So geht gute Behandlung: Neue
„Schizophrenie”-Leitlinie

Wie sollte eine gute Behandlung von Schizophrenie nach bestem Wissen aussehen? Antworten gibt die neue S3-Leitlinie „Schizophrenie”, die „auf der Grundlage neuester evidenzbasierter wissenschaftlicher und klinischer Erkenntnisse Empfehlungen zur Behandlung von schizophrenen Psychosen” vorstellt  – basierend auch auf Erfahrungen von Betroffenen und Angehörigen, die einbezogen wurden.  Eines der zentralen Ergebnisse: Psychotherapie wird in allen Phasen einer schizophrenen Erkrankung empfohlen. Das war lange Zeit anders, was vor allem an fehlenden Nachweis- Studien zur Wirksamkeit lag. 

Doch am wichtigsten scheint die Aussage, die am Ende der diesbezüglichen Pressemitteilung der als Herausgeber fungierenden Fachgesellschaft DGPPN steht: „Nur mit ausreichend Personal kann die Behandlung an den persönlichen Interessen der Betroffenen ausgerichtet und der Nutzen der Leitlinie voll ausgeschöpft werden”, so Prof. Andreas Heinz, Präsident der DGPPN, der hervorhebt, dass es der Leitlinien-Gruppe gelungen sei, „Empfehlungen für die koordinierte Versorgung im Kontext mit einer dafür notwendigen Personalausstattung zu formulieren”.

Die Leitlinie wurde zwischen 2012 und 2018 von einer Gruppe von Experten, Betroffenen- und Angehörigenvertretern und Vertretern verschiedener Berufsgruppen entwickelt. Federführend initiiert und koordiniert wurde der Prozess von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e. V. (DGPPN).  Insgesamt waren fast 40 Verbände und Organisationen an dem Prozess beteiligt. Darunter auch der Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V., der allerdings der finalen Version als einziger Verband die Zustimmung verweigerte.

Eine S 3 Leitlinie gilt qualitativ am hochwertigsten. Gründe:  Erstens wird sie von einem repräsentativen Gremium erstellt, zweitens beruhen die Aussagen auf einer systematischen Analyse der vorhandenen wissenschaftlichen Evidenz, drittens sind sie im Rahmen einer strukturierten Konsensfindung  verabschiedet worden.

Die neue Leitlinie „Schizophrenie” gibt einen Überblick über die Wirksamkeit der umfassenden psycho-, sozio- und pharmakotherapeutischen Maßnahmen. Detailliert werden auch unerwünschte Arzneimittelwirkungen diskutiert und die Notwendigkeit der Diagnostik somatischer Komorbiditäten herausgestellt. Zudem werden umfangreiche Empfehlungen zu besonderen Behandlungsbedingungen – z. B. Suizidalität, Depression, Schwangerschaft und Stillzeit, Ablehnung von Pharmakotherapie, Therapieresistenz – gegeben und die Notwendigkeit einer koordinierten Komplexbehandlung für Menschen mit einer schizophrenen Ersterkrankung beschrieben.

Die Bundespychotherapeutenkammer hebt hervor, dass die S3-Leitlinie grundsätzlich empfiehlt, Menschen mit Schizophrenie eine kognitive Verhaltenstherapie anzubieten, unabhängig davon, ob es sich um eine erste psychotische Episode oder eine andauernde Erkrankung handelt. Diese sollte mit mindestens 16 Sitzungen angeboten werden. Zur Optimierung der Therapieeffekte und bei komplexeren Therapiezielen sollte die Sitzungszahl auf mindestens 25 Sitzungen erhöht werden, heißt es.

Schizophrenien zählen zu den schwersten psychischen Erkrankungen. In Deutschland sind rund 400.000 Menschen davon betroffen.

Weitere Informationen unter www.dgppn.de. Die Kurzfassung der neuen Leitlinie finden Sie hier: 

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