Notizen aus
Niedersachsen

Das Leineschloss in Hannover ist seit 1962 Sitz des Niedersächsischen Landtags. Foto: Tim Rademacher/ https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hannover_Leineschloss.jpg#filehistory

In der Kolumne „Notizen aus Niedersachsen“ greift der unabhängige Landesfachbeirat Psychiatrie Niedersachsen (LFBPN) seit vielen Jahren einzelne, aus seiner Sicht relevante Themen des Landes auf. Die Notizen werden künftig nach Erscheinen der EPPENDORFER-Printausgabe auch auf der Homepage zu lesen sein. Aktuell drucken wir die jüngsten Ausführungen des bisherigen Alleinautors Wolfram Beins, der sich künftig mit weiteren „Mitschreibern” abwechseln wird.

Wie machen wir weiter – Diese Frage beschäftigt mich mehr als sonst bei der Vorbereitung für die Notizen aus Niedersachsen. Durch Corona sind wir gezwungen, persönliche Begegnungen drastisch einzuschränken. Seit März haben keine Sitzungen mehr stattgefunden, wir haben uns nur notdürftig in Telefonkonferenzen abstimmen können. Große Bewegungen sind dadurch nicht entstanden. Die Arbeit fand überwiegend im Home-Office statt und war auch auf das Nötigste beschränkt. In der Aussicht auf länger andauernde Einschränkungen durch die Pandemie haben die Stellen im Land die Digitalisierung vorangetrieben. Jetzt versuchen wir es mit Videokonferenzen, da können wir uns wenigstens auch optisch verständigen und die Besprechungen werden weniger anstrengend. 

Für mich kommt noch eine persönliche Veränderung hinzu. Seit Anfang des Jahres bin ich aus der beruflichen Tätigkeit in der Psychosozialen Beratungsstelle in Celle ausgeschieden und genieße mittlerweile das aktive Rentnerleben. Auch damit stellt sich die Frage wie wir weitermachen.

Wir werden diese Notizen aus Niedersachsen auf verschiedene Schultern verteilen. Die Leser des EPPENDORFER werden künftig von mehreren Autorinnen und Autoren über die psychiatrischen Entwicklungen in Niedersachsen informiert. Es werden die Mitstreiter im Vorstand des Landesfachbeirats Psychiatrie zu Wort kommen – und auch ich bleibe noch etwas am Ball. Ferner soll auch die neue Landesstelle Psychiatriekoordination an dieser Stelle über ihre Aktivitäten berichten.

Deeskalation auf Akutstationen und bauliche Planungshilfen

Es gibt noch einiges zu tun und es tut sich was. Der Landesfachbeirat beschäftigt sich gerade mit Konzepten für eine deeskalierende Gestaltung von psychiatrischen Akutstationen. In enger Abstimmung mit dem Psychiatriereferat des Sozialministeriums werden demnächst Planungshilfen zu baulich-architektonischen Strukturen von psychiatrischen Akutstationen formuliert. Wir möchten, dass sich zukünftig alle Krankenhausplaner hieran orientieren.

In Zusammenarbeit mit EX-IN in Niedersachsen werden wir Empfehlungen zum Einsatz von Genesungsbegleiterinnen und Genesungs- begleitern in psychiatrischen Einrichtungen herausgeben und proaktiv der Perspektive der Nutzerinnen und Nutzer mehr Gehör verschaffen. Dazu gehören auch Angebote zur Stärkung der Selbsthilfe. Wir wollen erheben, wo der Lockdown Selbsthilfepotenziale gestärkt hat und wo sich Defizite in der sozialpsychiatrischen Versorgung gezeigt haben. Wir werden dann möglicherweise die Balance von Selbsthilfe und professioneller Unter-stützung neu ausloten müssen.

Auf dem Programm steht weiterhin das Angebot von Open-Dialog-Fortbildungen. Wir wollen die guten Erfahrungen mit dieser Form der Netzwerkgespräche aufgreifen und die Arbeit in den Behandlungs- und Unterstützungsangeboten und der regionalen Versorgungsstruktur besser machen.

Verbindlichere Koordination mit Hausärzten

Zur Verbesserung der Versorgungsstruktur und Zusammenarbeit gehört auch eine verbindlichere Kooperation mit den niedergelassenen Hausärzten in Niedersachsen. Wir wollen in Zusammenarbeit mit dem niedersächsischen Hausärzteverband bessere Unterstützungen für Hausärztinnen und Hausärzte durch die psychiatrischen Leistungserbringer entwickeln. Immerhin sind die Hausärzte oftmals die erste Anlaufstelle bei psychischen Krisen, und in einem Flächenland wie Niedersachsen bleiben sie häufig auch weiter Behandler für viele psychisch erkrankte Menschen.

Die Landesstelle Psychiatriekoordination wird sich in einer Lese-Reihe „Psychiatrie mal Anders“ widmen (Themen und Termine unter https://www.psychiatriekoordination-nds.de). Unter dem Stichwort „Lesungen im Dialog“ werden in fünf ZOOM-Video-Veranstaltungen verschiedene Autorinnen und Autoren ausgewählte Textpassagen ihrer Werke lesen und sie jeweils im Anschluss hinterfragen und reflektieren. Interessierten soll damit die Möglichkeit gegeben werden, sich dem facettenreichen Thema „Psychiatrie“ auf besondere Weise zu nähern. Dieses spannende Projekt richtet sich nicht nur an Profis, sondern will insbesondere Psychiatrieerfahrene und Angehörige sowie am Thema Interessierte einladen, einen ganz anderen Versuch zu wagen miteinander ins Gespräch zu kommen.

Es geht also weiter in Niedersachsen. In den Notizen werden wir die Leserinnen und Leser des EPPENDORFER weiter auf dem Laufenden halten. Wolfram Beins

(Wolfram Beins ist Vorstand des Landesfachbeirats Psychiatrie Niedersachsen – ein Fachgremium, das im Auftrag des Niedersächsischen Sozialministeriums die politischen Entscheidungsträger berät, sich aber auch als kompetenter Ansprechpartner in Sachen Psychiatrie im Lande versteht. In der Kolumne „Notizen aus Niedersachsen“ greift er seit vielen Jahren einzelne, aus seiner Sicht relevante Themen des Landes auf.)