100 Jahre Dorothea Buck

Kurz vor dem 100. Geburtstag: Dorothea Buck. Foto: HinrichsKurz vor dem 100. Geburtstag: Dorothea Buck. Foto: Hinrichs

Großes Aufgebot in Hamburg-Schnelsen, wo eine große alte Dame und psychiatriehistorische Persönlichkeit lebt: Die Bildhauerin und Autorin Dorothea Buck. Kurz vor ihrem 100. Geburtstag wurde sie für ihr Lebenswerk – den Einsatz für eine menschliche Psychiatrie – vom Ersten Bürgermeister der Stadt Hamburg mit der „Medaille für treue Arbeit im Dienste des Volkes in Silber“ ausgezeichnet. Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks verlieh die Auszeichnung in kleinem Rahmen, im Wohnraum der Geehrten. Am 6. Februar wird zu Ehren der Jubilarin ein Symposium im Universitäts-Hauptgebäude veranstaltet.
HAMBURG (hin). „Und dann wird man so unversehens 100 Jahre alt und merkt es gar nicht …“ Bester Dinge erwartete Dorothea Buck am 22. Februar die Gesundheitssenatorin. Umgeben von einer Runde von wenigen Vertrauten. Im Blickfeld der Kamera, die Alexandra Pohlmeier auf die zu Ehrende gerichtet hatte (Aufnahmen der Verleihung sollen bei dem Symposium gezeigt werden, das aus Anlass des 100. Geburtstages am 6. April von 14 bis 20 Uhr im Hörsaal A des Universitäts-Hauptgebäudes veranstaltet wird).
Die Senatorin kam pünktlich – und würdigte Dorothea Buck mit einer langen Laudatio. Vor dem Hintergrund ihrer Lebensgeschichte habe sie als „außerordentlich mutige, streitbare und kämpferische Persönlichkeit wegweisende Veränderungen in der Psychiatrie angestoßen“. Sie habe durch ihr Wirken zu einer Entstigmatisierung psychisch kranker Menschen und zu einer menschlicheren Psychiatrie beigetragen.
Dorothea Buck war – nach freiberuflicher bildhauerischer Tätigkeit – von 1969 bis 1982 Lehrerin für Kunst und Werken an der Fachschule für Sozialpädagogik in Hamburg. Zwischen 1936 und 1959 erlebte sie fünf schizophrene Schübe und wurde während ihrer ersten Psychose in den Bodelschwinghschen Anstalten in Bethel zwangssterilisiert. Später wurde sie Mitgründerin der heutigen Arbeitsgemeinschaft Bund der „Euthanasie“-Geschädigten und Zwangssterilisierten. Ihr erstes Buch „Auf der Spur des Morgensterns – Psychose als Selbstfindung“ machte vielen Mut und warb auch unter Profis für eine neue Sichtweise.
Zusammen mit Prof. Thomas Bock, Leiter der Spezialambulanz für Psychosen am UKE, gründete sie 1989 das erste Psychose-Seminar in Hamburg und warb bei vielen Vorträgen und in zahlreichen Veröffentlichungen für die Idee des so genannten Trialogs zwischen Betroffenen, Angehörigen und in der Psychiatrie Tätigen. Heute gibt es weit über 140 solcher Foren. Auch Projekte wie der Verein „Irre menschlich Hamburg e.V.“ und die EXperienced-INvolvement-Bewegung, die sich der Ausbildung von Betroffenen und Angehörigen zu Genesungsbegleitern widmet, beruhen mit auf den Ideen von Dorothea Buck. Über ihre Stiftung werden Menschen unterstützt, die diese Ausbildung machen wollen.
„Es ist Ihr Verdienst, dass sich Betroffene, Angehörige und Therapeuten heute auf Augenhöhe begegnen. Ihr großes Lebenswerk verdient unseren Respekt und unsere Anerkennung“, schloss die Senatorin ihre Laudatio

 

Vollständige laudatio: http://www.hamburg.de/pressearchiv-fhh/8217658/2017-02-22-bgv-dorothea-buck/

Programm des Symposiums: http://irremenschlich.de/termine/event/579-auf-der-spur-des-morgensterns