Die Geschichte des EPPENDORFER

Die Psychiatriezeitung EPPENDORFER hat nichts mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf zu tun! Der Name der Zeitung, die – mit Unterbrechungen – bereits seit 1986 erscheint, bezieht sich auf einen Ärztekittel gleichen Namens.

 

Der EPPENDORFER berichtet sechsmal im Jahr im Tageszeitungsformat über Themen aus Psychiatrie, Psychotherapie, Gerontopsychiatrie, Suchthilfe und Jugendpsychiatrie sowie dem Sozialbereich. Regionaler Schwerpunkt ist der norddeutsche Raum. Auch Betroffene und Angehörige kommen zu Wort. Buchbesprechungen und Veranstaltungshinweise ergänzen das Spektrum der vielseitigen und aktuellen Informationen, die das Blatt insgesamt zu einem in dieser Art einzigartigen Presseorgan machen.

Gegründet wurde der EPPENDORFER 1986. Erklärtes Ziel damals:  Die unterschiedlichen Strömungen und Ideen während der Psychiatrie-Reformphase zu erfassen und psychisch Erkrankten, ihren Angehörigen und den psychiatrisch Tätigen als Informationsplattform zu dienen. Der für eine Psychiatrie-Fachzeitung eher ungewöhnliche Name erklärt sich so: Es sollte eine Psychiatrie-Zeitung entstehen, die – in damals weit mehr durch Stigmatisierung geprägten Zeiten – nicht auf Anhieb an Psychiatrie erinnern sollte. Der Name EPPENDORFER steht dabei nicht etwa für den gleichnamigen Hamburger Stadteil oder die dort angesiedelte Hamburger Universitätsklinik. Eben hier soll er allerdings erfunden worden sein, der  gleichnamige berühmte Arztkittel. Wadenlang und tailliert geschnitten, ließ sich einst am „Eppendorfer” und dessen Ausstattung mit Silberknöpfen und Rückenriegel die hierarchische Stellung des Arztes erkennen.

Die Ausgaben der 80er Jahre werfen ein deutliches Licht auf kontroverse Diskussionen um den „richtigen Weg”. Inzwischen haben sich die früheren Reformer etabliert, doch Unterschiede in der Auffassung über die weitere Entwicklung von Psychiatrie in Deutschland sowie über  Konzepte bleiben. Und der EPPENDORFER bietet dafür auch weiterhin ein Forum. Im Mittelpunkt sollen dabei das Wohl und das Interesse der Betroffenen selbst stehen. Deshalb hebt sich die Zeitung auch sprachlich bewusst von psychiatrischen Ärztezeitungen ab. Psychiatrie soll möglichst von allen verstanden werden.

Im Aussehen hat sich über die Jahre viel geändert – im Layout, in der Seitenzahl, in der redaktionellen Betreuung. 1995 stellte das Koog-Haus den EPPENDORFER sogar mal ganz ein. Folge: Eine Welle des Protestes von Lesern, die ihren EPPENDORFER behalten wollte, weshalb die Produktion noch im gleichen Jahre wieder aufgenommen wurde. Allerdings wurde die Fachzeitschrift damals in eine einfacher zu produzierende Zeitung im „Tageszeitungs-Look” verwandelt. Und wegen des hohen Aufwands einer monatlichen Zeitungsproduktion liegt die redaktionelle Verantwortung seit 2002 in Hamburg, wo das Blatt in Gänze von einer Redakteurin gestaltet, organisiert und druckfertig produziert wird. Daneben wird auf ein Team freier Mitarbeiter zurückgegriffen, wobei es sich  fast ausschließlich um gelernte Journalisten handelt.

Auch die Herausgeberschaften wechselten. Neben Vitanas mit Hauptsitz in Berlin fungiert seit 2001 die AMEOS Gruppe (Hauptsitz: Zürich) als Mitherausgeber. Ziel der Kooperation war es, die Zeitung qualitativ zu verbessern. Beide Herausgeber sehen die Weiterentwicklung einer humanen Psychiatrie, die Entstigmatisierung psychisch kranker Menschen und dabei insbesondere schwerer und chronisch Erkrankter als Kern ihrer Tätigkeit.

Redaktionell ist über all’ die Jahre und Veränderungen die Vision geblieben, mit dem Produkt zu einer lebendigen Psychiatriekultur beitragen zu wollen, in der sich unterschiedliche Ansätze – durchaus auch kontrovers diskutiert – gegenseitig befruchten. Der EPPENDORFER vertritt nicht „eine Wahrheit”, sondern will Abbild möglichst vieler Aspekte psychiatrischen Seins sein und zu einer besseren Behandlung und vor allem Integration psychisch Kranker beitragen.

Der EPPENDORFER gilt vor allem in Norddeutschland als anerkanntes und gern gelesenes Blatt. Unter den Lesern sind sowohl Ärzte, Pflegekräfte, Sozialpädagogen und Psychologen als auch Angehörige, Behördenmitarbeiter, Politiker, Journalisten sowie Psychiatrie-Interessierte zu finden. Die pharmaunabhängige Finanzbasis macht die Projektarbeit nicht immer einfach, bietet aber die Möglichkeit eines wohl deutschlandweit in dieser Art einzigartigen Zeitungsprojekts. Dieses ist in der Herstellung auch direkt in die Integrationsarbeit des Koog-Hauses eingebettet. Die Bewohner des Vitanas Sozialpsychiatrischen Centrums Koog-Haus sind an typischen Verlagstätigkeiten wie Erfassung, Anzeigengestaltung und insbesondere am Vertrieb beteiligt.