Das Treffen der
Psychiatriemuseen

Prof. Thomas Knubben referierte über Franz Anton Messmer. Foto: privat

Ein Wiedersehen nach langer Pause: die Tagung der deutschsprachigen Psychiatriemuseen im MuSeele des Klinikums Christophsbad in Göppingen Ende Februar war ein bedeutendes Treffen für Fachleute, die sich mit der Geschichte und Vermittlung der Psychiatrie beschäftigen. Das vorhergehende Treffen lag Corona-bedingt bereits sieben Jahre zurück; damals hatten sich beim Kongress der DGPPN in Berlin 18 Museen zu einem Arbeitstreffen und einer gemeinsamen Wanderausstellung zusammengefunden.

Historische Einblicke: Franz Anton Mesmer und die Domnicks

Den Auftakt bildete ein öffentlicher Vortrag über Franz Anton Mesmer (1734–1815). Mesmer gilt mit seinem sogenannten animalischen Magnetismus als Pionier der Psychotherapie. In Wien, Paris und zuletzt auch in Berlin wurde er von den Zeitgenossen bewundert aber auch kontrovers diskutiert. Aus heutiger Sicht begründet Mesmer die suggestiven Therapien, die Gruppentherapie und die Musiktherapie. Er arbeitete mit Ritualen und setzte seine persönliche Aura ein.

Zum Abschluss besuchten die Teilnehmer das ehemalige Wohnhaus der Psychiater und Kunstförderer Ottomar und Christa Domnick, das heute die Sammlung Domnick in Nürtingen beherbergt. Das Ehepaar Domnick arbeitete schon während des zweiten Weltkrieges in der Psychiatrie und in der Neurologie. In Stuttgart gründen sie eine psychiatrische Privatklinik. Immer schon interessieren sie sich für die abstrakte Kunst und sie pflegen den Kunstaustausch mit Frankreich, womit sie in Deutschland nach dem Nationalsozialismus völlig neue Sichtweisen populär machen. Ihr Einkommen nutzen sie für Kunstkäufe und später für den Bau eines außergewöhnlichen Museums auf der Schwäbischen Alb in Nürtingen, welches nach ihrem Tod dem Land Baden-Württemberg überschrieben wurde.

Austausch und Vernetzung im Fokus

Das eigentliche Arbeitstreffen am zweiten Tag diente der Vernetzung und dem Erfahrungsaustausch. Der ärztliche Direktor des Klinikums Christophsbad betonte die Bedeutung des MuSeele für die psychiatrische Bildung und Akzeptanz. Der Leiter des MuSeele hob hervor, dass Psychiatriemuseen europaweit vernetzt seien und die Zusammenarbeit mit Fachorganisationen weiter gestärkt werden soll.

Sammlung Prinzhorn: Einblicke in die Outsider Art

Ein weiteres Highlight war der Vortrag des Leiters der Sammlung Prinzhorn in Heidelberg über die mehr als hundertjährige Geschichte der Sammlung, die inzwischen weltweite Reputation genieße. Die „Kunst der Geisteskranken”, heute auch besser als „Outsider Art” oder „Art Brut” bezeichnet, sei in den Museen, in Galerien und Ateliers vielfältig angekommen.

Schließlich wurden fünf innovative Initiativen vorgestellt: Kloster Irsee, Historisches Tobhaus in Eberswalde, Psychiatriemuseum Zwiefalten, Struwwelpeter Museum in Frankfurt sowie das Psychiatriemuseum Waldau in Bern.


Geplant: Website für den Museumsverbund und eine Wanderausstellung

In Arbeitsgruppen an Themen diskutiert wurden u.a. : Museologische Konzepte & Kooperationen, vernachlässigte Themen wie Frauen in der Psychiatrie, Sexualität und Suizidalität sowie
Skandale. Ferner ging es um Fördermöglichkeiten & Inklusion und Nutzung sozialer Medien.

Im Plenum wurden weitere Kooperationsprojekte besprochen, darunter eine geplante Website für den Museumsverbund sowie eine Wanderausstellung in Zusammenarbeit mit dem Rorschach-Archiv. Das nächste Treffen ist in drei Jahren in Düren (Haus 5) geplant.


Die Psychiatriemuseen bekräftigten in einer abschließenden Erklärung ihre Rolle für Aufklärung und Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen. „Im Verbund und in Zusammenarbeit mit den Gedenkorten bezüglich der nationalsozialistischen Verbrechen sowie mit Galerien, Ateliers und Museen der Outsider Art bzw. Art Brut leisten wir einen wichtigen Beitrag zu Aufklärung, zur Entstigmatisierung und zur Inklusion.” In Zeiten knapper Finanzen wird an Politik und Institutionen appelliert, diese wichtige Kulturarbeit weiterhin zu unterstützen. (R. Brüggemann, rd)