Die unabhängige Aufarbeitungskommission will gezielt Menschen mit Behinderungen ansprechen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben. Sie sollen mit einer neuen Kampagne ermutigt werden, ihre Geschichte zu erzählen.
Die unabhängige Kommission des Bundes zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs will mehr betroffene Menschen mit Behinderungen erreichen. Sie startet dazu an diesem Montag eine Kampagne unter dem Motto „Offen für deine Geschichte“. Verschiedene Anzeigenmotive und Videos sollen Personen ansprechen, die in ihrer Kindheit oder Jugend sexualisierte Gewalt erlitten haben. Sie können der Kommission ihre Erlebnisse schildern.
In den Videos berichten Menschen mit Behinderung von ihren Erfahrungen. Dargestellt werden verschiedene Kontexte, etwa Schule oder Krankenhaus. So erzählt ein junger Mann von ungewollten Berührungen während der Physiotherapie. „Ich habe lange geschwiegen“, sagt er. „Irgendwann habe ich mich geöffnet. Seitdem ist manches leichter.“ Eine junge Frau bezeichnet es in einem weiteren Video als „befreiend“, ihre Geschichte über Missbrauch im häuslichen Umfeld erzählt zu haben.
Kommission: Täter nutzen Macht aus
„Kinder und Jugendliche mit Behinderungen sind besonders gefährdet für sexuellen Missbrauch“, erklärte die Vorsitzende der Aufarbeitungskommission, Julia Gebrande. Weil sie oft auf Unterstützung angewiesen seien, entstehe „ein ungleiches Machtverhältnis, das von Tätern leicht ausgenutzt werden kann“. Gleichzeitig gebe es zu wenige konkrete Schutz- und Hilfsmaßnahmen – „das wollen wir ändern“, erklärte Gebrande.
Auch Zeitzeuginnen und -zeugen sollen mit der Kampagne ermutigt werden, sich an die Kommission zu wenden. Dies betrifft etwa Mitarbeitende in Einrichtungen der Eingliederungshilfe, die von Übergriffen berichten können, wie die Kommission erläuterte.
epd
Informationen zur Kampagne: https://s.epd.de/3yuv Videos auf Youtube: https://s.epd.de/3yt2

Das Plakatmotiv soll motivieren, über das Geschehen zu sprechen, um sich zu entlasten. Foto: Plakatmotiv/Aufarbeitungskommission