Psychedelika: Bei wem es helfen
kann – und bei wem nicht

In Zürich wird die Psilocybin-unterstützte Therapie mit Patienten, die an einer nicht ausreichend behandelbaren schweren Depression leiden, im Rahmen eines stationären Aufenthalts und von Psychotherapie flankiert durchgeführt. Dafür muss eine Ausnahmebewilligung beantragt werden. Foto: „Psychiatrische Universitätsklinik Zürich“

Die Therapie mit psychedelischen Substanzen wie Psilocybin oder LSD gilt vielen Forschenden als Hoffnungsträger in der Psychiatrie – insbesondere bei schweren Depressionen, Angststörungen oder Suchterkrankungen. Doch nicht alle Patientinnen und Patienten profitieren von der Behandlung. Manche erleben die Therapie sogar als belastend oder verschlechtern sich danach psychisch. Eine neue Studie der Charité – Universitätsmedizin Berlin hat nun erstmals weltweit Erfahrungen von Therapeutinnen und Therapeuten ausgewertet, um besser einschätzen zu können, für wen psychedelisch unterstützte Therapien geeignet sind – und für wen eher nicht.

Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Nature Mental Health veröffentlicht. Geleitet wurde die Untersuchung von Felix Betzler, Leiter der Arbeitsgruppe Recreational Drugs an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité.

Zwei ähnliche Fälle – zwei völlig unterschiedliche Verläufe

Im Mittelpunkt der Forschung steht die Frage, warum manche Menschen stark von einer Behandlung mit Psilocybin oder LSD profitieren, während andere kaum oder gar nicht darauf ansprechen.

Die Studie beschreibt dazu beispielhaft zwei Frauen mit ähnlicher Krankengeschichte: Beide litten seit Jahren unter schweren Depressionen und hatten auf klassische Medikamente und Psychotherapie nicht ausreichend reagiert. Während eine Patientin nach einer begleiteten Psilocybin-Sitzung eine deutliche Besserung erlebte und ihre Depression nach wenigen Wochen vollständig zurückging, empfand die andere die Erfahrung als belastend und entwickelte anschließend noch stärkere Hoffnungslosigkeit.

„Die Therapie mit Psychedelika ist eine scharfe Klinge“, sagt Betzler. „Es ist deshalb wichtig zu wissen, wann sie eingesetzt werden sollte – und wann nicht.“

Welche Faktoren den Therapieerfolg beeinflussen

Um mögliche Ursachen für diese unterschiedlichen Verläufe zu identifizieren, befragte das Forschungsteam gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Deutschland, England, Frankreich und den USA insgesamt 158 Therapeutinnen und Therapeuten weltweit. Erfasst wurden unter anderem Persönlichkeitsmerkmale der Patientinnen und Patienten, deren soziale Situation, Erkrankungsschwere sowie Rahmenbedingungen der Therapie.

Die Auswertung zeigt: Bestimmte Voraussetzungen erhöhen offenbar die Wahrscheinlichkeit eines positiven Therapieerfolgs. Dazu zählen ein stabiles soziales Umfeld, Unterstützung durch Familie oder Freunde sowie Persönlichkeitsmerkmale wie Offenheit für neue Erfahrungen, die Fähigkeit zur Akzeptanz und ein grundsätzliches Vertrauensvermögen. Auch Erfahrungen mit Meditation oder anderen bewusstseinsverändernden Techniken könnten hilfreich sein.

Negativ bewertet wurden dagegen regelmäßiger Konsum anderer Substanzen wie Alkohol, Kokain, Cannabis oder Amphetamine. Zudem sehen viele Therapeutinnen und Therapeuten Risiken bei bestimmten Persönlichkeitstypen, etwa paranoiden oder schizotypen Persönlichkeiten.

Therapie nur unter professioneller Begleitung

Nach Einschätzung der Forschenden spielt außerdem das therapeutische Umfeld eine entscheidende Rolle. Psychedelisch unterstützte Therapien müssten sorgfältig vorbereitet, professionell begleitet und intensiv nachbesprochen werden. Die Autorinnen und Autoren raten deshalb dazu, solche Behandlungen ausschließlich in spezialisierten Zentren und im Rahmen klinischer Studien durchführen zu lassen.

Auffällig war zudem ein Unterschied zwischen legalen und nicht regulierten Behandlungssettings: Therapeutinnen und Therapeuten, die außerhalb klinischer Studien arbeiteten, bewerteten die Erfolgschancen insgesamt deutlich optimistischer – selbst bei schwer belasteten Patientinnen und Patienten oder nach negativen Vorerfahrungen.

Ziel: Präzisere Psychiatrie

Langfristig könnte aus den gewonnenen Daten ein digitales Prognose-Tool entstehen. Dieses soll künftig dabei helfen, die Erfolgsaussichten psychedelisch unterstützter Therapien besser einzuschätzen und Risiken frühzeitig zu erkennen. Die Forschenden sehen darin einen weiteren Schritt hin zu einer präziseren und individuelleren Psychiatrie. (rd)

(*Viljoen G et al. Therapist-rated predictors of response to psychedelic-assisted therapy. Nat. Mental Health 2026 Apr 29. doi: 10.1038/s44220-026-00642-4)