Kunst mit Buchstaben

Harald Stoffers bei der Arbeit. Foto: Galerie der Villa | Fred Dott

Das vielschichtige Wechselverhältnis von Schrift und Bild in der Gegenwartskunst steht im Fokus der groß angelegten Ausstellung Art and Alphabet, die sich über zwei Etagen der Galerie der Gegenwart der Hamburger Kunsthalle erstreckt. Noch bis zum 29. Oktober werden hier Werke verschiedenster Medien von 22 internationalen Künstlern aus 15 Ländern präsentiert. Auch ein Hamburger ist dabei: In einem Raum werden die teils meterlangen Briefe von Harald Stoffers gezeigt, der in der Galerie der Villa der Elbe-Werkstätten arbeitet.

Das sind schon „Buchstabensuppen“ der besonderen Art. Gar einen Buchstabenzirkus hat Michael Bauch kreiert: „S“ und „T“ haben die Sprossen schon erklommen, „A“ steht noch Kopf, und das „C“ schlägt eine Brücke. In der Beschreibung dieses Kunstwerks ist von verspieltem Miteinander von Beschriebenem und Bildhaftem die Rede. Der Konzeptkünstler John Baldessari indes versucht in einem Video einer Zimmerpflanze das Alphabet beizubringen … Katie Holten, New Yorkerin mit irischen Wurzeln, hat gar ein Baum-Alphabet entwickelt. Eines mit historischen Wurzeln: Holten bezieht sich auf das so genannte Ogham Alphabet: Baumzeichen, die Iren im Mittelalter in Steine kratzten.

So bunt die Konzepte, so vielseitig die Umsetzung: in Gemälden, Zeichnungen, Skulpturen, Filmen, Videos, Fotografien, Rauminstallationen. Buchstaben werden zu Soundeinheiten intoniert
oder in Körpersprache nachgestellt. „Dabei entsteht ein spannungsvolles ,Kippen’ zwischen dem Entziffern und Lesen von Schrift und dem Betrachten und Wahrnehmen
eines Bildes“, heißt es in der Pressemitteilung der Kunsthalle.

Sehr speziell und einmalig ist auch die Schriftkunst von Harald Stoffers, dessen Werke inzwischen für Tausende von Euros gehandelt werden. Der Mitarbeiter der Elbe Werkstätten, der geistig behindert ist und wegen einer Parkinson Erkrankung meist im Rollstuhl sitzt, arbeitet Tag für Tag an teils meterlangen Briefen, die in ihrer Art – Gedankenfetzen, Zahlen oder auch Ornamente werden zwischen alles andere als exakte Linien gesetzt – musikalischen Notationen ähneln, ja wie Kompositionen wirken. Ein ausführliches Porträt von Harald Stoffers erscheint in der nächsten Printausgabe des Eppendorfers, die Anfang November erscheint.

Eigens für die Ausstellung noch bis Ende Oktober laufende Ausstellung hat die Hamburger Kunsthalle ein neues Vermittlungskonzept entwickelt, um den Zugang zu den Ausstellungsinhalten einer möglichst breiten Gruppe von Besuchern zu ermöglichen. Werke werden für verschiedene Sinne (Sehen, Hören, Tasten, Riechen) zugänglich gemacht. Das Konzept legt einen besonderen Schwerpunkt auf die Vermittlung an blinde und sehbehinderte Menschen.

Weitere Informationen unter www.hamburger-kunsthalle.de