Mit Aura-Analyse
an den Geldbeutel

Magazin „andererseits“ zeigt in Doku, wie Menschen
mit Behinderungen Opfer von „Geistheilern“ werden

In der Ausgabe 15/2026 berichtet „andererseits“ – das inklusive
Magazin in Leichter Sprache – über falsche Heilsversprechen von sogenannten „WunderheilerInnen“. Zielgruppe der Scharlatane sind auch Menschen mit Behinderungen. In einer auf YouTube abrufbaren Kurzdoku „Kein Wunder: Wie esoterische Heilsversprechen Menschen mit Behinderungen zum Problem machen“ zeigen JournalistInnen von „andererseits“, was für ein behinderten-feindliches Menschenbild sich hinter den Angeboten verbirgt.

Seit 15 Jahren lebt die Journalistin Sandra Schmidhofer mit einer Sehbehinderung. Die Aussagen ihrer Ärztinnen waren eindeutig: Die Erkrankung ist nicht heilbar und sie wird immer weniger sehen können. Von Bekannten bekam sie, wie viele Behinderte, Hinweise auf alternative Heilungsangebote – Anregungen, für „andererseits“ mal die Probe aufs Exempel zu machen.

Über das, was die „Humanenergetikerin“ (Geistheilerin) nach einer „Aura-Analyse“ so von sich gab, musste Schmidhofer lachen. Aber der Hintergrund ist ernst: Den Klienten wird sofort klargemacht, dass sie sich auch wirklich auf die Heilmethode einlassen müssen. Für ausbleibende Erfolge sind dann natürlich immer sie selbst verantwortlich. Dies bestätigt in der Doku auch Constanze Körber, die wegen des Tourette-Syndroms ebenfalls eine „Aura-Analyse“ verpasst bekam. Die Sozialforscherin Pia Lamberty spricht in diesem Zusammenhang von einer bewussten Schuldverschiebung.

Kindern mit Autismus Putzmittel „zur inneren Reinigung” verschrieben

An ihren einfachen Lösungen verdienen die selbsternannten Heiler sehr viel Geld, so Ulrike Schiesser von der Bundes-Stelle für Sektenfragen in Österreich. Sie berichtet von lebensgefährlichen Praktiken, wobei Kindern mit Autismus sogar die Einnahme von Putzmitteln zur inneren Reinigung verschrieben wird.

Erstaunlich viele Menschen aus der „andererseits“-Community erzählen in der Doku von ihren Erfahrungen mit Geistheilerinnen. Ob heftige Migräne, ME/CFS oder Schmetterlingskrankheit – jede Erkrankung wird von ihnen behandelt. Wenn Eltern dann die Behinderung ihres Kindes nicht akzeptieren wollen und sie von einem „Heiler“ zum nächsten schleppen, wird dies für die Betroffenen zu einer großen Belastung.

Es mangelt an Schutz vor unseriösen Heilungsversprechen

Regeln, wie Behinderte vor den unseriösen Heilungsversprechen geschützt werden können, gibt es kaum. Und die Anbieter sichern sich mit geschickten vagen Formulierungen auf der Homepage ab. Im Zweier-Gespräch würden dann aber doch konkrete Heilsversprechen gemacht, so Ulrike Schiesser. Das sei aber ganz schwierig anzuzeigen. „Da werden Menschen an ihrem verletzlichsten Punkt ausgenützt, und es ist gesellschaftlich auch noch akzeptiert“, klagt Constanze Körber an.

Das Magazin, bei dem Menschen mit und ohne Behinderung zusammenarbeiten, ist im Abonnement erhältlich. „Wir helfen Dir, Behinderungen zu verstehen und decken Missstände rund um das Thema auf“, versprechen die MacherInnen. Und: „Wir bestimmen, wie wir berichten. Unser Geld kommt von unseren Abonennt*innen.“ Es ist möglich, „andererseits“ gedruckt, im Newsletter oder online zu lesen. Noch: Denn bis Jahresende werden 7000 Abos gebraucht. Ende Oktober lag die Zahl bei über 4800. Wer die 12 Arbeitsplätze unterstützen will, findet Infos unter www.andererseits.org. Dort ist auch die 20-minütige Dokumentation zu finden. Michael Freitag