Bremen: Neue Hilfe für Kinder

Bremen (epd). Bremen will mit einem neuen Programm Kinder psychisch kranker Eltern und deren Familien unterstützen. Die Idee zu dem Modellprojekt unter dem Titel “Kidstime” stammt aus London und wird schon seit einiger Zeit im benachbarten Landkreis Rotenburg praktiziert. Die Initiative dort läuft unter der Ägide des Agaplesion Diakonieklinikums und wurde im vergangenen Jahr mit dem Niedersächsischen Gesundheitspreis ausgezeichnet.

In Deutschland lebten rund 3,5 Millionen Kinder und Jugendliche mit mindesten einem Elternteil, das unter einer psychischen Erkrankung leide, teilte der Bremer Senat am Freitag mit. Rechnerisch seien in der Hansestadt rund 29.000 junge Menschen betroffen. “Kidstime” solle mit spielerischen Elementen Kinder in dieser Lage entlasten und dazu beitragen, Familien zu stabilisieren.

Die Diakonie in Rotenburg organisiert unter dem Titel “Kidstime” monatlich Workshops für Kinder psychisch kranker Eltern. Ziel ist es, Gefühlen der Isolation vorzubeugen, Selbstvertrauen zu stärken, Informationen anzubieten und einen Erfahrungsaustausch zu ermöglichen.

An den jeweils knapp dreistündigen Workshops beteiligten sich monatlich bis zu 35 Personen, darunter neben den Kindern auch Eltern, Großeltern und Familienhelfer, sagte Henner Spierling, Psychologe am sozialpädiatrischen Zentrum des Klinikums. Sie würden durch ein fünfköpfiges ausgebildetes Team begleitet. Das Treffen sei keine therapeutische Veranstaltung, habe aber therapeutische Effekte, hieß es. Es gehe in erster Linie um eine Vernetzung.

Die Familien entwickeln Spiering zufolge für Krisensituationen Ideen, die für alle hilfreich sind. Das stabilisiere auch die erkrankten Eltern. Aber vor allem gehe es darum, den Kindern Erklärungen für die Erkrankungen zu liefern, Kontakte zu psychisch stabilen Erwachsenen zu unterstützen und Ausdrucksmöglichkeiten für Gefühle zu eröffnen. Dazu werden bei “Kidstime” in Gruppen für Kinder und Jugendliche Rollenspiele genutzt, die im Film dokumentiert und dann von der Gesamtgruppe besprochen werden.

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