Rumoren in der Hamburger Suchthilfeszene: Gleich an drei Stellen soll die Sparschraube angesetzt werden, was zu Schließungen führt: Beim Malteser-Nordlicht – einer Wohnstätte für obdachlose, drogenabhängige Männer – , bei der Palette Altona sowie bei der Hamburgischen Landesstelle für Suchtfragen (HLS).
Die mehr als 30 Jahre alte Wohnstätte “Malteser Nordlicht” in Bahrenfeld bekommt für nächstes Jahr keine Förderung mehr, bislang flossen jährlich 1,1 Millionen Euro dorthin. Eine aktuell nötige Renovierung will die Sozialbehörde aber nicht zahlen. Jetzt muss für 26 Männer eine neue Unterkunft gefunden werden. Sie fanden bei den Maltesern nicht nur einen Schlafplatz in Zweibettzimmern, sondern auch Betreuung rund um die Uhr. Von Sparkurs wolle die Behörde aber nicht sprechen, so Behördensprecher Wolfgang Arnhold gegenüber dem NDR: Im vergangenen Haushalt seien rund 48 Millionen Euro in die Suchthilfe investiert worden, für den kommenden – noch nicht von der Bürgerschaft beschlossenen Doppelhaushalt – seien rund 52 Millionen Euro eingeplant.
Altonaer Sozialauschuss fordert einstimmig, Palette-Standort zu erhalten
Widerstand vom Bezirk gibt es gegen eine Schließung der Anlaufstelle der „Palette“ in der Stresemannstraße. Sie wird seit sechs Jahren v.a. von Crack-Abhängigen genutzt, nach Angaben der Einrichtung kommen täglich 40 bis 70 Menschen. Hier betont die Behörde, es sei von Anfang an eine Übergangslösung gewesen und weist auf eine neue Tagesaufenthaltsstätte nebenan. Allerdings darf hier nicht konsumiert werden. Crack-Konsumenten sollen laut Behörde auf die „spezialisierten Suchthilfeangebote“ Stay Alive und Drob Inn wechseln. Beide seien aber ausgelastet, protestierte die Bezirkspolitik. Der Altonaer Sozialausschuss forderte nach NDR-Angaben einstimmig, die Palette zu erhalten.
HLS verliert hauptamtliche Geschäftsstelle
Auch der Verein Hamburgische Landesstelle (HLS) für Suchtfragen protestiert: Er soll ab 2027 keine institutionelle Förderung mehr erhalten. Damit verliert die Landesstelle ihre hauptamtliche Geschäftsstelle. Als Ergebnis sei „eine erhebliche Schwächung ihrer Rolle als unabhängige Interessenvertretung der Hamburger Suchthilfe“ zu befürchten, heißt es in einem Statement auf der Website der HLS. Die bislang zuwendungsfinanzierten „operativen Aufgaben“ sollen künftig von der Fachstelle für Suchtfragen Sucht.Hamburg gGmbH übernommen werden.
Die HLS bildet als eingetragener Verein seit 1949 die Dachorganisation und Interessenvertretung von Organisationen und Einrichtungen der Suchthilfe – heute sind es 38. Sie organisiert fachlichen Austausch und soll gemeinsame Positionen gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit vertreten. Was zuletzt etwas auf der Strecke blieb, da sich Geschäftsstelle und Vorstand „über Monate mit Verhandlungen, Anträgen und der organisatorischen Zukunft der eigenen Struktur beschäftigen“ mussten, so Geschäftsführerin Sarah Kessler.
Bislang erhält die HLS jährlich 49.500 Euro institutionelle Förderung. Das reichte ohnehin nicht. Für „eine auskömmliche Finanzierung“ wären nach Berechnungen der Landesstelle rund 70.000 Euro erforderlich. (hin)
