Gewalt vorbeugen – durch
bessere Behandlung!

Die Veranstaltung endete mit einer bunt gemischten Podiumsdiskussion. Foto: Claudia Burger/DGPPN

Wie lassen sich Gewalttaten durch Menschen mit psychischen Erkrankungen wirksam verhindern? Beim DGPPN-Hauptstadtsymposium 2026 in Berlin diskutierten Expertinnen und Experten aus Politik, Wissenschaft und Praxis über aktuelle Forschungsergebnisse und konkrete Präventionsstrategien. Im Mittelpunkt standen evidenzbasierte Erkenntnisse, der Ausbau passgenauer Versorgungsangebote und eine bessere Zusammenarbeit von Gesundheits-, Sozial- und Sicherheitsbehörden.


Das Interesse war groß. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) nahmen rund 130 Personen vor Ort teil. Zusätzlich verfolgten knapp 400 weitere Teilnehmende die Veranstaltung im Livestream. Unter ihnen waren Vertreterinnen und Vertreter aus Bundes- und Landespolitik, Fachgesellschaften und Berufsverbänden sowie zahlreiche Fachleute aus Kliniken, Gesundheitsämtern, Maßregelvollzugseinrichtungen und Sozialpsychiatrischen Diensten.

Die breite Resonanz zeige den hohen Bedarf an fachlichem Austausch zu einem Thema, das in der öffentlichen Diskussion häufig stark präsent ist. Die DGPPN beschäftigt sich bereits seit längerem intensiv mit Fragen der Gewaltprävention und veröffentlichte im Sommer 2025 ein Positionspapier zur Prävention von Gewalttaten.

Evidenz statt Furcht

Den Auftakt des Symposiums bildete ein Vortrag von Prof. Dr. Ute Habel, Aggressionsforscherin und Mitautorin des DGPPN-Positionspapiers. Sie stellte die wissenschaftliche Datenlage zum Zusammenhang zwischen Gewalt und psychischen Erkrankungen vor. Demnach gibt es bei bestimmten Patientinnen und Patienten mit psychischen Störungen ein etwas erhöhtes Risiko für Gewalttaten oder Gewalterfahrungen. Dies betrifft insbesondere Menschen mit Schizophrenien und anderen Psychosen, mit Substanzkonsumstörungen oder mit schweren Persönlichkeitsstörungen. Gleichzeitig betonte Habel, dass die große Mehrheit der Betroffenen nicht gewalttätig ist. Das Risiko kann jedoch steigen, wenn Alkohol oder Drogen konsumiert werden. Es sinkt dagegen deutlich, wenn psychische Erkrankungen angemessen behandelt werden. Konsequente Therapie ist daher ein zentraler Baustein der Gewaltprävention.

Empfehlungen für eine bessere Versorgung

Wie Prävention gelingen kann, zeigt die DGPPN in ihrem jüngst veröffentlichten Papier „Versorgung stärken, Gewalt verhindern“ auf. Die Präsidentin der DGPPN, Prof. Euphrosyne Gouzoulis-Mayfrank, stellte beim Symposium zentrale Empfehlungen vor.

Der Schwerpunkt liegt auf Prävention, passgenauen Behandlungsangeboten und der Förderung gesellschaftlicher Teilhabe für Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen. Zugleich müsse eine Balance gefunden werden zwischen dem Schutzbedürfnis der Gesellschaft und den Persönlichkeitsrechten psychisch erkrankter Menschen. Nachhaltige Gewaltprävention, so Gouzoulis-Mayfrank, gelinge durch Behandlung und Teilhabe – nicht durch einseitige sicherheitspolitische Verschärfungen.

Erfolgreiche Präventionsmodelle

Im Rahmen des Symposiums wurden mehrere bereits erprobte Präventionsansätze vorgestellt. Dazu zählen integrierte und aufsuchende Versorgungsmodelle wie das Hamburger Modell „Preventive Assertive Community Treatment (pACT)“ sowie das Projekt SAFE. Auch die Bayerischen Präventionsstellen wurden als Vorbild präsentiert. Ein weiteres Beispiel, das vorgestellt wurde, stellte das Schweizer Modell forensisch-psychiatrischer Fachstellen bei Polizeibehörden dar.

Verantwortung gemeinsam tragen

In der abschließenden Podiumsdiskussion diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Betroffenen- und Angehörigenperspektive, aus Gesundheitsverwaltung, Politik und Versorgungspraxis über notwendige Schritte für eine bessere Prävention.

Zum Abschluss des Symposiums betonte DGPPN-Präsidentin Gouzoulis-Mayfrank die Bedeutung des offenen Austauschs zwischen allen Beteiligten. Gewaltprävention müsse sich stets daran orientieren, Risiken durch gute Behandlung und soziale Integration zu senken. (rd/PM)

Mehr sowie link zum nachstreamen unter www.dgppn.de

(Einen ausführlicheren Eigenbericht lesen Sie in der nächsten Printausgabe EPPENDORFER 3/26, die Anfang Mai erscheint.)