„Es ist immer in meinem Kopf“

Albrecht Weinberg und seine Freundin Gerda Dänekas. Foto: mindjazz pictures

Kaum zu fassen, was er erlebt hat, was er überlebt hat, was ihn über 100 werden ließ: Albrecht Weinberg überlebte das KZ Auschwitz und drei Todesmärsche – viele Familienmitglieder inklusive der Eltern wurden von den Nazis ermordet. Nach über 40 Jahren im New Yorker Exil kehrte er in das Land der Täter zurück und kämpfte mit Auftritten vor Schulklassen und bei Veranstaltungen gegen das Vergessen der Verbrechen. Und die Kamera begleitete ihn, den letzten Juden aus Leer, in seiner letzten Lebenszeit.


„Ein meisterhafter Film über eine Rückkehr ins Land der Täter“, urteilte Der Spiegel über „Albrecht Weinberg – Es ist immer in meinem Kopf“. Das Regie-Team Güner Yasemin Balci und Jesco Denzel kommt dem Mann und seinen Emotionen und auch seinen Tränen sehr nahe.


Albrecht Weinberg wuchs als Sohn eines Schlachters in einer jüdischen Familie im ostfriesischen Rhauderfehn auf. Die Familie musste bereits 1936 vom Land in die nächstgrößere Stadt Leer ziehen, weil die Kinder nicht mehr die reguläre Schule besuchen durften. Nach den Novemberpogromen wurden die Kinder aufs Land geschickt, um sie auf eine Auswanderung nach Palästina vorzubereiten, was dann nicht mehr gelang.


1943 beginnen die Jahre des Grauens, die die Filmemacher mit klugen Einstellungen an Originalorten des Geschehens einfangen, zu denen sie mit dem Protagonisten reisen, der im Hintergrund von dem Unfassbaren berichtet, das er fast verhungert überlebt – „Wir wurden reduziert zu einem Tier“.


1947 verlässt er Deutschland gemeinsam mit seiner überlebenden Schwester Friedel. Beide heirateten nie und lebten mehr als 60 Jahre in New York. Als die Schwester einen Schlaganfall erleidet, kehren beide nach Leer zurück. Friedel stirbt schon 2012. Aber in ihrem Heim beginnt für den fast blinden alten Mann ein rührend anzusehendes neues Leben an der Seite von Gerda Dänekas. Die Pflegerin wird seine Betreuerin, Freundin und Mitbewohnerin, die ihm die Hand hält – für sie auch eine Form der Wiedergutmachung im Namen der Deutschen.

Albrecht Weinberg starb am 12. Mai 2026 im Alter von 101 Jahren. Vergessen wird er nicht. Auch dank Gerda, die nun nicht mehr mit Albrecht, aber mit seinem Film durch Deutschland reist. Anke Hinrichs

„Es ist immer in meinem Kopf, Kinostart: 10. September, weitere Informationen und Termine mit Gästen.