusätzlicher Schutzmaßnahmen für Obdachlose. Die Versorgung mit warmem Essen sollte heute an verschiedenen Standorten wieder anlaufen, teilte die Sozialbehörde mit. Niedrigschwellige Angebote zur medizinischen Versorgung obdachloser Menschen sollen – unter Schutzkleidung – seitens des Krankenmobils und der Schwerpunktpraxis der Caritas sowie des ArztMobils fortgeführt werden.    In der Notübernachtungseinrichtung Kollaustraße sollen ab sofort erweiterte Öffnungszeiten (15 bis 11 Uhr des Folgetages) gelten. Der Standort Friesenstraße wird nach Ende der Quarantäne (wir berichteten) voraussichtlich ab dem 29. März ebenfalls in diesen Zeiten zur Verfügung stehen. Für obdachlose Frauen solle ein zusätzliches Angebot mit zunächst 50 Plätzen geschaffen werden, um das “Frauenzimmer” in der Hinrichsenstraße zu entlasten, hieß es.  Für die Versorgung mit Essen nehmen neben dem „CaFée mit Herz” und der Bahnhofsmission weitere Angebote  wie die Alimaus in Altona die Essensverteilung wieder auf.  Aktuelle Termine und Öffnungszeiten von Hilfsangeboten für Obdachlose sind folgender Homepage zu entnehmen: https://www.strassenhilfe-hamburg.de/einrichtungen/ 

25. März

Mehr häusliche Gewalt

Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (56, SPD) in der BILD: Wegen der Kontaktverbote gebe es bereits eine „signifikante Zunahme“ von Inobhutnahmen und Betretungsverboten wegen häuslicher Gewalt.

Mehr Gewalt in der Pflege befürchtet

Die Berliner Beratungsstelle „Pflege in Not” bei Gewalt und Konflikten in der Pflege alter Menschen hat ihr Angebot erheblich ausgeweitet. Durch die Corona-Krise und ihre Folgen spitze sich für die pflegenden Angehörigen die Situation zu Hause extrem zu, sagte Leiterin Gabriele Tammen-Parr dem Evangelischen Pressedienst (epd). Grund sei der Wegfall vieler Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige. Deshalb sei die telefonische Beratungszeit verdreifacht worden. Wegen der Krise entfielen die Tagespflege, Gesprächsgruppen für pflegende Angehörige, Betreuungsgruppen für Demenzerkrankte oder die Einzelbetreuung durch Ehrenamtliche, sagte Tammen-Parr. Dadurch seien die Pflegebedürftigen und deren Angehörige zu Hause ganz auf sich gestellt. 

Wenn die Osteuropäerinnen fehlen …

Der Verband für häusliche Betreuung und Pflege (VHBP) rechnet wegen fehlender Pflegekräfte aus Osteuropa damit, dass bis zu 200.000 alte Menschen schon bald nicht mehr versorgt sein könnten. Der Geschäftsführer des Sozialverbands VdK, Frederic Seebohm, sagte dem ARD-Magazin „Report Mainz”: „Wir rechnen damit, dass ab Ostern 100.000 bis 200.000 Menschen schrittweise nicht mehr versorgt sind und dass sie dann in Altenheimen oder Kliniken versorgt werden müssen.” Er forderte eine Passiermöglichkeit für die Betreuungspersonen, damit sie die Grenze nach Deutschland überqueren könnten. Über die Grenzen kommen osteuropäische Helferinnen und Helfer aktuell nur, wenn sie legal vermittelt werden.

Viele osteuropäische Betreuungskräfte verlassen derzeit wegen der Corona-Krise Deutschland, zugleich kommen wenige Osteuropäerinnen als Ersatz nach, wie der Verband erklärte, der nach eigenen Angaben über Vermittlungsagenturen rund ein Drittel der legal in Deutschland tätigen Betreuungspersonen vertritt. Der Kölner Pflegeforscher Michael Isfort sagte dem Magazin, Krankenhäuser bräuchten die Plätze für Erkrankte und die Pflegeheime seien voll, dort könnten “nicht ad hoc Tausende zusätzliche pflegebedürftige Menschen aufgenommen werden”, erklärte der Experte des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung. (Epd)

24. März

Forscher rechnet mit Anstieg psychischer Erkrankungen

Prof. Andreas Meyer-Lindenberg,  Direktor des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim, rechnet mit einem Anstieg von psychischen Erkrankungen in Folge der Corona-Pandemie. Jede Krise führt zu einer vermehrten Belastung und ist damit ein Risikofaktor für die Manifestation von psychischen Erkrankungen. Oft seien die Effekte nicht besonders groß, so Meyer-Lindenberg gegenüber dem Wissenschaftsmagazin spektrum.de,  aber dennoch messbar. So zeigten Studien, für die Forscher die Ersthelfer untersuchten, die nach dem Angriff auf das World Trade Center zur Stelle waren, dass es schon früh nach einer Katastrophe zu einem deutlichen Anstieg von Depressionen und Belastungsredaktionen komme. Nach einem Jahr sei davon in den USA zum Glück nicht mehr so viel zu spüren gewesen.  Manchmal gebe es auch gegenläufige Tendenzen. Zum Beispiel rückten die Menschen in einer Krise oft im übertragenen Sinn zusammen, in manchen Krisen habe  man sogar beobachten können, dass die Suizidrate zeitweilig abgenommen hat. Das vollständige Interview lesen Sie hier.

Psychiater, Psychotherapeutin und Betroffene berichten

Was ist zu tun, wenn Panik und Aggressionen auftreten? Der Psychiater und neue Ärztliche Direktor des Bezirkskrankenhauses AugsburgAlkomiet Hasan gibt in einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen konkrete Tipps. Die Praxis offenhalten? Wie sollen sich Psychotherapeuten verhalten, die selbst teils unter Existenzsorgen leiden und sich um ihre eigene Gesundheit sorgen? Zu Fragen wie diesen nimmt im Ärzteblatt Heike Winter aus Offenbach Stellung. Die Verhaltenstherapeutin ist Präsidentin der Psychotherapeutenkammer Hessen. „Ich bin nicht allein zu Hause, ich habe ja meine Depression“ – unter diesem Titel berichtet die Autorin Kathrin Weßling im ZEIT Magazin wie sich Isolation und das Wegfallen von Alltag auf psychisch kranke Menschen auswirkt. 

Isolations-Kochen für Anfänger

Die Restaurants sind dicht – aber selbst kochen war bislang nicht ihr Ding?  Sternekoch Nelson Müller will unterstützen und bietet einfache Gerichte zum Mitkochen an – mit Zutatenliste, Rezept und Schritt-für-Schritt-Videos. Ab Dienstag, 24. März 2020,  täglich ab 12 Uhr in der ZDFmediathek und bei ZDFbesseresser auf Youtube, und zwar unter dem Titel „Einfach! Täglich! Mitkochen!“ . Jeweils in etwa 20 bis 40 Minuten entsteht ein Gericht.  Müller legt mit Reibekuchen und Apfelmus (mittelschwer) los, es folgt eine leichte Nudelpfanne (ganz einfach).

23. März

Briefe, Bilder und Telefonate gegen Einsamkeit

Die Diakonie-Stiftung MitMenschlichkeit startet in Hamburg eine Briefaktion für Senioren als Zeichen gegen Einsamkeit. Alle Hamburger seien eingeladen, als ein Zeichen der Verbundenheit älteren Menschen einen Brief zu schreiben. Kinder können auch ein Bild malen, wie die Diakonie am Montag mitteilte. Aufmunternd und anteilnehmend könnten Mitbürger erzählen, wie sie mit der Corona-bedingten Isolation umgehen, und gute Wünsche, Gedanken oder Gedichte weitergeben, hieß es. Die Briefe können anonym sein oder mit Absenderadresse. Die Stiftung leite die Briefe an ältere Menschen in Pflegeeinrichtungen der Diakonie in Hamburg weiter. Auch der AWO Landesverband Hamburg startete  eine Hilfsaktion für ältere und hilfsbedürftige Menschen. Freiwillige können sich auf der Website des Landesverbandes unter www.awo-hamburg.de/miteinander registrieren, um isolierten Menschen, die nicht in der digitalen Welt zuhause sind, z.B. mit Telefonpatenschaften zur Seite zu stehen oder für sie einzukaufen.   

Auch Wohlfahrtspflege unterm Rettungsschirm

Das geplante milliardenschwere Hilfspaket der Bundesregierung in der Corona-Krise soll nach Darstellung der Diakonie doch die freie Wohlfahrtspflege einschließen. “Die Signale, die wir am Wochenende aus der Regierung erhalten haben, stimmen uns optimistisch”, erklärte Diakonie-Präsident Ulrich Lilie am Sonntag in Berlin.  Lilie betonte, die Sicherung der diakonischen Einrichtungen sei existenziell für deren Arbeit in der Krise und für die Zeit danach. Gemeinnützige Unternehmen dürften nur sehr begrenzt Rücklagen bilden und seien den wirtschaftlichen Herausforderungen in dieser Zeit stärker ausgesetzt als andere Unternehmen. Er äußerte sich erleichtert darüber, dass sich derzeit abzeichne, die freie Wohlfahrtspflege unter den Rettungsschirm der Bundesregierung zu bekommen. Dies war nach Angaben von Caritas, Diakonie und des Paritätischen Wohlfahrtsverbands zunächst nicht vorgesehen gewesen. 

Und noch mehr Corona-Sozialstudien …

Krisenzeit ist Studienzeit. Die Fachrichtung Psychologie der Universität des Saarlandes will die psychischen und sozialen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie untersuchen. Für die Studie mit dem Titel „Alles anders?“ werden Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesucht, die wöchentlich in Fragebögen dokumentieren, wie sich die Coronakrise auf ihren Alltag und ihr Wohlbefinden auswirkt. Weitere Infos hier. Wie sich das Coronavirus auf soziale Kontakte auswirkt, will die Universität Hildesheim studieren.  Teilnehmen können alle Personen in Deutschland ab 18 Jahren. Mehr hier.

Jetzt im Netz: Die Corona-Diaries

Das ging schnell: Nach dem Aufruf des Medienprojekts Wuppertal an junge Menschen, Kurzfilme als Tagebuch in der Corona-Krise einzusenden, sind diese schon als Web-Serie im Internet zu sehen. Unter dem Titel „Corona Diaries” finden sich zahlreiche Beiträge, in denen  Ereignisse, Gefühle und Gedanken und Wünsche an die Zukunft reflektiert werden.  

20. März

Schreiber & Maack: Depressions-Lesung im Netz

Die Kulturwelt stellt sich um – und das hat auch positive Effekte. Online-Lesungen und Diskussionen sind barrierefrei – wenn die Technik stimmt … Heute Abend lesen im Internet Jasmin Schreiber und Benjamin Maack aus ihren Büchern „Wenn das noch geht, kann es nicht so schlimm sein“ und „Marianengraben“, danach reden der Hamburger Autor und seine Kollegin über das beide Bücher verbindende Thema Depressionen. Achtung: Nur live, danach ist das Video vorbei, es wird nicht konserviert …  Wer es sich leisten kann, wird gebeten, einen „Eintritt” nach Wahl zu stiften, der an die Deutsche Depressionshilfe geht: http://depressionslesung.betterplace.org. Im Chat können auch Fragen gestellt werden.  Heute, 20 Uhr auf: www.twitch.tv/lavievagabonde

 Psychotherapie in Zeiten der Epidemie

Psychisch kranke Menschen brauchen auch während der Corona-Epidemie weiter eine psychotherapeutische Versorgung – viele, insbesondere Angstpatienten, sind gerade jetzt besonders darauf angewiesen! Psychotherapie findet aber in der Regel von Angesicht zu Angesicht statt. Ist dies aktuell überhaupt möglich? „Sicher”, sagt Dr. Dietrich Munz, Präsident der BPtK, in einem von der Kammer verbreiteten Interview. „Insbesondere solange weder Patient*innen noch Psychotherapeut*innen irgendwelche Symptome für Atemwegserkrankungen haben. Dann ist es zwar notwendig, dass ein ausreichender Abstand von ein bis zwei Metern eingehalten, auf das Hände-Schütteln verzichtet, die Husten- und Nies-Etikette beachtet wird und z. B. Türklinken regelmäßig desinfiziert werden. Dies sind die gesundheitlichen Vorsichtmaßnahmen, die jederzeit gelten. Sie ermöglichen aber auch, weiter Patient*innen in der Praxis zu sehen, zu beraten und zu behandeln.“  Das gesamte Interview rund um Psychotherapie in Zeiten der Corona-Krise lesen sie hier.

Altenhilfe: Personalmangel spitzt sich zu

Derweil spitzt sich der Personalmangel in den Alten- und Pflegeheimen zu. Zur Entlastung werden Qualitätsprüfungen ausgesetzt. Der Pflege-Tüv, die regelmäßigen Qualitätsprüfungen durch den Medizinischen Dienst der Kassen, wird ebenso ausgesetzt wie die gesetzlich vorgeschriebenen Mindest-Personalschlüssel und die Fachkraftquoten. Pflegegeldempfängern sollen vorerst bis Ende September keine kontrollierenden Hausbesuche mehr erhalten. Auch die Pflegedienste würden vorerst nicht mehr regelmäßig kon­trolliert, sagte Gernot Kiefer, Vizevorsitzender des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen (GKV), dem Hamburger Abendblatt. Pflegekräfte in Tagespflegeeinrichtungen würden auch weiter finanziert, wenn die Einrichtungen geschlossen werden, damit diese Pflegekräfte dann in Heimen eingesetzt werden können.  

Corona und die Obdachlosen

Vieles bewegt sich plötzlich ganz schnell: In Hamburg heben die Wasserwerke  Sperren auf, die Saga stoppt Mieterhöhung und Zwangsräumungen, die Justiz setzt Ersatz-Freiheitstrafen aus. Auf der anderen Seite wird aus Gründen des Infektionsschutzes vieles an Hilfen eingestellt, das städtische Leben kommt mehr und mehr zum erliegen.  Fast alle Organisationen der Obdachlosenhilfe  haben ihre Dienste vorübergehend eingestellt oder reduziert. Beispiel CaFée mit Herz auf St. Pauli:  Der Verein  hat das Café geschlossen, reicht aber ein warmes Mittagessen  aus einem Fenster. Hunderte nutzten dies.

Die Unterkunft von Fördern & Wohnen an der Friesenstraße, die regulär für rund 300 wohnungslose Menschen Winter-Schlafplätze bietet, gleicht einer Quarantänestation, seitdem ein Nutzer positiv auf das Virus getestet wurde. Er wurde separiert. Die übrigen Bewohner sollen auch getestet werden und wohnen dort jetzt Tag und Nacht zusammen, darunter viele Suchtkranke, berichtete das Abendblatt. „Hinz&Kunzt“-Geschäftsführer Jörn Sturm forderte dort „eine professionelle Corona-Koordinierungsstelle“ und die Nutzung leer stehender Hotels als Quartiere für Obdachlose. Aktuelle Infos bietet das Obdachlosenmagzin Hinz & Kunzt, das seine Printausgabe einstellte und die redaktionelle Tätigkeit ganz auf das Internet verlagerte.  https://www.hinzundkunzt.de

19. März

Ein Psychiater über die Corona-Angst

Ist das durch die aktuelle Situation entstehende Angsterleben für Menschen mit psychischen Beschwerden noch schlimmer? fragte die taz den Berliner Psychiater Jan Kalbitzer. Das sei sehr unterschiedlich, so seine Antwort. „Von meinen Patienten, die schon vorher unter starken Ängsten gelitten haben, werden manche deutlich ruhiger, jetzt, wo der Shutdown tatsächlich da ist.“ 

Daneben könne diese Zeit für Menschen, die unter psychischen Beschwerden leiden,  insofern besonders belastend sein, weil es schwieriger ist, sich von bestehenden psychischen Störungen abzulenken. Zu den wichtigen Faktoren, die jetzt wegfallen oder wegfallen könnten, gehörten die strukturierende Funktion von Arbeit oder soziale Kontakte und Bewegung.

Kalibitzers Tipp: Den Tag gut strukturieren. In Kontakt mit anderen über digitale Medien bleiben, vielleicht sogar etwas mit der Hausgemeinschaft organisieren: „Sie könnten beispielsweise sagen: In unserem Haus gehen wir alle um acht Uhr auf den Balkon und grüßen uns.“ Er selbst biete jetzt psychiatrische Sprechstunden und auch Psychotherapie per Video an und findet es sehr sinnvoll, auf andere Menschen zuzugehen, „von denen wir wissen, dass sie unter Krisen leiden.“ Das vollständige Interview lesen Sie hier

„Nach etwa vier Wochen lässt die Aufmerksamkeit nach”

Der Angstforscher Borwin Bandelow riet indes gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd) zu Gelassenheit: „Das ist jetzt leider eine Angst, die man gewissermaßen aushalten muss”, sagte Bandelow in Göttingen. Auch wenn sich schlimmere Meldungen in den kommenden Tagen verstärkten, gewöhnten sich die Menschen nach einiger Zeit an die neue Situation: “Und dann werden wir einen in Anführungsstrichen normalen Umgang mit der Angst führen.”

Nach und nach arrangierten sich die Menschen trotz Einschränkungen mit der Situation. Ähnliches sei in Städten wie Kabul und Johannesburg sowie in Regionen zu beobachten, “in denen tagtäglich etwas Schreckliches passiert”. Bei Vorfällen wie einem Terroranschlag oder der Atomreaktor-Katastrophe von Fukushima gebe es die Regel, dass nach etwa vier Wochen die mediale und gesellschaftliche Aufmerksamkeit trotz weiterhin bestehender Gefahren nachlasse, sagte der Professor für Psychiatrie und Psychotherapie an der Uni Göttingen. Diese Regel greife jedoch erst ab dem Höhepunkt einer Krise – und diese wird aus Sicht von Bandelow erst in vielen Tagen oder Wochen erreicht sein.

Viele Menschen könnten, wenn sie unter häusliche Quarantäne gestellt seien, durch die soziale Isolierung einen “Corona-Koller” bekommen, sagte Bandelow. “Man kann dagegen über soziale Medien Kontakt halten oder auch mit Video-Telefonie, damit man Angehörige und Freunde auch weiterhin sehen kann.” Er empfahl Betroffenen, im Garten oder auf dem Balkon zu arbeiten, spazieren zu gehen und in der Sonne zu liegen. “Aber man kann natürlich keine Partys mehr feiern.”

Der Forscher riet auch bei der Sorge um andere zu mehr Gelassenheit. “Ich rechne mir dann immer ganz rational vor, wie gering trotz allem die Wahrscheinlichkeit ist, daran zu sterben.” Im Vergleich dazu stürben jedes Jahr 15.000 Menschen in Deutschland an Krankenhaus-Keimen.

Der 68-Jährige selbst hat sich inzwischen als Helfer in einem Corona-Untersuchungszentrum gemeldet. Er habe ein Grundvertrauen, die Erkrankung zu überstehen, falls er sich selbst damit infizieren sollte. 

Epd / Gunnar Müller

Mehr Begleitung statt Werkstattarbeit   

 Die Schließung der Behindertenwerkstätten in Nordrhein-Westfalen stellt viele Träger vor große Herausforderungen. Es werde daran gearbeitet, die Mitarbeitenden aus den Werkstätten nun verstärkt bei den Menschen in den Heimen und Wohngruppen einzusetzen, sagte die Geschäftsführerin des für die Behindertenhilfe zuständigen Stiftungsbereichs Bethel.regional, Ursula Veh-Weingarten, am Mittwoch in Dortmund dem Evangelischen Pressedienst (epd). Auch andere Mitarbeitende stellten sich darauf ein, Menschen mit Behinderungen vor Ort zu beschäftigen. Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, sind in Nordrhein-Westfalen seit Mittwoch auch alle Behindertenwerkstätten geschlossen. 

Erschwerend seien in der Situation massive Einbrüche beim Personal, weil etwa Urlaubsrückkehrer oft eine 14-tägige Quarantäne einhalten müssten, erklärte Veh-Weingarten. Es herrsche jedoch eine große Solidarität unter den Mitarbeitenden und eine große Bereitschaft, damit es so wenig wie möglich zu Beeinträchtigungen komme. Für den Bereich der Behindertenhilfe der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel werde nötigenfalls zusätzliches Personal gewonnen, etwa durch Umschichtungen oder durch Schülerinnen des Berufskollegs Bethel. 

Die Einschränkungen etwa der Bewegungsfreiheit oder des Besuchs werden laut Veh-Weingarten von den behinderten Menschen unterschiedlich wahrgenommen. Bei Menschen mit einer psychischen Erkrankung könne man im Gespräch vieles klären. Sie hörten Nachrichten und könnten vieles einordnen. Viele hätten Ängste, wie es weitergehe. “Es gibt aber auch viele, die überhaupt nicht nachvollziehen können, warum der Besuch nicht mehr kommt, oder jemand, der sonst Nachmittagsangebote gemacht hat.” Solche Fragen und Sorgen versuchten die Mitarbeitenden aufzufangen. Sie hätten die Erfahrung und einen “Methodenkoffer”, wie sie bestimmte Phänomene Menschen erklären könnten.   epd/Holger Spierig

Paritätischer warnt vor Sozial-Insolvenzen

Der Paritätische Wohlfahrtsverband fordert angesichts der Coronakrise sofortige Finanzhilfen für gemeinnützige Einrichtungen und Anbieter sozialer Dienstleistungen. Es sei eine Welle von Insolvenzen im gemeinnützigen Sektor zu befürchten, wenn nicht frühzeitig staatliche Hilfen gewährt werden, warnte der Verband am Mittwoch in Berlin. Gemeinnützige Träger dürften anders als kommerzielle Anbieter kaum Risikorücklagen bilden.

“Alles, was hereinkommt, muss auch wieder für den guten Zweck ausgegeben werden”, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Ulrich Schneider. “Auf möglicherweise längere Schließungen oder Ausfallzeiten können gemeinnützige Einrichtungen strukturell nicht vorbereitet sein.” Kredite seien daher in vielen Fällen kein geeignetes Instrument zur Unterstützung, da sie letztlich zu einer Überschuldung und damit ebenfalls zum Konkurs der Einrichtungen führen könnten.

Die öffentliche Finanzierung für die Einrichtungen und Dienste müsse in den nächsten Wochen weiterlaufen, unabhängig von Ausfällen oder temporären Schließungen. “Wenn jetzt nicht gegengesteuert wird, wird gewachsene soziale Infrastruktur zerstört”, sagte Schneider. Betroffen sei das gesamte Spektrum sozialer Arbeit: Werkstätten für Menschen mit Behinderung, Kindergärten, Beratungsstellen aller Art, Rehabilitationseinrichtungen wie etwa Kur- und Erholungseinrichtungen bis hin zu Jugendzentren, Altenclubs, Begegnungsstätten und sogar Pflegeeinrichtungen. (rd)

18. März

Kiel legt psychosomatische Kuren auf Eis

In Schleswig-Holstein werden derzeit Schwerpunkt-Versorgungsstrukturen für Covid-19-Patientinnen und Patienten aufgebaut, die eine stationäre Versorgung benötigen. Bisher sind dem Ministerium 8 erkrankte Personen aus Schleswig-Holstein gemeldet, die stationär behandelt werden.  Um weitere Kapazitäten zu schaffen, hat das Land erlassen, dass  Vorsorge- und Reha-Einrichtungen keine neuen Patientinnen und Patienten mehr aufnehmen dürfen. Nur Maßnahmen bzw. Kuren, die bis zum 16. März begonnen worden sind, dürfen zu Ende durchgeführt werden. Davon ausgenommen sind Leistungen der Anschlussheilbehandlung, die vorrangig für  Patienten aus Schleswig-Holstein und Hamburg zu erbringen seien. Die Regelungen gelten auch für psychosomatische Reha-Kliniken. Vollständiger Erlass: www.schleswig-holstein.de (rd)

Aufruf an Pflegekräfte, die aktuell nicht arbeiten

Die Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein hat zudem einen Aufruf an Angehörige der Pflegeberufe gestartet, die derzeit nicht in ihrem Beruf arbeiten. Sie können sich vorsorglich registrieren, um im Bedarfsfall tätig zu werden. Weitere Info: https://www.pflegeberufekammer-sh.de/aktuelles.html (rd)

Studie untersucht psychische Reaktionen auf Corona

Verunsicherung, Krankheitssorgen,  „Hamsterkäufe“, vermehrte Mediennutzung oder Cyberchondrie (vermehrte Krankheitsängste infolge von Informationen aus dem Internet) – diese und weitere mögliche psychische Reaktionen und Verhaltensänderungen der Menschen infolge der Coronavirus-Pandemie wollen Forscher der Universität Mainz im Rahmen einer Studie untersuchen. Zudem soll geprüft werden, ob bestimmte Persönlichkeitsmerkmale, beispielsweise Ängstlichkeit, in Verbindung gebracht werden können mit der Mediennutzung und den Sorgen und Verhaltensänderungen infolge der Coronavirus-Pandemie. Zudem soll geprüft werden, inwieweit Persönlichkeitsmerkmale wie Ängstlichkeit, in Verbindung gebracht werden können mit entsprechenden Verhaltensänderungen. Angesiedelt ist die Studie an der Abteilung Klinische Psychologie, Psychotherapie und Experimentelle Psychopathologie. Die Bearbeitungsdauer für Teilnehmer beträgt ca. 20 Minuten. Eine Teilnahme ist für alle ab 16 Jahren möglich. Als Aufwandsentschädigung werden Einkaufsgutscheine verlost. Die Studie ist über den Link https://www.soscisurvey.de/COVID19/ zu erreichen. (rd)

„Corona Diaries – Junge Filme gegen den Untergang“ 

Das Medienprojekt Wuppertal sucht junge Menschen aus Wuppertal und Umgebung, die während der Corona-Krise mit der Kamera die Ereignisse in ihrem eigenen Leben, in ihrer Familie und in ihrem Umfeld dokumentieren und ihre Gefühle und Gedanken reflektieren. So soll ein digitales Tagebuch der Krise aus junger Perspektive entstehen. Als Fragen in den Raum gestellt werden dafür: Welche Geschichten ereignen sich unter diesen außergewöhnlichen Umständen? Was macht das mit ihnen und den Menschen in ihrer Umgebung? Welche Probleme entstehen und was sind die positiven Seiten der Krise, wie z. B. solidarisches Verhalten, neue Freundschaften, Besinnung auf andere Werte oder gänzlich unerwartete Geschichten? (rd)