Trauern, aber kunstvoll!

„Woman crying" heißt dieses Werk von Anne Collier.

Rund 30 internationale Künstler*innen der Gegenwart beschäftigen sich in der groß angelegten Ausstellung TRAUERN der Hamburger Kunsthalle mit dem Thema Verlust.   Die sich über zwei Stockwerke der Galerie der Gegenwart erstreckende Ausstellung umfasst Gemälde, Skulpturen, Fotografien, Videos, Dia- und Klanginstallationen. Zur Eröffnung am 5. Februar (Beginn 19 Uhr) spielt ab 22 Uhr die Depri Disko des Molotow schönste, melancholischste Songs der Welt.  

Die Ausstellung spannt nach Angaben der Kunsthalle „einen großen Bogen“ von den Miniatur-Särgen Kudjoe Affutus (*1985) aus Ghana bis hin zu Andy Warhols (1928–1987) ikonischem Porträt Jackie von 1964.  Von besonderer Aktualität ist  die Werkserie von bearbeiteten Fotografien aus dem Syrien-Krieg von Khaled Barakeh (*1976), die das jahrhundertealte Bildmotiv der Pietà (italienisch für Frömmigkeit, Mitleid) aufgreift. Eine speziell für die Ausstellung entstandene  Klanginstallation der schottischen Turner-Prize-Trägerin Susan Philipsz (*1965) lässt im Lichthof der Galerie der Gegenwart die alte Tradition des Wehklagens (engl. keening) aufleben. 

Weiter im Angebot: Der Japaner Seiichi Furuya (*1950) webt persönliche Verlusterfahrung (den Suizid seiner Frau) und den Abgesang auf eine politische Gesellschaftsstruktur (DDR) ineinander. In eindrucksvollen Bildern verbindet die international renommierte Künstlerin Maria Lassnig (1919–2014) den persönlichen Verlust ihrer Mutter mit einer grundlegenden Infragestellung ihrer künstlerischen Schaffenskraft.  Eindrucksvolle, großformatigen Fotografien der amerikanischen Künstlerin Anne Collier (*1970) sind auf der Grundlage von Comics aus den 1950/60er Jahren entstanden und „entblößen die mediale Umsetzung einer weinenden, jungen und schönen Frau als kühle Konvention und geschlechtsspezifisches Rollenbild“, so die Ankündigung.

„Die versammelten Werke vermitteln in ihrer Vielsprachigkeit eine Ahnung davon, wie mannigfaltig die Formen von Trauer sein können“, umschreibt es die Kunsthalle weiter. „Wir alle machen individuelle leidvolle Erfahrungen von Enttäuschung, Scheitern und Unwiederbringlichkeit – ob es sich um den Verlust eines geliebten Menschen durch Trennung oder Tod handelt, den Abschied von Idealen und Visionen oder den Verlust von Heimat und Vertrautheit. Die Ausstellung macht deutlich, dass die Art und Weise unseres Umgangs mit Trauer, ihrer Darstellung und ihrer Wertung abhängig von unserem kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Umfeld ist und Rückschlüsse auf gesellschaftliche Miss- und Zustände zulässt.“

 Die Vielschichtigkeit des Themas wird anhand von Kapiteln wie »Melancholie und Trauer«, »Trauer und Geschlecht«, »Kollektive Trauer«, »Trauer und Protest«, »Formen des Abschieds« deutlich gemacht. Ein umfangreiches Begleitprogramm umfasst Vorträge, Lesungen, Gespräche und Führungen. Nach „Besser scheitern“ (2013) und  Warten (2017)  ist TRAUERN das dritte Thema einer Ausstellungsserie der Hamburger Kunsthalle, die sich mit Tabu- und Grenzthemen auseinandersetzt. (rd)

Trauern – Von Verlust und Veränderung, 7. Februar bis 14. Juni, Galerie der Gegenwart.